Die Behauptung

Kleiderspenden ins Erdbebengebiet in der Türkei: Gebrauchte Kleidung würde nicht angenommen, sondern ausschließlich Neuware mit Preisetiketten.

Unser Fazit

Das ist korrekt. Die türkische Botschaft hat bereits am 10. Februar in einem Schreiben mitgeteilt, dass nur „neue und unbenutzte Sachspenden“ abgegeben werden sollen.

Die Bilder sind schrecklich, inzwischen wird von 48.000 Toten (Stand 22. Februar) nach dem verheerenden Erdbeben in der Türkei und Syrien gesprochen. Die Hilfsbereitschaft der Deutschen ist immer noch groß. Deshalb verwundert eine Aussage die Spendenwilligen ganz besonders: Gebrauchte Kleidung, auch wenn sie wie neu ist, wird von den Spendenstellen nicht angenommen. Was steckt dahinter?

@rainboo_bremerhaven Sachspenden nehmen wir bei der Firma Kuaisu entgegen. Unter der Rampe 5 in Bremerhaven #bremerhaven #spenden #spendenaktion #earthquake #erdbeben #hatay #türkiye ♬ orijinal ses – M :((

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Die Mitteilung der Türkischen Botschaft

Bereits einen Tag nach dem Erdbeben am 6. Februar veröffentlichte die Türkische Botschaft Berlin einen Spendenaufruf auf ihrer Facebookseite zunächst nur auf Türkisch. Am 8.2. folgte die Version in deutscher Sprache:

Gepostet von T.C. Berlin Büyükelçiliği / Türkische Botschaft Berlin am Mittwoch, 8. Februar 2023

Im Erdbebengebiet würden dringend Hilfsgüter zum Übernachten und Heizen gebraucht, sowie Taschenlampen, Lebensmittel, Hygieneartikel und weitere Sachspenden benötigt, außerdem Kleidung für Erwachsene und Kinder von Winterjacken bis hin zu Unterwäsche. Der Spendenaufruf ist hier bereits mit dem folgenden Hinweis versehen: „Für eine bedenkenlose Benutzung durch die Hilfsbedürftigen ist es wichtig, dass die gespendeten Hilfsgüter unbenutzt und winterfest sind“.

Diese Mitteilung wurde leider nur über Social Media verteilt, auf den Seiten der Türkischen Botschaft Berlin und der Generalkonsulate sucht man sie vergebens. Das gilt auch das Update, das am 9. (auf Türkisch) und am 10. Februar (auf Deutsch) veröffentlicht wurde:

Gepostet von T.C. Berlin Büyükelçiliği / Türkische Botschaft Berlin am Freitag, 10. Februar 2023

In der Mitteilung vom 10. Februar wird nun von „neuen und unbenutzten Sachspenden“ gesprochen. Dieser Text wurde seitdem nicht mehr verändert.

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Warum nur Neuware?

Viele Spendenwillige hat die Aussage verärgert, dass nur Neuware angenommen wird. Und rechte Kreise machen Stimmung damit, dass man solchen undankbaren Menschen am besten gar nichts spenden sollte. Dabei gibt es sehr gute Gründe dafür, dass man nur Neuware – ganz besonders bei Kleidung und Hygieneartikeln – in ein Katastrophengebiet bringt: Es gibt dort einfach nicht die räumlichen und personellen Kapazitäten, die Hilfsgüter selbst auszusortieren.

Der SWR hat das Thema schon sehr ausführlich behandelt: Einerseits sind die Hilfstransporte in die Region schwierig, andererseits ist der Zoll sehr pingelig. Bevor die LKWs mit den Hilfsgütern aufbrechen können, müssen diese beim türkischen Generalkonsulat angemeldet werden. Alle verladenen Hilfsgüter müssen auf einer Inventurliste genau dokumentiert werden. Dann folgt eine Kontrolle der Ladung und Papiere durch den Zoll. Dieser verplombt den LKW, der anschließend nicht mehr geöffnet werden darf. Für Speditionen, die sich um die Hilfslieferungen kümmern, ist das oft ein Minusgeschäft.

Die Sachspenden in die Türkei zu bringen, würde etwa fünf bis sechs Tage dauern, erläutert Serkan Eren, Gründer der internationalen Hilfsorganisation STELP aus Stuttgart im Interview mit dem SWR:

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Die Türkei selbst ist eine Wirtschaftsmacht in der Region. Viele der benötigten Hilfsgüter können deshalb direkt in der Türkei gekauft und dann in das Erdbebengebiet an der syrischen Grenze gebracht werden. Der Transport von Hilfsgütern aus Deutschland ist kompliziert, teuer und dauert lange. Da ist es eben überhaupt nicht sinnvoll, wenn sich unter den Sachspenden „gebrauchte Unterwäsche und dreckige Babybodys“ befinden, wie es z.B. Spedition Telci im Westerwald schon erleben musste. Fehlen am benötigten Ort die Kapazitäten, um die Spenden zu sortieren, dann sind Bilder, wie sie vielfach auf TikTok geteilt wurden, wenig verwunderlich.

@gentabeautypalace Das ist mit den Spenden passiert ( ( Kartons Klamotten). #türkei#spenden#wahrheit#traurig#kinder#erdbeben#syria#syrien#kartons#spenden#ausallerwelt#mülldeponie#strasse#foryou#wichtigenachricht#fyp#viral#viraltiktok#wegschmeissen#newsoftheday#fyp#fds ♬ Originalton – Genta_official

Sachspenden können laut Mitteilung der Botschaft „zoll- und abgabenfrei“ in die Türkei transportiert werden, sofern sie an öffentliche Einrichtungen oder gemeinnützige Vereine adressiert sind. Besser ist aus oben genannten Gründe allerdings eine Geldspende an eine vertrauenswürdige Hilfsorganisation (auf das DZI-Siegel achten) oder direkt an das türkische Präsidium für Katastrophen und Notfallmanagement (AFAD), das ein eigenes Spendenkonto in Deutschland eingerichtet hat:

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Empfänger: AFAD
IBAN: DE50512207002000452454
SWIFT/BIC: TCZBDEFFXXX
Ziraat Bank International AG Frankfurt

Fazit: Die Behauptung ist korrekt. Die türkische Botschaft hat bereits am 10. Februar in einem Schreiben mitgeteilt, dass nur „neue und unbenutzte Sachspenden“ abgegeben werden sollen. Dafür gibt es gute Gründe: Der Transport von Sachspenden ist teuer, langwierig und kompliziert. Zum Sortieren von Gebrauchtware fehlen Vorort auch die Kapazitäten. Noch besser sind also Geldspenden.

Nur gebrauchte Kleidung für Erdbebenopfer?
Mimikama-Bewertung: FEHLENDER-KONTEXT

Quellen: Türkische Botschaft Berlin (auf Facebook), DZI, SWR, Merkur, STELP, TikTok
Titelbild: freepik

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