Faktencheck

Video von vermeintlichem Hassprediger in Halle zeigt bekannten Rechtsextremen

Er verbreitet darin die toxische Botschaft: „Konvertiert, verlasst dieses Land oder sterbt!“

Walter Feichtinger

Die Behauptung

In einem kurzen Videoclip von „dieser Woche“ fordert ein schwarz gekleideter, vermeintlicher muslimischer Geistlicher die Deutschen auf, zu konvertieren, das Land zu verlassen oder zu sterben.

Unser Fazit

Das Video wurde bereits Anfang 2017 aufgenommen und zeigt einen amtsbekannten Rechtsextremen. Auf Telegram fordert dieser auf, diesen Clip ohne Kontext zu verbreiten, um bewusst zu verstören.

Aktuell wird ein kurzer Videoausschnitt geteilt, der einen schwarz gekleideten Mann zeigt, der auf einem öffentlichen Platz seine Hassbotschaft verbreitet:

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Allahu Akbar! Konvertiert! Verlasst dieses Land! Oder sterbt! In wenigen Jahren werden eure Lehrer, eure Richter, eure Politiker Muslime sein! Wir erobern dieses Land mit den Bäuchen unserer Frauen! Ihr könnt nichts dagegen tun! Allahu Akbar! Konvertiert, verlasst dieses Land oder sterbt! Allahu Akbar!

Giftige Worte des islamfeindlichen, rechtsextremen Hasspredigers Sven L.

Das Video ist weder aktuell noch zeigt es einen echten Imam. Einzig der Ort stimmt: Halle an der Saale.

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Infostand junger Muslime und ein rechtsextremer Hassprediger

Anfang 2017 hatten vier junge Muslime wie so oft einen Infostand vor der Ulrichskirche in Halle aufgebaut. Mit persönlichen Gesprächen und den Büchern an ihrem Stand versuchen sie dort regelmäßig neue Anhänger für kleine muslimische Gemeinschaft zu finden: die Ahmadiyya Muslim Jamaat. Die seit etwa 100 Jahren in Deutschland aktive Reformgemeinschaft ist einerseits friedliebend, offen und reflektiert, andererseits aber auch sehr wertkonservativ: Sie strebt nach einer Vorherrschaft des Islam auch in Europa. Als anerkannte Untergruppe des Islam gibt sie u.a. in Hessen Religionsunterricht.

Am Samstag, dem 11. Februar 2017, gab es allerdings einen Zwischenfall. Ein Mann mit Vollbart, in schwarze Gewänder gehüllt, die einen Imam darstellen sollten, machte Stimmung gegen die Standbetreiber und den Islam. „Konvertiert!“, „Allahu Akbar!“, „Kämpft für Allah!“, brüllte er über den Marktplatz.

Der Sprecher der Ahmadiyya Muslim Jamaat Jugendorganisation, Shehroz Sial beschreibt die Vorkommnisse der Mitteldeutschen Zeitung später so: „Viele Leute haben wirklich gedacht, er gehört zu uns“. Etwas Ähnliches wäre bis dahin noch nicht vorgekommen. „Auf einmal kamen zwei Männer auf uns zu und schrien uns an. Ich habe gerade mit einer älteren Dame gesprochen und war einfach geschockt.“ Sial geht davon aus, dass diese Männer auch zum Hassprediger gehörten: „Der hat sich Leute mitgebracht, aber das hat man nicht gleich erkannt“.

Einige Passanten konnten den schwarz gekleideten Mann als den Organisator der regelmäßigen Montagsmärsche identifizieren: als den wegen Volksverhetzung angeklagten Rechtsextremen, Sven L., auch bekannt als der damalige Betreiber der Hetzseite „Halle-Leaks“. Andere hielten ihn für einen echten muslimischen Geistlichen. „Die Leute haben plötzlich einen Bogen um uns gemacht“, berichtete Sial. Sie hätten sich von L. beeinflussen lassen und lieber ihm zugehört als den jungen Muslimen, die schließlich versuchten ihn zur Rede zu stellen. Erst als eine Anwohnerin die Polizei rief, erteilten Beamte dem Hassprediger einen Platzverweis für die unmittelbare Nähe zum Bücherstand.

hass halle

Der falsche Prediger inszeniert sich

Videos der Aktion landen auf den Social Media-Kanälen von Sven L. Sein YouTube-Auftritt ist inzwischen dauerhaft gesperrt, auf Facebook tauchen allerdings nach Sperren immer wieder neue Profile von ihm auf. Wie viele Rechtsextreme ist L. auch auf alternative Medienportale wie Telegram umgestiegen, dort sind die Videos seiner Hasspredigt noch immer abrufbar. Ein kurzer Clip, der allerdings nicht im direkten Umfeld des Bücherstandes, sondern später aufgenommen wurde, ist auf Ls Telegram-Kanal mit folgender Aufforderung versehen:

Das war eine kleine Zugabe, als wir das Video „Nichts zu tun mit Islam“ drehten. 40 Sekunden, welche bewusst verstörend wirken. Wenn man sie ohne Hinweis auf den Urheber irgendwo hochläd. Das weckt Gutmenschen auf. Also fühlt Euch frei, meine Videos anderweitig einfach zu verwenden.

Sven L. fordert seine Follower auf, die Hassbotschaft weiterzuverbreiten (sic)

Der Clip mit englischen Untertiteln ist exakt jener, der auch aktuell wieder verbreitet wird. In Twitterpostings wird so getan, als wäre die Hasspredigt „in dieser Woche“ gehalten worden und nicht bereits 2017. Ohne einen Kontext und in voller Absicht wird dabei auf die Bildsprache vertraut: So wird implizit unterstellt, dass es sich um einen echten Imam handelt, der die Menschen in Deutschland mit dem Tod bedroht. Gegen L. laufen aktuell noch weitere Ermittlungen und Gerichtsverfahren, bei denen es um gefährliche Körperverletzung und um eine kriminelle Handelsplattform im Internet geht.

Fazit: Das Video wurde bereits Anfang 2017 aufgenommen und zeigt keinen echten muslimischen Geistlichen, sondern den amtsbekannten Rechtsextremen, Sven L. Auf Telegram fordert er auf, diesen Clip ohne Kontext zu verbreiten, um bewusst zu verstören.

Bewertung: FALSCH

Quellen: Mitteldeutsche Zeitung, Deutschlandfunk, FAZ, SZ, MDR, ahmadiyyajugend.de

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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