Faktencheck

Video vom Jahreswechsel mit Schusswaffen ist schon 7 Jahre alt

Es gibt keinen Grund, Lügen mit falschen Bildern zu verbreiten. Die echten vom letzten Jahreswechsel sind schon kaum zu ertragen!

Walter Feichtinger

Die Behauptung

Das Video ist beschriftet mit „Berlin, Silvester 2022/23. Frau Faeser das ist ihr Verdienst!!“. Es wird ein „Krieg“ auf deutschen Straßen beschworen, der zugelassen wurde, um Gesetze verschärfen zu können.

Unser Fazit

Die Videobilder stammen wirklich aus Berlin-Neukölln, sind aber bereits sieben Jahre alt. Nancy Faeser ist erst seit Ende 2021 Bundesinnenministerin, davor war sie Landespolitikerin in Hessen.

Die Szenen vom Jahreswechsel in Berlin waren erschütternd. Die Angriffe auf die Einsatzkräfte und der massive Vandalismus müssen politische Konsequenzen haben. Dabei muss aber darauf geachtet werden, dass der Diskurs nicht in eine rassistische Schieflage gerät. Manche Medien arbeiten wider besseres Wissen immer noch mit veralteten und falschen Zahlen aus der Silvesternacht. Andere scheuen nicht davor zurück, mit Bildern zu lügen, wir haben berichtet. Die reale Gewalt und Respektlosigkeit, die wir erleben mussten, waren bereits schlimm genug. Deshalb braucht es keine weiteren Falschinformationen, die zusätzlich Öl ins Feuer gießen.

Ein Video, das auf Twitter und anderen Kanälen herumgereicht wird, macht aber genau das. Personen schießen mit Waffen um sich und werfen Feuerwerkskörper auf die Straße. Diese Aufnahme stammt jedoch nicht von Silvester 22/23 in Berlin, sie ist sieben Jahre älter.

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Eskalation zum Jahresende: Bilder aus einer aus einer alten TV-Reportage

Das Video ist kurzer Teil einer Reportage, die am 4. Januar 2016 von Spiegel TV unter dem Titel „Straßenschlacht in Neukölln“ ausgestrahlt wurde. Sie kann auf der Seite von spiegel.de gestreamt werden. Für die Reportage war Katja Döhne in Neukölln unterwegs, sprach mit Bewohnern des Bezirks und machte sich mit ihrem Filmteam selbst ein Bild davon, wie bei einem der lokalen Brennpunkte gefeiert wurde: Mit Schreckschusspistolen, Raketen und Feuerwerkskörpern, die man aufeinander, auf Passanten, auf verbeifahrende Autos auf der Straße abfeuerte.

„Hermannstraße, Ecke Emserstraße. Hier geht urviel ab. Das ist alles normal!“ – „Warum gehen die alle so ab?“ – „Keine Ahnung! […] Die Gruppe gegen die andere Gruppe. Es sind keine Feindschaften oder so dazwischen. Die kennen sich alle. Das ist einfach reine Spaßsache!“

Katja Döhne von SpiegelTV spricht mit einem jungen Anrainer aus dem Kiez

Auch wenn die Bilder auf den ersten Blick jenen ähnlich sind, die gerade durch deutsche Medien gingen, sie sind alt und haben mit der Krawallen des letzten Jahreswechsels nichts zu tun. Genau das selbe gilt mit dem Vorwurf an Bundesinnenministerin. Nanca Faeser ist erst seit dem 8. Dezember 2021 in diesem Amt. Davor war sie Landespolitikerin in Hessen. Nein, für diese alte Videoaufnahmen kann sie ganz bestimmt nichts.

Fazit: Das Video stammt nicht von Silvester 22/23, sondern ist 7 Jahre alt. Nancy Faeser war damals weder Politikern in Berlin noch Bundesinnenministerin.

Bewertung: FALSCH

Eine Kritik an den Geschehnisse des letzten Jahreswechsels und breiter Diskurs darüber, was sich ändern muss, ist dringend notwendig, z.B. zum freien Erwerb von Schreckschusspistolen. Falschinformationen und weiter Öl ins Feuer gießen sind dabei allerdings nicht hilfreich.


Quellen: spiegel.de, Twitter, Tagesspiegel, dpa-factchecking

Mehr zum Thema: Brennende Autos in der Silvesternacht – Lügen mit Bildern, Hetzen mit falschen Zahlen

Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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