Die Behauptung
In sozialen Netzwerken wird ein Foto einer alten „Bild am Sonntag“-Schlagzeile von 1957 geteilt. Darin steht „56 Grad! Ganz Deutschland ein Brutofen!“, was als angeblicher Beleg dafür genutzt wird, dass es in Deutschland schon damals Temperaturen von 56 Grad gegeben habe und der heutige Klimawandel deshalb übertrieben oder nicht real sei.
Aufgestellt von: Soziale Medien
Faktencheck: Irreführend
Die 56 Grad bezogen sich auf ein Uhrengehäuse, nicht auf die Lufttemperatur.
Als Klima-Argument ist das Foto des Bild-Titelblatts daher irreführend.
Eine alte Schlagzeile der „Bild am Sonntag“ soll eine Rekord-Temperatur in Deutschland schon 1957 nachweisen. Doch auch damals war Springer-Presse eher „Clickbait“.
Bereits 2019 kursierte das Foto einer alten Ausgabe der „Bild am Sonntag“: „56 Grad! Ganz Deutschland ein Brutofen!“ titelte das Blatt und feuert damit nun Klimawandel-Leugner an, die die Schlagzeile als Argument gebrauchen, dass es schon vor Jahrzehnten so hohe Temperaturen gegeben habe.

Update 22. Juni 2026:
Der Screenshot der alten „Bild am Sonntag“-Schlagzeile kursiert erneut in sozialen Netzwerken. Die 56 Grad beziehen sich weiterhin nicht auf die Lufttemperatur, sondern auf das Innere eines Uhrengehäuses.
Die Überschriftenleser
Damals wie heute gibt es eine besondere Kategorie der Leser: Die Überschriftenleser!
Jene Spezies zeichnet sich dadurch aus, indem sie in Zeitungen, Zeitschriften und Artikeln im Internet nur die Überschriften lesen und daraufhin glauben, bereits voll informiert zu sein.
Fragt man Angehörige dieser Spezies nach einer Quelle, wird dann oftmals erwidert: „Das stand in der Zeitung“, „Das stand im Internet“ oder unser aller Liebling: „Das stand sogar auf Facebook!“ (Achtung, schockierende Neuigkeit: Facebook ist keine Nachrichtenagentur!).
Der Artikel
Fairerweise wurde jener Screenshot inklusive des Beginns des Artikels angefertigt. Zoomen wir uns doch also einfach mal näher ran:
„Bei 56 Grad im Gehäuse versagte die Bahnhofsuhr von Wanne-Eickel den Dienst.“
Es waren also nicht 56 Grad in Deutschland, sondern in einem Uhrengehäuse!
Das tatsächliche Wetter hingegen lässt sich beispielsweise im Archiv von „Kachelmannwetter“ nachschauen: Im Juli 1957 stiegen die Temperaturen im Süden Deutschlands auf bis zu 37 Grad.
Auch die Temperaturentwicklung in Deutschland seit 1881 bis heute (siehe HIER) zeigt gut, dass es zwar immer wieder Temperaturschwankungen gab, im Gesamten aber die Temperaturen steigen!
Fazit
Klima ist nicht Wetter, das sei hier nochmals betont. Sich einzelne Wetterereignisse herauszupicken, um den Klimawandel zu widerlegen, ist also eher schon Verzweiflung.
Und die 56 Grad wurden in einem Uhrengehäuse in Deutschland erreicht. Eine kleine, aber feine Information, die es leider nicht in die Titelzeile der Zeitung schaffte.
FAQ zum Thema 56 Grad in Deutschland 1957
Waren es 1957 wirklich 56 Grad in Deutschland?
Nein. Die 56 Grad bezogen sich nicht auf die Lufttemperatur in Deutschland, sondern auf die Temperatur im Inneren eines Uhrengehäuses. Als Wetterrekord ist die alte Schlagzeile deshalb falsch verstanden.
Was zeigte die „Bild am Sonntag“-Schlagzeile von 1957?
Die Schlagzeile nannte „56 Grad“ und „Ganz Deutschland ein Brutofen“. Im dazugehörigen Artikel wurde jedoch erklärt, dass bei 56 Grad im Gehäuse eine Bahnhofsuhr in Wanne-Eickel ausfiel. Der entscheidende Kontext stand also nicht in der Überschrift.
Beweist die alte Schlagzeile, dass der Klimawandel übertrieben ist?
Nein. Einzelne Wetterereignisse oder zugespitzte Schlagzeilen widerlegen keine langfristige Klimaentwicklung. In diesem Fall kommt hinzu, dass die genannte Temperatur gar keine gemessene Außentemperatur war.
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
