Alte Fakes, Buzzwords und die Mimikama-Suchmaschine

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Autor: Andre Wolf

Die Erfinder von Falschmeldungen sind faul. Daher geben sie sich selten Mühe, einen Inhalt nachweislich belegbar zu gestalten oder gar sauber zu inszenieren. Oftmals werden einfach alte Falschmeldungen erneut veröffentlicht.

So wie die Geschichte des 256 Jahre alten Mannes, die auf der Webseite world.parhlo.com am 30. Juni 2017 veröffentlicht wurde.
Doch an der Geschichte des 256 Jahre alten Chinese darf gezweifelt werden. Ebenso wie an dem Versprechen, dass er kurz vor seinem Tod sein Geheimnis für ein langes Leben ausplauderte. Ob nun ein übermäßig langes Leben ein Segen oder ein Fluch ist, mag dahingestellt sein. Schön ist es schließlich nicht gerade, wenn alle Lieben rundherum vor einem sterben. Nichtsdestotrotz wünschen sich viele ein sehr langes Leben und bekommen Hoffnung durch einen Artikel, der verspricht, das Geheimnis zu offenbaren, wie man uralt wird.
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Ey Mimikama, darüber habt ihr ja schon mal geschrieben!

Richtig. Und nicht erst ein Mal. Mit den richtigen Suchbegriffen findet man über unsere Suchmaschine www.hoaxsearch.com auch tatsächlich ein Ergebnis. Man muss nur bestimmte, einzigartige Schlagworte aus dem Ursprungstext nehmen (beispielsweise „256 Jahre Mann”), dann bekommt man als vorgeschlagenes Ergebnis einen Artikel, dessen Inhalt wir an dieser Stelle kurz nochmal wiederholen (die Geschichte auf world.parhlo.com ist ja auch nichts anderes als eine Wiederholung).
Die Quintessenz des Mythos ist, dass viele Methoden, die der angeblich 256-jährige Li Ching Yun damals angewendet haben soll, auch heutzutage als gesund gelten: Meditation, soziales und sinnvolles Leben, vegetarische Ernährung, chinesische Pflanzenkunde. Insbesondere Wolfsbeerentee wird betont, den Li Ching Yun oft getrunken haben soll, der ein mysteriöses „Vitamin X“ enthält, welches alle möglichen positiven Wirkungen auf den Körper haben soll.
Die Geschäfte und Internet-Stores sollte man deswegen aber nicht stürmen: Zwar sind Tees mit Wolfsbeeren tatsächlich gesund, allerdings gibt es auch viele falsche Produkte mit dieser Bezeichnung auf dem Markt. Im Wesentlichen sind jene Beeren aber nicht gesünder als ein Apfel, ein Wundermittel ist es nicht.

Wurde er wirklich 256 Jahre alt?

Könnten wir Li Qing Yun selber fragen, würde er sagen: Nein. Tatsächlich gab er als sein Geburtsjahr 1736 an, war also zum Zeitpunkt seines Todes 1933 „nur“ 197 Jahre alt. Trotzdem ein beachtliches Alter… wenn es denn stimmen sollte.
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Quelle: Time Magazine
Wie es zu den 256 Jahren kommt, ist fraglich. Eine Theorie des US National Library of Medicine National Institutes of Health besagt, dass 256 ein Vielfaches von 8 ist und die 8 in der chinesischen Mythologie als Glückszahl gilt. Zwischen damals und heute wurde er also schon einmal 59 Jahre älter gemacht.

Gibt es Beweise?

Kurz gesagt: Nein. Es gibt keinerlei Geburtsurkunde oder eindeutige Beweise, dass Li Ching Yun so alt war. Zwar behauptete Professor Wu Chung-chieh von der University of Chengdu, dass es Aufzeichnungen gäbe, in denen die chinesische Regierung dem Chinesen 1827 zum 150. Geburtstag gratulierte sowie 1877 zu seinem 200. Geburtstag, Beweise blieb er aber schuldig.

Können Menschen überhaupt so lange leben?

Das darf derzeit bezweifelt werden. Das höchste nachgewiesene Alter, welches je ein Mensch erreichte, war 122 Jahre. Zweifellos leben Asiaten gesünder als Menschen in den westlichen Staaten, allerdings liegt hierbei China eher im Mittelfeld. Platz 1 belegen die Japaner. So mag eine gesunde Ernährung, Meditation und viel Schlaf zwar durchaus das Leben verlängern, jedoch ist es zweifelhaft, ob man damit tatsächlich 256 Jahre alt wird. Dazu schreitet dann doch der natürliche Zerfall der menschlichen Zellen zu stark voran.

Hat schon mal jemand wegen seines Alters gelogen?

Überraschung: Natürlich. Noch im Jahr 1986 stand der Japaner Shigechiyo Izumi mit 120 Jahren als ältester Mensch der Welt im Guinnes Buch der Rekorde. 1987, 14 Monate nach seinem Tod, fand man allerdings heraus, dass er „nur“ 105 Jahre alt gewesen ist: Er wurde 1880 geboren, nahm aber die Identität seines 1865 geborenen älteren Bruders an, der schon jung starb. In alten asiatischen Kulturen war es oftmals üblich, dass als sogenanntes „Nekronym“ der jüngere Bruder den Namen eines älteren verstorbenen Bruders annahm, um ihn damit zu ehren.
So wird angenommen, dass auch Li Qing Yun nicht etwa wirklich 256 (oder 197) Jahre alt wurde, sondern es sich entweder um eine „Namensübernahme“, einen Identitätsdiebstahl oder eine zufällige Namensgleichheit handelt. Handfeste Beweise gibt es allerdings weder dagegen noch dafür, dass er ein solch biblisches Alter erreichte.

Fazit

Wirklich befriedigend kann jenes Mysterium also nicht gelöst werden. So gesund jener Chinese auch gelebt haben mag, so zweifeln Mediziner an, dass man damit ein solch hohes Alter erreichen könne. Die Geschichte wirkte noch fantastischer, da Li erzählte, er habe im Alter von 130 Jahren einen Mann in den Bergen getroffen, der 500 Jahre alt sei und ihm Ernährungstipps gab. Alterstechnisch kommen wir da schon langsam an die biblischen Figuren heran, welche 800 Jahre und älter geworden sein sollen. Persönlich schätzen wir jene Geschichte eher als Mythos ein. Trotzdem gehen wir nun los, um Wolfsbeerentee und chinesische Kräuter zu kaufen. Man kann ja nie wissen.

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