Faktencheck: Was steckt hinter der „Zuckerwatte“ Alpha-Chloralose?

Alpha-Chloralose: Die Realität hinter den viralen Warnungen in den sozialen Medien

Autor: Tom Wannenmacher

Die Behauptung

Ein in sozialen Medien verbreitetes Bild zeigt angeblich das neue Mäuse- und Rattengift Alpha-Chloralose, das von vielen als „Füllstoff“ oder „Zuckerwatte“ beschrieben wird.

Unser Fazit

Nein, das Bild zeigt eine schwer identifizierbare Substanz, die von einigen als Pappelsamen und von anderen als synthetische Substanz identifiziert wird. Es ist sicher, dass dieser „Füllstoff“ oder „Zuckerwatte“ nicht das besagte Rattengift ist. Die genaue Herkunft des Bildes ist aufgrund seiner häufigen Verbreitung unklar.

Falschinformationen können leicht in der sich ständig verändernden Landschaft der sozialen Medien verbreitet werden. Eine der aktuellsten Warnungen bezieht sich auf ein „neues“ Gift für Mäuse und Ratten namens Alpha-Chloralose. Doch was steckt wirklich dahinter?

Der Ursprung der Warnung

Das in den sozialen Medien verbreitete Bild zeigt eine schwer zu identifizierende Substanz, die von vielen Nutzern als das besagte neue Mäuse- und Rattengift beschrieben und als „Füllstoff“ oder „Zuckerwatte“ bezeichnet wird.

Achtung wichtige Info über Alpha-Chloralose: das neuartige Mäuse- und Rattengift ‼️ Wichtig für alle Hunde- und Katzenhalter‼️
Alpha-Chloralose ist ein neuartiges Gift, das zur Bekämpfung von Mäusen und Ratten eingesetzt wird.
Die weissen Kristalle von Alpha-Chloralose sehen aus wie Milchpulver oder Zuckerwatte und lassen sich in Wasser und Alkohol auflösen. 
Teilweise ist das Gift auch als Paste oder Kugeln erhältlich.
Es wird beim Auslegen häufig mit anderen Substanzen, wie Mehl etc., vermischt. 
Je nach Witterung und Mischung sieht das Gift etwas anders aus.
Screenshot: Facebook mit „Achtung wichtige Info über Alpha-Chloralose: das neuartige Mäuse- und Rattengift Wichtig für alle Hunde- und Katzenhalter
Alpha-Chloralose ist ein neuartiges Gift, das zur Bekämpfung von Mäusen und Ratten eingesetzt wird.“

Während einige vermuten, dass die abgebildete Substanz Pappelsamen sein könnten, identifizieren andere sie als synthetisches Material. Dennoch steht fest: Das als „Zuckerwatte“ oder „Füllstoff“ bezeichnete Material ist nicht das oft erwähnte „neue“ Rattengift. Der Grund: Alpha-Chloralose präsentiert sich als weißes, in Wasser und Alkohol lösliches kristallines Pulver. Es kann auch als Paste oder in Kugelform existieren, oft kombiniert mit weiteren Zutaten wie Mehl. Trotz der weiten Verbreitung des Bildes in sozialen Medien bleibt dessen genaue Herkunft ungewiss.

Was ist Alpha-Chloralose?

Alpha-Chloralose ist ein Rodentizid, das zur Bekämpfung von Nagetieren eingesetzt wird. Die Substanz, die sowohl Chloralhydrat als auch Glukose enthält, hat einen süßen Geschmack, der Nagetiere anlockt. Chloralhydrat wirkt beruhigend und verlangsamt den Stoffwechsel, wodurch die Temperaturregelung des Körpers gestört wird. Die Verwendung ist ausschließlich in geschlossenen Räumen und unter spezifischen Bedingungen gestattet. Doch hier liegt oft die Herausforderung – aufgrund der freien Verfügbarkeit wird es manchmal auch unsachgemäß im Freien eingesetzt. Dies erhöht die Gefahr, dass es versehentlich von Katzen, Hunden oder Wildtieren aufgenommen wird.

Obwohl in einigen Meldungen behauptet wird, es handele sich um ein „neues“ Gift, ist Alpha-Chloralose bereits seit 2011 in der EU zugelassen und wird seit 2018 verstärkt in Deutschland eingesetzt.


Siehe:

WirkstoffEG-Nr.CAS-Nr.Aufnahme geregelt durchZeitpunkt der GenehmigungGenehmigung befristet bis
(Alpha-) Chloralose240-016-715879-93-32009/93/EG (PDF-Datei, 717 KB)
Änderung: 
2021/333 (PDF-Datei, 501 KB)
Änderung: 
2023/2378 (PDF-Datei, 444 KB)
01.07.201130.06.2021
Verlängerung bis 30.06.2026


Die Zulassung von Alpha-Chloralose ist innerhalb der Europäischen Union geregelt, wobei bereits Anträge auf Verlängerung der Genehmigung eingereicht wurden. Die Genehmigung für den Einsatz in Biozidprodukten der Produktkategorie 14 endete am 30. Juni 2021, jedoch wurde ein Antrag auf Verlängerung der Genehmigung gestellt​1​. Es erscheint so, dass Produkte von anderen Unternehmen, die den Wirkstoff Alpha-Chloralose enthalten und auf einer anderen Zulassung basieren, weiterhin im Handel erhältlich sind​2​.

Der Gesetzgeber ist sich der Risiken, die von Mäuseködern mit dem Wirkstoff Alpha-Chloralose ausgehen, bewusst und hat die Anwendung unter Einhaltung bestimmter Bedingungen gestattet​3​. Zudem wurde die Zulassung der Biozidproduktfamilie Alpha-Chloralose Grain gemäß der Verordnung (EU) Nr. 528/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates erwähnt, wobei es ungelöste Einwände von Frankreich und Schweden gegen die Zulassungsbedingungen gibt​4​.


Gefahren für Haustiere

Vor allem Hunde und Katzen, die im Freien herumstreifen, können mit dem Gift in Kontakt kommen. Die Vergiftungssymptome sind unterschiedlich, aber oft schwerwiegend:

  • Krampfanfälle und Muskelzittern: Dies sind oft die ersten Anzeichen einer Vergiftung.
  • Schläfrigkeit bis hin zu Koma: Die Tiere können apathisch wirken oder ihre Umgebung nicht mehr wahrnehmen.
  • Untertemperatur: Der gestörte Temperaturhaushalt kann zu einer gefährlichen Unterkühlung führen.
  • Atemprobleme: In schweren Fällen kann es zu Atemstillstand kommen.

Hinweis: Bei oraler Aufnahme kann Alpha-Chloralose ohne Behandlung tödlich wirken. Das Risiko einer Vergiftung besteht sowohl durch direktes Verschlucken des Köders als auch indirekt durch den Verzehr bereits vergifteter Mäuse.

Was tun bei Verdacht auf Vergiftung?

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Tier vergiftet wurde, handeln Sie sofort:

  1. Suchen Sie einen Tierarzt auf: Bei einer Vergiftung zählt jede Minute.
  2. Versuchen Sie nicht, Ihr Tier zum Erbrechen zu bringen: Dies kann die Situation verschlimmern.
  3. Halten Sie eine Probe des Gifts bereit: Wenn möglich, nehmen Sie eine Probe des verdächtigen Materials mit zum Tierarzt.
  4. Informieren Sie sich: Kennen Sie die Gefahren in Ihrer Umgebung und achten Sie darauf, Giftstoffe sicher aufzubewahren.

Übersicht:

  1. Form und Aussehen: Alpha-Chloralose wird als weißes kristallines Pulver beschrieben, das in Wasser und Alkohol löslich ist, und kann auch in Form einer Paste oder Kugeln vorliegen, oft gemischt mit anderen Substanzen wie Mehl​1 ​​2 ​​3​.
  2. Wirkung: Alpha-Chloralose wirkt narkotisierend, verlangsamt den Stoffwechsel und führt bei Nagetieren zu Unterkühlung und Tod ​4​.
  3. Verfügbarkeit: Es gibt Hinweise darauf, dass Alpha-Chloralose in einigen Regionen frei verkäuflich ist, während in anderen Regionen Einschränkungen gelten​ 5 ​​6 ​​7​.
  4. Gefahren für Haustiere: Die Aussage betont die Gefahren von Alpha-Chloralose für Hunde und Katzen, was mit den gefundenen Informationen übereinstimmt​8 ​​9​.
  5. Behandlung: Es wird gesagt, dass es kein spezifisches Gegengift gibt und die Behandlung symptomatisch ist, was mit den Informationen übereinstimmt, dass die Therapie aus Dekontamination und Linderung der Symptome besteht​10​.

Fazit

Nur weil das Rodentizid Alpha-Chloralose süßlich schmeckt, muss es nicht zwangsläufig wie „Zuckerwatte“ aussehen, wie es das viral verbreitete Bild suggeriert. Die genaue Herkunft des Bildes und was es darstellt, bleibt unklar. Was jedoch feststeht: Alpha-Chloralose wurde schon 2011 in der EU zugelassen und wird seit 2018 in Deutschland eingesetzt. Haustiere, die draußen unterwegs sind, könnten durch dieses Gift erheblichen Gefahren ausgesetzt sein.

Quellen:

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