Das müssen Eltern über BeReal wissen

BeReal ist ein neues Netzwerk, das Nutzer:innen möglichst ungefiltert zeigen will. Saferinternet zeigt auf, was genau BeReal ist.

Autor: Tom Wannenmacher

Was ist BeReal?

BeReal ist ein neues Soziales Netzwerk, das seine Nutzer:innen in „authentischen Momenten“ ungestellt und ohne Filter zeigen möchte. Jeden Tag kann nur ein Foto gepostet werden. Wann das passiert, gibt die App vor. Alle Nutzer:innen bekommen zu einer bestimmten Uhrzeit die Benachrichtigung, dass „BeReal-Zeit“ ist. Sie haben dann zwei Minuten Zeit, um ein Foto zu posten. Wer die App öffnet, kann ein Foto von der Umgebung schießen. Zugleich wird aber auch ein Selfie aufgenommen. Am Posting ist dann zu sehen, was Nutzer:innen gerade machen und wie sie dabei aussehen. Dieses Foto ist dann 24 Stunden im Profil sichtbar.

BeReal veröffentlicht nicht automatisch das erste Foto, das gemacht wird. Nutzer:innen haben mehrere Versuche, ein Foto aufzunehmen. Die anderen Nutzer:innen sehen aber, wie viele Versuche notwendig waren.  

Um die Nutzer:innen dazu anzuregen, selbst sogenannte „BeReals“ zu teilen, sehen sie die Postings ihrer Freund:innen erst nachdem sie ein eigenes Fotos hochgeladen haben. Wann genau das passieren muss, sieht die Plattform aber nicht ganz so streng: BeReals können auch erst später geteilt werden, sie werden dann jedoch als „Late“ gekennzeichnet: Also als Fotos, die zu spät und nicht während des zweiminütigen Posting-Slots entstanden sind.

Die Fotos können übrigens kommentiert und mit „Realmojis“ (Minifotos von Nutzer:innen als Emoji) versehen werden.

Man kann seine bereits veröffentlichten BeReals auch wieder löschen. Nutzer:innen müssen dann aber einen Grund dafür angeben.

Warum ist BeReal so beliebt?

Das Ziel der App ist es, für mehr Realität in der Social-Media-Welt zu sorgen. Auf der Plattform sollen keine „perfekten“ Instagram-Fotos geteilt werden, sondern Schnappschüsse, die Nutzer:innen auch mal ohne Pose im Gammeloutfit zeigen. Das macht Spaß, erfordert Mut und gibt Einblicke in den Alltag der Freund:innen.  

Gibt es eine Altersbeschränkung?

BeReal ist ab 13 Jahren erlaubt. Laut den Geschäftsbedingungen benötigen Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren, je nach Land, die Zustimmung eines Erziehungsberechtigten.

In der Praxis spielt das Mindestalter kaum eine Rolle, da auch jüngere Kinder die App herunterladen und nutzen können.

Welche Risiken hat eine Nutzung?

  • Der 2-minütige Posting-Slot verleitet Jugendliche dazu, Fotos ins Netz zu stellen, die sie sonst nicht teilen würden. Nutzer:innen fotografieren sich möglicherweise in sehr privaten Situationen, beispielsweise abends im Bett oder mit unvorteilhaftem Gesichtsausdruck. Selbst wenn diese Fotos nach 24 Stunden wieder verschwinden, können Screenshots angefertigt und diese gegen eine Person verwendet werden. Wie in jedem Sozialen Netzwerk kann auch hier Cyber-Mobbing eine Rolle spielen.
  • BeReals zeigen den Alltag und somit wohl auch Familienmitglieder, Freund:innen, Verwandte und Fremde – und das nicht immer nur vorteilhaft. Doch auch hier gilt das „Recht am eigenen Bild“, das sicherstellen soll, dass Menschen nicht zu ihrem Nachteil abgebildet werden. Nutzer:innen sollten daher besser immer um Erlaubnis fragen, bevor sie ein Bild veröffentlichen.
  • Außerdem wird mit den BeReals immer auch das Umfeld fotografiert, wodurch Online-Freund:innen mitunter auch Einblick in die eigenen vier Wände oder andere private Bereiche erhalten. Privatsphäre-Schutz ist hier also ebenfalls ein großes Thema: Auch wenn die App hohe Spontaneität erwartet, sollten die Nutzer:innen unbedingt darauf achten, nicht zu viel von sich preiszugeben.
  • Filter, Inszenierung und perfekte Fotos sind auf BeReal eigentlich nicht vordergründig. Trotzdem kann der Wunsch entstehen sich „cool“ zu präsentieren und nur die spannenden und interessanten Facetten des Alltags zu zeigen. Das kann Jugendliche unter Druck setzen.

BeReal verleitet dazu, Fotos spontan und ohne über weitere Konsequenzen nachzudenken zu veröffentlichen. Aber Achtung: Inhalte, die einmal veröffentlicht werden, können nur schwer wieder aus dem Internet entfernt werden.


Tipps für Eltern

  • Reden statt verbieten. Auch wenn Sie skeptisch sind – ein reines Verbot ist eher kontraproduktiv, vor allem wenn die Apps im Freundeskreis Ihres Kindes gerade sehr beliebt ist. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, warum es die App unbedingt nutzen möchte und klären Sie gemeinsam mögliche Risiken ab.
  • Gemeinsam entdecken. Probieren Sie BeReal einfach einmal selbst aus oder begeben Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind auf „Entdeckungsreise“. Sie werden nicht nur die Faszination dahinter besser verstehen, sondern auch mögliche Risiken besser einschätzen können.
  • Privatsphäre schützen.
    Erklären Sie Ihrem Kind, warum es wichtig ist, seine Privatsphäre zu schützen. Zeigen Sie ihm, wie es Fotos erstellen kann, ohne zu viel von sich preiszugeben. Besprechen Sie außerdem, dass Ihr Kind BeReals nur mit Freund:innen teilen sollte. Veröffentlichen Kinder Inhalte im sogenannten „Discovery-Bereich“, haben sie keinen Einfluss darauf, wer die Fotos sieht.
  • Standort schützen.
    BeReal fügt dem Foto standardmäßig einen Standort hinzu. Wir empfehlen, auf diese Ortungsfunktion zu verzichten, da sie einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre bedeutet. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, dass es Echtzeitfotos niemals mit dem aktuellen Aufenthaltsort versehen sollte.
  • Regeln vereinbaren.
    Besprechen Sie mit Ihrem Kind, welche Momente es besser nicht teilen sollte (z. B. im Bett, in der Badewanne oder leicht bekleidet). Auch Fotos, die einen Rückschluss auf den Wohnort oder die Schule zulassen, sollten unbedingt vermieden werden, um die Privatsphäre zu schützen. Erinnern Sie zudem Ihr Kind daran, dass, bevor es andere Menschen auf den Fotos veröffentlicht, um Erlaubnis fragen sollte, um das „Recht am eigenen Bild“ nicht zu verletzen.
  • Gruppenzwang, Druck und Challenges besprechen.
    Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass es nicht bei jeder BeReal-Challenge mitmachen muss, auch wenn es gerade angeblich alle machen. Und: Fotos verspätet zu posten ist besser, als ein Leben lang von einem peinlichen Foto verfolgt zu werden.

Quelle
Saferinternet.at

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