Eine Studie zeigt, dass Deutschlands Jugendliche sich der Sensibilität persönlicher Daten durchaus bewusst sind. Datenschutz ja, aber nur ohne zusätzliche Kosten.
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) führte eine Studie durch, bei der insgesamt 3.000 Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 21 Jahren zum Thema eigene Nutzung sozialer Netzwerke befragt wurden.
Dabei wurde festgestellt, dass Datenschutz konträr zur Nutzung steht, denn zwischen angegebener Datenschutzpräferenz und tatsächlichem Verhalten im Alltag sehen die Forscher eine deutliche Diskrepanz.
Rund neun von zehn Jugendlichen in Deutschland nutzen täglich soziale Medien und gelten als “Digital Natives”, da sie mit dem Internet aufgewachsen sind.
Dabei steht der Messengerdienst WhatsApp mit 87 Prozent deutlich im Vordergrund. An zweiter Stelle liegt Snapchat mit 54 Prozent. YouTube wird von etwa jedem Zweiten täglich genutzt, Instagram kommt auf 34 Prozent. An letzter Stelle liegt Twitter mit 13 Prozent und auch Facebook und Google+ haben mit jeweils 17 Prozent im Leben der Jugendlichen keine größere Bedeutung mehr.
“Daten sind der zentrale Rohstoff der digitalen Wirtschaft”
Die meisten Social-Media-Dienste erzielen den Großteil ihrer Einnahmen durch Werbung. Das Wissen über die Anwender in Form von persönlichen Daten, um maßgeschneiderte Werbeanzeigen für den individuellen Nutzer schalten zu können, ist für solche Unternehmen also Gold wert.
Daten im Tausch für die Nutzung entsprechender Dienste – und das in der Regel, “kostenlos”. Dazu trägt die Selbstverständlichkeit der Nutzung solcher Online-Dienste durchaus bei und persönliche Daten werden freiwillig überlassen.
Auch wenn sich die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen kritisch gegen die Weitergabe von Daten äußerte, würden diese bei anfallenden Kosten dennoch auf mehr Datenschutz verzichten. Die Studie zeigt:
Vielen Digital Natives ist der Datenschutz zwar wichtig, aber dennoch sind sie mehrheitlich nicht bereit, dafür zu zahlen. Ein Teil ist offensichtlich aber bereit, einen meist geringen Betrag für mehr Datenschutz zu entrichten. Eine kritische Einschätzung der Datenverwertung durch Onlinedienste führt in der Regel nicht dazu, dass die Dienste nicht genutzt werden.
Nur 16 Prozent würden höchstens fünf Euro pro Monat in Datenschutz investieren. Mehr als 30 Euro kommt nur mehr für 3 Prozent der Befragten in Frage.
„Bei vielen sozialen Netzwerken steigt der wirtschaftliche Nutzen mit der Menge der Daten“,
erklärt IW-Digitalisierungsexpertin Barbara Engels – und das sehen viele Jugendliche durchaus kritisch.
Rund 73 Prozent finden es nicht gut, wenn persönliche Daten von den Anbietern gespeichert und an Dritte weitergegeben werden. Dennoch führt dieses Misstrauen nicht zum Verzicht auf Online-Dienste.
Dies habe unter anderem mit dem so genannten Netzwerk-Effekt zu tun:
Je mehr Menschen im direkten Umfeld einen Dienst nutzen, desto wahrscheinlicher ist die eigene Nutzung – unabhängig von den Bedenken.
Laut Michael Schäfer, Autor der Webseite Computer Base, stellt dies ein generelles Problem in Deutschland dar. Rund 87 Prozent der Verbraucher verfallen bereits dem “Privacy Paradox” – sie nutzen einen Online-Dienst, obwohl sie dessen Datenschutz nicht vertrauen.
„Wunsch und Handeln stehen beim Datenschutz in einem klaren Gegensatz. Für die meisten heißt es: Digital first, privacy second“,
sagt Engels.
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