Was Satire darf und was nicht, wird besonders in Deutschland wohl spätestens seit Jan Böhmermanns Schmähgedicht gegen den türkischen Präsidenten Erdogan heiß diskutiert.

Durch eine Aktualisierung der Community-Standards will Facebook nun klarstellen, wie mit satirischen Inhalten auf der Plattform umgegangen wird. Dieser Schritt resultierte aus einem Vorschlag des unabhängigen Oversight Board.

Was ist das Oversight Board?

Das Oversight Board ist ein internationales Gremium, bestehend 30 Experten, zu denen unter anderem Juristen und Menschenrechtsaktivisten gehören. Es handelt im Auftrag von Facebook, agiert aber dennoch unabhängig davon. Das Oversight Board soll eine Art ethischen Kompass für das soziale Netzwerk und dessen Umgang mit freier Meinungsäußerung darstellen. Hier werden unter anderem Gründe für gelöschte Kommentare oder gesperrte Accounts analysiert und auf deren Berechtigung überprüft. Facebook ist an die Entscheidungen des Gremiums gebunden.

Der Anlass

Zuletzt war der Kommentar eines Facebook-Nutzers Fall des Oversight Board. Dieser hatte eine abgewandelte Form des „Two Buttons Meme“ (dt. Zwei-Knöpfe-Meme) (LINK: Two Buttons Meme – Memerino) unter den Beitrag einer Niqab-tragenden Person gepostet. Das Original-Meme zeigt eine Comic-Sequenz – in der oberen Hälfe zwei nebeneinanderliegende rote Knöpfe, in der unteren Hälfte einen schwitzenden Mann, der sich offenbar nicht entscheiden kann, welchen der Knöpfe er betätigen soll. Bei dem abgewandelten Meme des Facebook Nutzers wurde der Mann durch eine türkische Flagge ersetzt und die zwei Knöpfe jeweils mit „Der armenische Genozid ist eine Lüge“ und „Die Armenier waren Terroristen, die es verdient haben“ beschriftet.

Einspruch des Nutzers gegen Löschung durch Facebook

Unter Berufung auf die Nutzungsrichtlinien hatte Facebook den Kommentar wegen Abzielens auf „Opfer schwerer körperlicher oder seelischer Schäden“ gelöscht, wogegen der Nutzer selbst schließlich Einspruch erhob. Hierzu führte er unter anderem an, dass sein Kommentar auf „die Ironie eines bestimmten historischen Ereignisses“ hinweisen sollte und „Humor – wie viele andere Dinge – subjektiv“ sei. Das Oversight Board sprach dem Nutzer Recht zu und empfahl Facebook daraufhin, spezifischer darzustellen, inwiefern das soziale Netzwerk Ausnahmen für satirische Inhalte gestalten will. Dadurch solle es Usern verständlicher werden, wie mit solchen Inhalten umgegangen wird.

Facebook reagiert

Facebook teilte nun in einem Blogpost mit, dass sie „Informationen zu den Community-Standards hinzufügen, die deutlich machen, wo wir Satire als Teil unserer Bewertung von kontextspezifischen Entscheidungen berücksichtigen“. Dies soll es den Teams ermöglichen, Satire aus möglichen Hate-Speech-Verstößen herauszufiltern.

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Quellen: Der Standard, Oversight Board
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