Facebook und unseriöse Gewinnspiele: Auf Details achten!

Ja, es ist verlockend, schnell einen Gutschein für umsonst abstauben zu können. Wenn es denn echt wäre. Doch auf Facebook tummeln sich sehr viele Datensammler, und durch einen genaueren Blick könnt ihr sie bereits früh selbst entlarven!

Autor: Ralf Nowotny

Ein aktuelles Beispiel möchten wir hier einmal mit euch durchspielen. Wir wurden darauf hingewiesen, dass bei vielen Nutzern auf Facebook ein angebliches Gewinnspiel des dänischen Möbelhauses JYSK angezeigt wird. Gesponsert? Also ist es doch bestimmt echt, oder?
Falsch. Denn Facebook-Betreiber Meta ist leider nicht besonders reich und muss deshalb jeden gesponserten Beitrag annehmen, ohne dessen Seriosität zu prüfen – da ist leider kein Geld für Mitarbeiter, die das abchecken.

Mark Zuckerberg ist arm
Mark Zuckerberg ist arm, Quelle: ntv

Oh. Okay. Liegt vielleicht daran, dass sein Metaverse, das „Horizon Worlds“ heißt (fragt nicht nach dem Sinn!) nicht wirklich ein Knaller ist… aber das ist ein anderes Thema, zurück zu den gesponserten Werbeanzeigen, hier ein aktuelles Exemplar:

Angeblich verschenkt JYSK auf Facebook einen Gutschein
Angeblich verschenkt JYSK auf Facebook einen Gutschein

JYSK feiert angeblich seinen einjährigen Geburtstag und verschenkt deshalb einen 500 € Gutschein für seine Waren.
Okay, das ist sachlich schonmal falsch, denn JYSK wurde am 15. März 1979 gegründet, die Umbenennung in Deutschland von „Dänisches Bettenlager“ zu JYSK geschah im August/September 2021.

Schritt 1: Ein Blick auf die echte Seite

In diesem Fall ist es einfach erkennbar, da die Seite ja nicht vorgibt, JYSK zu sein, sondern „Angebote diese Woche“ heißt, doch viele andere Fake-Gewinnspiele nennen sich einfach (oft mit Sonderzeichen) Coca-Cola oder Edeka, um einen falschen Anschein zu erwecken.
Also scheinen wir mal auf die echte Seite von JYSK auf Facebook (siehe HIER), denn dort steht doch bestimmt auch was von dem Gewinnspiel, oder?

Fehlanzeige. So ein großer Geburtstag (mit über einem Jahr Verspätung) und dann steht das nicht einmal auf der Originalseite? Da sollten bei euch schon die Alarmglocken schrillen! Aber schauen wir mal weiter!

Schritt 2: Die Seitentransparenz

Geht einfach mal auf die Hauptseite einer Seite und schaut euch dort die Seitentransparenz an, denn diese verrät schon sehr viel!
Im aktuellen Fall sieht die „Angebote diese Woche“ Seite sogar seriös aus, denn sie gibt es schon seit 2013:

Seit 2013 - doch die Details verraten mehr!
Seit 2013 – doch die Details verraten mehr!

Klicken wir also mal auf „Alle ansehen“, um mehr Details zu erhalten, denn da wird es schon verdächtiger:

Die Seitentransparenz verrät viel
Die Seitentransparenz verrät viel

Da erfahren wir, dass die Seite zwar seit 2013 existiert und „Bella Ciat Ciat Muaah Winx“ hieß, aber im Mai 2022 auf „Promo 2022“ und im Juni auf „Angebote diese Woche“ umbenannt wurde [1], von mehreren Menschen in Spanien, Indonesien, Kenia, Ukraine und Russland verwaltet wird [2] und aktuell Werbeanzeigen geschaltet hat [3].

Also ebenfalls verdächtig: Mehrere Menschen aus dem Ausland verwalten eine Seite mit angeblichen Gewinnspielen in Deutschland, zudem wurde die Seite erst vor kurzem umbenannt? Da ist es sehr wahrscheinlich, dass der Account des Inhabers der Seite sein Passwort leichtsinnig auf einer gefälschten Facebook-Seite eingegeben hat und nun Kriminelle die Seite übernommen haben!

Schritt 3: Die Werbeanzeigen

Da wir ohnehin schon mal in der Seitentransparenz sind, können wir uns auch gleich mal mit einem Klick auf „Zur Werbebibliothek“ ansehen, welche Werbungen denn auf Facebook geschaltet wurden:

Nur 5 von 35 Werbeanzeigen
Nur 5 von 35 Werbeanzeigen

Und das sind viele! Insgesamt hat die Seite 35 verschiedene gesponserte Beiträge auf Facebook geschaltet. Das kostet eine Menge Geld, aber das können sich die Kriminellen auch leisten, denn hier ein Spoiler: Sie führen alle zu falschen Gewinnspielen!

Schritt 4: Die Bewertungen

Dies ist ein kleiner Bonus, da neu erstellte Seiten mit falschen Gewinnspielen üblicherweise gar keine Bewertungen haben. In diesem Fall aber scheint es nur positive Bewertungen zu geben.

Gute Bewertungen, also vertrauenswürdig?
Gute Bewertungen, also vertrauenswürdig?

Volle 5 Sterne bei 16 Bewertungen! Aber wie es auch auf anderen Plattformen ratsam ist: Auch hier sollten wir mal einen Blick auf die Bewertungen werfen:

Bewertungen aus der Copy& Paste-Fabrik
Bewertungen aus der Copy& Paste-Fabrik
  1. Die „Bewertungen“ enthalten alle den gleichen, mehrfach kopierten Text.
  2. Die Bewerter kommen – Überraschung – aus Spanien, Indonesien, Kenia, Ukraine und Russland!

Hier liegt also sehr nahe, dass die Betreiber der Seite selbst ihre Seite positiv bewertet haben!

Fassen wir zusammen

Ohne überhaupt das „Gewinnspiel“ angeklickt zu haben, können wir (und nun auch ihr!) alleine anhand der Facebook-Seite erkennen, dass es sich nicht um ein seriöses Gewinnspiel handeln kann:

  • Die echte Seite des Unternehmens berichtet nicht über ein Gewinnspiel
  • Die Seite änderte erst vor kurzem ihren Namen in eine Gewinnspielseite
  • Die Betreiber der Seite sitzen alle im Ausland
  • Die Betreiber schalteten sehr viele gesponserte Beiträge mit unterschiedlichen Unternehmen, die angeblich Gutscheine verschenken
  • Die Bewertungen stammen von unterschiedlichen Personen, enthalten aber alle den gleichen Text und stammen „zufällig“ alle aus den Ländern, in denen auch die Betreiber sitzen

Wenn ihr trotzdem auf einen solchen Link klickt, um bei einem vermeintlichen Gewinnspiel mitzumachen, seid gewarnt: Ihr werdet sehr viel Spam per Telefon, Mail, SMS und Post erhalten. Und das nur, wenn ihr Glück habt, denn manchmal habt ihr auch ein teures Abo am Hals, das nur sehr schwer wieder zu kündigen ist.

Auch interessant: Bei Facebook sieht man immer wieder Werbeanzeigen zu „nicht abgeholten Amazon-Paketen“. Gezeigt werden Paletten voller Pakete und Boxen, die man angeblich besonders günstig kaufen kann. Finger weg davon!
„Nicht abgeholte Amazon-Pakete“: Das steckt dahinter!
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