Die Kontroverse um antarktisches Schelfeis

Es kursieren Behauptungen im Internet, die auf einer Studie basieren, die eine Zunahme der antarktischen Schelfeisflächen in den vergangenen zehn Jahren dokumentiert. Diese Behauptungen dienen dazu, die globale Erderwärmung insgesamt in Zweifel zu ziehen. Es handelt sich dabei um solche oder ähnliche Aussagen: „661.000.000.000 Tonnen. Eiszuwachs! in der Antarktis von 2009 bis 2019.Klimawandel, in Your face!“. Diese Stausbeiträge gibt es z.B. auch auf italienisch: „Infine le osservazioni mostrano che le piattaforme di ghiaccio antartiche sono aumentate nell’ultimo decennio di 661 Gt (Gigaton) pari a 661miliardi di tonnellate (661.000.000.000).Questo per sottolineare che la minchiata del riscaldamento globale è l’ennesima colossale truffa ai danni dei subumani.“ oder auf griechisch: „Σε MAZA το συνολικό κέρδος υπολογίστηκε σε 661 δισεκατομμύρια τόνους (661.000.000.000 τόνοι)!!Σε ΟΓΚΟ αυτό είναι πάνω από 700 δισεκατομμύρια κυβικά μέτρα.“

Aber ist das wirklich das, was die Studie zeigt? Oder handelt es sich um eine Fehlinterpretation der Forschung?

Screenshot: Facebook  / Antarktis-Karte der Schelfeisflächenveränderung von 2009 bis 2019, mit Schelfeisnamen, die über eine Bedmap2-Oberfläche der Antarktis gelegt werden. Die kreisförmigen Flächen zeigen den Gesamtumfang der verlorenen (rot) oder gewonnenen (blau) Schelfeisfläche (in km2) an. Die fette schwarze Linie stellt die antarktische Küstenlinie dar, die Daten von 2015 und 2019 kombiniert.
Screenshot: Facebook / Antarktis-Karte der Schelfeisflächenveränderung von 2009 bis 2019, mit Schelfeisnamen, die über eine Bedmap2-Oberfläche der Antarktis gelegt werden. Die kreisförmigen Flächen zeigen den Gesamtumfang der verlorenen (rot) oder gewonnenen (blau) Schelfeisfläche (in km2) an. Die fette schwarze Linie stellt die antarktische Küstenlinie dar, die Daten von 2015 und 2019 kombiniert.
BehauptungenFaktenchecks
Die Eismasse in der Antarktis hat von 2009 bis 2019 zugenommen.Während die Studie zeigt, dass die Schelfeisfläche insgesamt zugenommen hat, bedeutet dies nicht, dass die Gesamtmasse des Eises in der Antarktis zugenommen hat. Tatsächlich zeigt die gleiche Studie einen signifikanten Eisverlust in diesem Zeitraum.
Das Wachstum der Schelfeisflächen in der Antarktis widerlegt die globale Erwärmung.Das Wachstum der Schelfeisflächen ist eigentlich ein Zeichen der beschleunigten Eisschmelze in den höher gelegenen Gebieten der Antarktis, was durch die globale Erwärmung verursacht wird.
Die Zunahme des Schelfeises am Südpol widerlegt die Warnungen vor dem Klimawandel.Trotz der Zunahme der Schelfeisfläche ist die Gesamtmasse des Eises in der Antarktis abnehmend. Das zeigt, dass die Region tatsächlich von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen ist.
Die Schelfeiszunahme beweist, dass die Antarktis Eis gewinnt, nicht verliert.Experten betonen, dass das Wachstum des Schelfeises eigentlich auf eine beschleunigte Eisschmelze hindeutet, die dazu führt, dass mehr Eis in das Meer fließt. Der antarktische Kontinent verliert jährlich etwa 150 Milliarden Tonnen Eis.
Die Studie, die ein Wachstum des Schelfeises zeigt, widerlegt die Behauptungen der globalen Erwärmung.Eine einzige Studie kann den weit verbreiteten wissenschaftlichen Konsens über die globale Erwärmung und den vom Menschen verursachten Klimawandel nicht widerlegen. Die globale Erwärmung ist wissenschaftlich gut belegt und wird von den Vereinten Nationen und dem Weltklimarat (IPCC) anerkannt.

Die Antarktis, gemäß dem Antarktis-Vertrag von 1961 definiert als das gesamte Gebiet südlich des 60. Breitengrades, besteht zu etwa 98 Prozent aus Eis, einschließlich Schelfeisflächen, die über dem Meer und nicht über dem Festland liegen.

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Die Studie und ihre Interpretationen

Die besagte Studie, veröffentlicht in der Zeitschrift The Cryosphere, beobachtete die antarktischen Schelfeise von 2009 bis 2019 und fand heraus, dass sich ihre Fläche um insgesamt 5305 Quadratkilometer erweitert hat. Allerdings zeigen die Ergebnisse auch, dass das antarktische Eis schneller fließt, was zu einer Ausdehnung der Schelfeise führt. Dies deutet nicht auf eine generelle Zunahme des Eises hin, sondern darauf, dass das Eis in den hoch gelegenen Gebieten der Antarktis schneller schmilzt und ins Meer fließt.

Expertenaussagen und Hintergründe

Raúl Cordero, Klimatologe an der Universität Hannover und an der Universität Santiago in Chile, erläutert, dass die Ausdehnung der Schelfeise in Wahrheit eine Anomalie ist. Er stellt fest, dass die Antarktis aus dem Massengleichgewicht geraten ist, was bedeutet, dass mehr Masse in Form von beschleunigtem Abfluss oder Schmelzen verloren geht, als sie in Form von Schneefall gewonnen wird.

Eine Studie im Fachblatt Nature Communications aus dem Jahr 2023 kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Sie stellt fest, dass seit 1996 rund 3,3 Billionen Tonnen Eis rund um die Amundsensee verloren gegangen sind, was allein rund 9 Millimeter zum Ansteigen des weltweiten Meeresspiegels beigetragen hat.

Der Klimawandel ist wissenschaftlich bewiesen

Trotz der kontroversen Interpretationen der Studie zu den antarktischen Schelfeisen, besteht weiterhin ein breiter Konsens unter Forschenden weltweit über die Realität des menschengemachten Klimawandels. Der sechste Bericht des Weltklimarats (IPCC) bestätigt eindeutig, dass der menschliche Einfluss die Atmosphäre, den Ozean und die Landflächen erwärmt hat.

Eine Studie aus dem Jahr 2020 in Nature zeigt, dass der Temperaturanstieg in der Antarktis in den letzten drei Jahrzehnten mehr als dreimal so hoch war wie im globalen Durchschnitt. Der IPCC-Sonderbericht über den Ozean und die Kryosphäre in einem sich wandelnden Klima sieht eine zunehmend schnelle Reduktion der Eismassen an den Polen voraus.

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Fazit: Kontext ist alles

Eine Studie zum antarktischen Schelfeis widerlegt den menschengemachten Klimawandel nicht. Obwohl einige Zahlen eine Zunahme des Schelfeises in der Antarktis zwischen 2009 und 2019 zeigen, bestätigen Experten, dass insgesamt ein Verlust von Eismasse in der Antarktis stattfindet. Zudem ist die globale Erderwärmung wissenschaftlich eindeutig belegt. Es ist daher wichtig, die Fakten in ihrem Gesamtkontext zu betrachten und nicht isolierte Daten zur Unterstützung vorgefasster Meinungen zu missbrauchen.

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2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)