Ein kluges Zitat, ein großer Name, alles zusammen auf einem Sharepic, so kennt man es. Doch viele Zitate sind falsch.
Die Verbreitung ungeprüfter Falschzitate nimmt überhand. Problematisch daran ist nicht zuletzt, dass solche Kuckuckszitate oft aus dem Internet in politische Reden, öffentliche Berichterstattungen und in Bücher übernommen werden. Dadurch wiederum wird ihre Glaubhaftigkeit erhöht und die Entlarvung erschwert. Falschzitate sind verwerflich, ganz gleich welche Botschaft damit transportiert werden soll.
Ein Aufruf von Dr. Andreas Neumann aus Münster in Westfalen
Beethoven – Oft zitiert, doch oftmals falsch
Zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven Mitte Dezember 2020 fiel es wieder verstärkt auf: Es gibt kaum eine musikalische Lebensweisheit, die Beethoven nicht schon gesagt haben soll.
Kurze und prägnante Sprüche verbunden mit seinem Bildnis. Virale Share-Pics. Zum Beispiel:
„Musik ist der elektrische Boden, in dem der Geist lebt, denkt, erfindet“
soll Beethoven gesagt haben, oder übersetzt auf Englisch, verbunden mit seinem Konterfei: „Music is the electrical soil in which the spirit lives, thinks and invents.“
Eine lediglich kurze Internetrecherche ergibt: Nicht Beethoven hat dies formuliert, sondern Bettina von Arnim (1785-1859) in einem Brief an Goethe.
„Ist doch egal, steht doch überall“
Als ich bei einem entsprechenden Posting der Seite https://www.classicfm.com/ auf die Fälschungen hinwies, wurde mir geantwortet, die Zitate seien auf vielen anderen Websites zu finden und daher echt. Oft wird auch geantwortet: Es sei wurscht, von wem es stamme. Allein die Botschaft sei entscheidend. Beides ist allerdings unwahr.
Von „titel, thesen, temperamente“ der ARD wurde am 30.09.2020 als Teaser einer Sendung über den amerikanischen Wahlkampf das Twain zugeschobene Zitat benutzt: „Streite niemals mit einem Narren, möglicherweise können die Zuschauer den Unterschied nicht erkennen.“ Ich habe darauf reagiert, unter dem Beitrag selbst, als Privatnachrichten an den Kanal und auf meiner eigenen Seite – woraufhin wohl ganz im Sinne des Fakes nie eine Antwort erfolgte.
Scheint inzwischen normal zu sein, #falschzitate oder netter #kuckuckszitate zu verbreiten. Sogar die…
Gepostet von Andreas Neumann am Mittwoch, 30. September 2020
Ich möchte dazu aufrufen, Zitate nicht ungeprüft zu verbreiten. Wenn sich beim Zitat – wie im Internet sehr häufig – keine Quelle findet, seien Sie skeptisch und weisen ohne Besserwisserei zumindest darauf hin, dass eine Quellenangabe fehlt. Wenn Sie ein wenig Zeit und Lust haben und Ihnen Ihre Intuition sagt, dass es unecht ist, prüfen Sie.
Überprüfung einfach gemacht
Die literarischen Gesamtwerke der meisten sehr häufig falsch Zitierten – von Sokrates über Dante und Goethe bis hin zu Bismarck und Loriot – sind frei verfügbar und leicht zu durchsuchen. Zu Loriot, der sich ebenso wie Twain zur Untermauerung von eher lustigen Sprüchen eignet, findet sich ein schönes Beispiel einer erfolgreichen Entlarvung durch den Zitatforscher Gerald Krieghofer unter https://www.sueddeutsche.de/panorama/loriot-zitate-krieghofer-einstein-corona-1.4916049.
Fake-Zitate fremdsprachiger Autoren oder auch in eine Fremdsprache übersetzte Fake-Zitate kann man durch Übersetzung oder Rückübersetzung von zwei oder drei Stichworten in die Originalsprache und eine Internetsuche meist recht leicht als solche entlarven. Nicht zuletzt gibt es inzwischen auf die Entlarvung solcher Fakes spezialisierte Webseiten wie (englischsprachig) den https://quoteinvestigator.com/ und (auf Deutsch) das Blog https://falschzitate.blogspot.com/.
Fazit
Fragen Sie sich immer, welche Interessen die Verbreiter solcher Fakes haben könnten. Sind Sie für die zahlreichen Fälschungen in Bezug auf die Vergangenheit sensibilisiert, fallen Sie auch auf Versuche, lebenden Politikerinnen und Politikern emotionalisierende und polarisierende Aussagen unterzuschieben – hierzu schon https://www.mimikama.org/aktuelles/frei-erfundene-politiker-zitate/ – erst recht nicht herein.
Dieser Beitrag wurde verfasst von Rechtsanwalt Dr. Andreas Neumann, www.immoanwalt.nrw – Kontakt: kontakt@ra-dr-andreas-neumann.de
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