Bei Fentanyl handelt es sich um starkes Schmerzmittel, das Morphium ähnelt, allerdings in seiner Wirkung 100x stärker ist. Nicht umsonst ist es deshalb auch verschreibungspflichtig. In den USA gibt es mittlerweile eine regelrechte Fentanyl-Krise, da in letzter Zeit viele Jugendliche an einer Überdosis des Schmerzmittels starben. Ermittlungen zeigten: Sie kamen über Snapchat an das Mittel.

Snapchat offenbar im Visier

Agenten des FBI und Anwälte des US-Justizministeriums konzentrieren sich derzeit auf Fälle von Fentanyl-Vergiftungen, bei denen der Verkauf über Snapchat abgewickelt wurde. Die Agenten haben Eltern von Kindern befragt, die gestorben sind, und arbeiten daran, auf ihre Social-Media-Konten zuzugreifen, um die Lieferanten der tödlichen Drogen aufzuspüren.

In vielen Fällen zeigen die beschlagnahmten Aufzeichnungen von Snapchat, dass die Teenager dachten, sie würden verschreibungspflichtige Schmerzmittel kaufen, aber die Pille, die sie schluckten, war reines Fentanyl, ein synthetisches Opioid. Ein FBI-Sprecher sagte, die Behörde würde die Existenz einer Untersuchung weder bestätigen noch dementieren. Das Justizministerium lehnte eine Stellungnahme ab.

Am vergangenen Mittwoch sollte die Beteiligung von Technologieunternehmen an der aktuellen Fentanyl-Krise auf dem Capitol Hill bei einem Gespräch des Energie- und Handelsausschusses des Repräsentantenhauses diskutiert werden. Eine der aufgelisteten Rednerinnen, Laura Marquez-Garrett, eine Anwältin des Social Media Victims Law Center, sagte, Snapchat werde im Mittelpunkt stehen.

Oxycodon und Percocet waren reines Fentanyl

Laura Marquez-Garrett vom Social Media Law Victims Center vertritt mehr als zwei Dutzend Familien, die Kinder durch Fentanyl-Vergiftungen verloren haben, und sagte, dass in fast allen dieser Fälle die Drogen über Snapchat gekauft wurden.

„Bevor es Snapchat gab, gab es für die Dealer keine Möglichkeit, diese Kinder zu finden und ihnen die Drogen zukommen zu lassen. Jetzt können sie sich die Drogen wie eine verdammte Pizza liefern lassen.“

Laura Marquez-Garrett

In einem der Fälle kaufte beispielsweise ein 14-Jähriger über Snapchat Pillen, die als Oxycodon beschrieben wurden – allerdings bestanden sie zu 100 Prozent aus Fentanyl. Er gestand seiner Mutter den Kauf, weil er merkte, dass er süchtig danach wurde. Diese buchte ihm einen Termin in einer Behandlungseinrichtung, doch fand ihn zwei Tage später am Morgen tot mit blauen Fingern und Lippen auf dem Fußboden.

In einem anderen Fall bestellte ein 20-Jähriger Percocet auf Snapchat, welches sich ebenfalls als reines Fentanyl herausstellte. Dieser Fall offenbart auch, dass Snapchat zwar offiziell kommuniziert, bereitwillig mit Behörden zu kooperieren, dies aber stark hinauszögert:

Auch der 20-Jährige starb an den Pillen, seine Großmutter fand ihn in ihrem Haus zusammengesackt auf einem Bett. Die Ermittlungsbehörden fanden auf seinem Snapchat-Account sogar den Dealer, doch dauerte es sieben Monate, bis die Plattform den Account entfernte.

Snapchat äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Ein gemeinsamer Statusbericht, der am 18. Januar eingereicht wurde, gibt jedoch Einblick in die geplante Verteidigungsstrategie des Unternehmens. Dem Bericht zufolge wird das Unternehmen Snap versuchen, den Fall mit der Begründung abzuweisen, dass Abschnitt 230 des Communications Decency Act die Plattform davor schützt, für Inhalte haftbar gemacht zu werden, die von Dritten auf ihrer Website veröffentlicht werden.

Warum Drogendealer Snapchat nutzen

Der Handel mit illegalen Substanzen ist auf so gut wie jeder Social-Media-Plattform zu finden und wird oftmals viel zu wenig bekämpft. Mit Hashtags konnte man auf Facebook vor einiger Zeit noch gezielt nach Drogen suchen, was die Plattform mittlerweile unterbunden hat:

Facebook blockt die Suche nach Drogen
Facebook blockt die Suche nach Drogen

Damit werden zumindest die Zufalls- und Gelegenheitssucher abgehalten, doch natürlich geht der Handel weiter, nur werden stattdessen Codewörter verwendet wie „Bars“ als Slang für Xanax – ein Suchwort, das schlecht blockiert werden kann, ohne die meisten Lokale aus der Suche auszuschließen.

Vor knapp einem Jahr zumindest reagierte Facebook aber noch träge, so wurde beispielsweise im Mai 2022 ein eindeutiger Drogenhandel-Beitrag trotz mehrmaligem Meldens nicht gelöscht, da er angeblich nicht gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen würde – ein Problem, das viele Nutzer auch von anderen Beiträgen mit illegalem, pornografischem oder hetzerischem Inhalt kennen.

Snapchat allerdings bietet für Drogendealer gleich mehrere Vorteile: Dort sind Jugendliche sehr viel aktiver als auf Facebook (die Zielgruppe ist also dort), dessen Verschlüsselungstechnologie und selbstlöschende Nachrichten.

Der ehemalige Drogenbeauftragte des Weißen Hauses, Jim Carroll, sagte, dass Drogenhändler immer dorthin gehen werden, wo die jungen Leute sind. „Nach allem, was ich gelesen habe, glaube ich, dass Snapchat stärker als andere Plattformen für den Drogenverkauf genutzt wird„, sagte Carroll, der im Sicherheitsbeirat von Snap sitzt und jetzt für Michael Best Consulting arbeitet. „Ich denke, das liegt an der Beliebtheit bei jungen Leuten.

Artikelbild: Pixabay

Quellen:

The Mercury News, CNET, Bloomberg, CNBC
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