Manchmal sollte man die Kirche einfach im Dorf lassen und nicht jeder Schlagzeile wortwörtlich glauben.

Und das gilt speziell bei dieser “haar”sträubenden Behauptung:

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Haare im Brot! Wir essen Haare! Bei dem Gedanken daran spürt man bereits imaginär die Fussel auf den Zähnen. Und laut Post-Ersteller ist auch noch die EU daran Schuld.

Und die ganze Empörung gründet sich auf einen Artikel vom Kopp Verlag.

Die reine Wahrheit

Daran wollen wir auch gar nicht rütteln, denn inhaltlich werden hier in der Tat Dinge angesprochen, welche in dieser Weise exisiteren, bzw. existiert haben. Jedoch geht es hier in keinster Weise um ganze Haare, weder Büschelweise, noch einzeln. Es geht hier schlichtweg um dem Zusatzstoff l-Cysein, welcher ein Zusatzstoff für Lebensmittel ist und die europäische Zulassungsnummer E 920 trägt. Der Artikel gibt nun an:

Zum Teil wird dieses L-Cystein im Labor direkt synthetisch hergestellt, das meiste stammt aber aus einer billigen und im Überfluss vorhandenen natürlichen Eiweißquelle: Menschenhaar.

(Zitatquelle: Kopp-Verlag)

Der Artikel beginnt nun, ganz bewusst auf Ekel ein bestimmtes Bild zu bauen.

Neben Menschenhaar gibt es weitere Quellen von L-Cystein wie Hühner- und Entenfedern, Kuhhörner und Erdöl-Nebenprodukte. Übrigens: Das meiste Haar, das zur Herstellung von L-Cystein verwendet wird, wird in Friseurläden und -salons vom Fußboden aufgekehrt.

(Zitatquelle: Kopp-Verlag)

Die Kirche im Dorf lassen

An dieser Stelle sollte man durchaus stark zurückrudern und auf das schauen, um was es geht, und zwar um eine eine Aminosäure, die den Teig geschmeidiger macht. Kein ganzes Haar. es ist tatsächlich möglich, diese Aminosäuren aus Haaren zu gewinnen und am Ende den Zusatzstoff E 920 herzustellen.

Jedoch kommt dieses, aus Haaren gewonnene Cystein, nicht in der EU zum Einsatz! Zudem ist die eingesetzte Menge von E920 generell sehr gering: ungefähr ein Gramm Cystein befindet sich unter 100 kg Mehl, und dieses stammt nicht von Menschenhaaren:

„Menschliches Haar darf nicht als Ausgangsmaterial für diese Substanz verwendet werden.“

(Quelle: Zeit.de)

E 920 wird in der EU zumeist aus Mikroorganismen aber im manchen Fällen auch aus Schweineborsten gewonnen. Schweineborsten? Ja, durchaus. Jodoch eher selten.

Heute wird E 920 mit Hilfe von Mikroorganismen auf biotechnologischem Weg hergestellt. Dabei kann es auch zum Einsatz von gentechnisch veränderten Lebewesen kommen. Cystein liegt dann als farbloser Feststoff vor.

(Zitatquelle: http://lebensmittel-warenkunde.de)

Cystein muss jedoch nicht zwangsläufig in Teigwaren vorkommen und gilt, sofern nicht aus Schweineborstern gewonnen, als “halal”.

Also: Doch keine Haare im Brot!


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