Karstedt-Kaiser und die angeblich geplanten 8 Impfspritzen

In Berlin soll es ein Wissenschafts- und Forschungszentrum Karstedt-Kaiser geben, das veröffentlichte, was „wirklich“ in den angeblich geplanten 8 Impfungen gegen COVID-19 stecken soll. Doch dieses Institut gibt es gar nicht, es ist eine pure Erfindung von Impfgegnern.

Autor: Ralf Nowotny

Die Behauptung

Ein „Wissenschafts- und Forschungszentrum Karstedt-Kaiser“ soll veröffentlicht haben, dass es mindestens 8 Impfpritzen gegen COVID-19 geben wird, die Inhaltsstoffe der ersten vier Spritzen sollen die Bevölkerung massiv reduzieren.

Unser Fazit

Der verbreitete Text ist wissenschaftlich nicht mal im kleinsten Ansatz haltbar, das angebliche Forschungszentrum gibt es nicht, sondern existiert nur als Gruppenname auf Telegram und als Kanalname auf BitChute.

Es muss frustrierend sein, wenn es kein wissenschaftliches Institut gibt, welches die eigene Meinung bestätigt. Anscheinend aus diesem Grund erfanden unbekannte Impfgegner das „Wissenschafts- und Forschungszentrum Karstedt-Kaiser“ in Berlin, welches nur auf Telegram und BitChute existiert und dort die hanebüchsten Verschwörungsmythen verbreitet, seit Mitte Oktober beispielsweise eine vollkommen frei erfundene „Analyse“ über Inhaltsstoffe der Impfungen gegen COVID-19, wovon 8 geplant sein sollen.

Die Behauptung

Seit Mitte Oktober wird auf Social Media ein Text verbreitet, der von einem „Wissenschafts- und Forschungszentrum Karstedt-Kaiser“ wahlweise am 14. Oktober oder am 30. Oktober (die Verbreiter sind sich da anscheinend uneinig) veröffentlicht wurde.

Der Text des angeblichen Wissenschafts- und Forschungszentrum Karstedt-Kaiser
Der Text des angeblichen Wissenschafts- und Forschungszentrum Karstedt-Kaiser

Demnach seien mindestens 8 Spritzen gegen COVID-19 geplant, in dem Text werden allerdings nur die ersten vier Spritzen detaillierter beschrieben.

Die erste Impfung soll eine Kochsalzlösung und einige Zutaten sein, die damit beginnen sollen, das Immunsystem zu zerstören.
In der zweiten Impfung seien weitere schädliche Inhaltsstoffe.
In der dritten Impfung seien Fremdbakterien und Graphenhydroxid, welches „die Zellen zerschneide“ und bei einem Teil der Geimpften innerhalb Stunden zu inneren Blutungen und dadurch zum Tod führe.
Durch die vierte Impfung werde die Produktion von weißen Blutkörperchen komplett gestoppt – man habe dadurch quasi kein Immunsystem mehr und würde entweder an einer harmlosen Erkrankung sterben oder lebenslang von Medikamenten abhängig sein.

Der Text wird u.a. von einer Seite namens „corona .st“ geteilt, die vorgibt, Bescheinigungen über positive oder negative Antigen-Tests ausstellen zu dürfen. Kollege Walter machte die Probe aufs Exempel und bekam mit einer Wegwerf-E-Mail-Adresse und Fantasiedaten tatsächlich innerhalb von kürzester Zeit eine Negativ-Bescheinigung. Seriös ist was anderes!

MIMIKAMA
Die Bescheinigung einer unseriösen Seite

Graphenoxid in Impfstoffen?

Seit August 2021 wird behauptet, dass sich in den Impfstoffen Graphenoxid befinde. Wir beschäftigten uns damals ausführlich mit der angeblichen Studie aus Spanien (siehe HIER).

Es gibt experimentelle Studien darüber, Graphenoxid als potenzieller Trägerstoff in Impfstoffen einzusetzen (siehe HIER) oder sogar bei der Bekämpfung gegen Krebs einzusetzen (siehe HIER), doch von einer praktischen Anwendung ist diese Methode noch sehr weit entfernt, geschweige denn von einer Anwendung in den COVID-19 Impfstoffen.

Sowohl die Behauptungen in der Studie aus Spanien, als auch die Behauptungen der angeblichen ehemaligen Mitarbeiterin von Pfizer sind wissenschaftlich nicht haltbar und/oder beruhen auf irreführenden Informationen.

Der Rest der Behauptungen ist eigentlich nur ein Zeugnis, dass der oder die Verfasser des Textes absolut keine Ahnung von der Thematik haben. Als Beispiel sei nur „Dieser enthält 81 Stränge von Fremdbakterien die ihre Zellen nicht kennen“ aufgeführt: Während Viren sich in das Zelläußere einschleusen und dort vermehrt werden, vermehren sich Bakterien durch Zellteilung und haben mit den Körperzellen gar nichts am Hut.

Wer ist das Wissenschafts- und Forschungszentrum Karstedt-Kaiser?

Laut dem verbreiteten Text soll das Wissenschafts- und Forschungszentrum Karstedt-Kaiser diesen am 14. Oktober (in neueren Kopien des Textes wird der 30. Oktober genannt) veröffentlicht haben. Soweit so gut, dann muss der Text ja auch irgendwo auf einer offiziellen Seite zu finden sein – dachten wir zumindest.

Eine Homepage ist nicht auffindbar, aber vielleicht eine Adresse? Also werfen wir einen Blick auf die Homepage von Berlin, wo das Forschungszentrum ja seinen Sitz haben soll. Doch Pustekuchen: In der Auflistung sämtlicher Forschungseinrichtungen in Berlin (siehe HIER) ist Karstedt-Kaiser nicht zu finden!

Der „Hauptsitz“ ist Telegram und BitChute!

Unter einigen verbreiteten Texten, die von Karstedt-Kaiser stammen sollen (welche sich 2021 noch „Corona-Gutachten Karstedt-Kaiser“ nannten), sind wenigstens Links zu finden, die jedoch immer auf eine Telegram-Gruppe verweisen:

Der Hauptsitz: Telegram
Der Hauptsitz: Telegram

Das Logo alleine wäre eines echten Forschungszentrums nicht würdig: Es ist ein stilisiertes Atom, welches häufig auch auf T-Shirts zu finden ist, einzig die Buchstaben KK wurde darauf geklatscht.

Das Logo gibt es häufig auf Shirts und Hoodies
Das Logo gibt es häufig auf Shirts und Hoodies

In dem Telegram-Kanal des angeblichen Instituts wird uns dann besonders schwindelig:
Von Verschwörungsmythen des „Geistheiler Sanada“ über Prophezeiungen aus indischen Palmblättern, angeblichen Prophezeiungen von Nostradamus und Irlmaier bis zu „Men in Black“, Angriffe durch 5G-Masten und RFID-Chips in Neugeborenen ist dort absolut jeder Unsinn zu finden.

Wer sich lieber medial berieseln lassen möchte, findet auf deren BitChute-Kanal genug Futter:
Da erzählt Lanka, dass es keine Masernviren gäbe, die BRD nur eine Firma sei und „Reptos“ die wahren Herrscher der Erde sind. Sogar ich persönlich fühle mich angesprochen, da ein Video den Titel „Ihr Fleischfresser, Raucher, Kaffeetrinker und Biertrinker seid Zombies“ trägt!
Danke, aber ich bin nicht wirklich tot, ich rieche nur so.

Fassen wir zusammen

  • Der verbreitete Text ist wissenschaftlich nicht mal im kleinsten Ansatz haltbar und enthält unbewiesene und längst widerlegte Behauptungen
  • Es gibt kein Wissenschafts- und Forschungszentrum Karstedt-Kaiser in Berlin
  • Auf Telegram und BitChute verbreitet aber ein „Corona-Gutachten Karstedt-Kaiser“ den Bodensatz sämtlicher bekannten Verschwörungsmythen

Wie so häufig: All die „selbstdenkenden“ und „kritischen“ Nutzerinnen und Nutzer haben nicht einmal überprüft, ob es das von ihnen selbst immer genannte „Wissenschafts- und Forschungszentrum Karstedt-Kaiser“ überhaupt gibt – es wird einfach geglaubt und stumpf weiter verbreitet.

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