Faktencheck: Kein Beweis für Chemtrails und Geoengineering durch die Bundeswehr

Bundeswehr-Dokument zu Geoengineering falsch interpretiert

Autor: Sonja Bart

Die Behauptung

Die Bundeswehr hat die Existenz von Chemtrails bestätigt und betreibt aktiv Geoengineering.

Unser Fazit

Diese Behauptung ist irreführend und basiert auf einer Fehlinterpretation eines Bundeswehr-Dokuments.

In sozialen Medien kursieren wieder die Behauptungen, die Bundeswehr habe die Existenz von Chemtrails bestätigt und betreibe Geoengineering. Diese Annahmen basieren auf einer Fehlinterpretation eines Bundeswehr-Dokuments. Der Faktencheck klärt auf, was wirklich hinter diesen Behauptungen steckt.

Faktencheck: Kein Beweis für Chemtrails und Geoengineering durch die Bundeswehr -Screenshot der Behauptung aus den sozialen Medien
Screenshot der Behauptung aus den sozialen Medien

Analyse des Bundeswehr-Dokuments

Fakt: Eine „Zukunftsanalyse“ des Planungsamts der Bundeswehr vom November 2012, die auf der Homepage der Bundeswehr zu finden ist, behandelt mögliche sicherheitspolitische Aspekte von Geoengineering-Methoden.

Analyse: Das Dokument spricht sich nicht dafür aus, dass die Bundeswehr Geoengineering-Methoden anwendet. Es empfiehlt lediglich, dass die Bundeswehr das Thema im Blick behalten und ein Monitoring relevanter Entwicklungen vornehmen sollte.
Quellehttps://www.bundeswehr.de/resource/blob/140534/0e09f412cb61da2bef8e5279772c31e3/geo-data.pdf

Die Realität hinter Chemtrails

Fakt: Das Umweltbundesamt stellte bereits 2011 fest, dass es „keinerlei wissenschaftliche Belege“ für die Existenz von Chemtrails gibt.

Analyse: Kondensstreifen, die oft fälschlicherweise als Chemtrails bezeichnet werden, entstehen in kalter Atmosphäre als Folge der Wasserdampfemissionen aus Flugzeugtriebwerken. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erläutert, wie sich diese auf das Klima auswirken können.
Quelle: DLR – Institut für Physik der Atmosphäre – Kondensstreifen

Falsche Interpretation durch die Medien

Fakt: Ein Artikel in der „Strassengazette“ von 2014 wurde als Quelle für die Behauptung über Chemtrails und Geoengineering durch die Bundeswehr herangezogen.

Analyse: Die „Strassengazette“ ist bekannt dafür, kontroverse Themen aufzugreifen. Der Blog Ruhrbarone berichtete 2013 über die tendenziöse Berichterstattung des Blatts zum Thema Chemtrails.
Quelle: Etwas seriöser bitte! | Ruhrbarone

Hier der Artikel in einer besseren Auflösung: strassen-gazette-sprhtechnik-beide-Seiten.pdf

Der Ursprung der Artikel

In den Artikeln wird auffällig oft die Seite http://Leyline.de erwähnt, und das ist kein Zufall, da der Artikel über Chemtrails und Sprühtechnik auf jener Seite im November 2013 erschien (siehe HIER).

Der zweite Artikel über die Bundeswehr und Geo-Engineering stammt von Gabriele Lermann, gleichzeitig die Herausgeberin der „Strassen Gazette“. Als Verschwörungsmythikerin ist sie nicht unbekannt, in einer anderen Ausgabe der Zeitung (siehe HIER, PDF-Datei) schreibt sie beispielsweise über die „Aids-Lüge“.

Der Artikel über Chemtrails

Das „Beweisfoto“ zeigt ein Flugzeug der 2017 in Insolvenz gegangenen Fluggesellschaft Air Berlin. AFP fragte bei Fluggesellschaft Austrian Airlines, die einen Teil der Air Berlin-Flotte übernahm, wozu diese da sind.
AUA-Sprecher Leonhard Steinmann erklärte:

„Es handelt sich hierbei um Drain Lines (Abflussleitungen), eine Sicherheitsvorkehrung des Flugzeugs. Im Falle einer undichten Hydraulik- oder Kerosinleitung könnte es zur Ansammlung von Flüssigkeit im Inneren des Pylons kommen.“

Ohne diese Abflussleitungen könnte heiße Flüssigkeit aus undichten Hydraulik- oder Kerosinleitungen auf heiße Triebwerksteile tropfen und einen Brand auslösen, durch die Abflussleitungen würden jedoch jene ausgetretenen Flüssigkeiten bis hinter das Triebwerk geleitet.

Carsten Braun, der Luftfahrzeugtechnik an der FH Aachen unterrichtet, weiß zu ergänzen, dass diese Röhrchen auch zum Druckausgleich verwendet werden. Diese Düsen heimlich mit irgendwelchem Gift zu füllen, wäre rein logistisch unmöglich, dies geheim zu halten, da alleine in Frankfurt hunderte Mitarbeiter mit der Wartung der Flugzeuge beschäftigt sind – die alle schweigen müssten!

Fazit: Keine Belege für Chemtrails oder Geoengineering durch die Bundeswehr

Die Beweise zeigen klar, dass es keine stichhaltigen Belege für die Existenz von Chemtrails gibt und dass die Bundeswehr kein Geoengineering betreibt. Diese Fehlinterpretationen und Verschwörungstheorien unterstreichen die Wichtigkeit einer sorgfältigen Prüfung von Informationen, bevor diese geteilt werden.

Einen ausführlichen Faktencheck zu diesem Thema findet man bei der AFP: Nein, diese Artikel enthüllen keinen Skandal um Chemtrails und die Bundeswehr

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