Kettenbrief „Coronavirus ist von Wuhan um die ganze Welt gereist“ – Faktencheck
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Seit April kursiert bereits ein Kettenbrief auf Facebook und WhatsApp, der viele falsche Behauptungen beinhaltet.
Der Kettenbrief soll seinen Ursprung bei einem „Anwalt in Lanzarote“ haben, was jetzt als Quellenangabe nicht sehr ergiebig ist. Darin wird unter anderem behauptet, dass China das neue Coronavirus absichtlich erschaffen habe, um die Weltwirtschaft zu destabilisieren und sich Vorteile zu verschaffen.
Um diesen Kettenbrief handelt es sich:
Eingeleitet wird der Kettenbrief mit der Behauptung, das neue Coronavirus sei „um die ganze Welt gereist“, aber merkwürdigerweise in keiner anderen, größeren Stadt in China außer in Wuhan angekommen. Zudem sei der chinesische Aktienmarkt nicht zusammengebrochen, die anderen Aktienmärkte jedoch schon, so dass China im großen Stil Aktien aufkaufen konnte.
Die Kollegen von Correctiv haben sich die wesentlichen Behauptungen in dem Kettenbrief genauer angeschaut und einem Faktencheck unterzogen.
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Behauptung: „Keine Cororavirus-Infektionen in anderen Städten Chinas“
Da viele Corona-Leugner ja den offiziellen Zahlen der WHO und des RKI misstrauen, werfen wir dafür einfach mal einen Blick auf die chinesische Plattform DXY, die ihre Zahlen laut eigenen Angaben direkt von den nationalen Gesundheitsbehörden bekommt.
Hilfreich ist es dabei, die Seite beispielsweise mit dem Edge-Browser aufzurufen, um die Sprache automatisch auf Deutsch zu übersetzen.
Hierbei wird ersichtlich, dass es in der Provinz Hubei, in der auch Wuhan liegt, die meisten Infektionen gab, aber andere Städte und Provinzen sehr wohl auch Infektionen aufweisen.
Behauptung: „Wuhan ist plötzlich frei vom tödlichen Virus“
Correctiv schaute dafür direkt auf die Seiten der chinesischen Regierung, wo im April die Zahl der Infizierten tatsächlich stark zurückging. Jedoch wurden Mitte April die Zahlen in Wuhan nach oben korrigiert, seitdem gibt es nur noch einzelne Fälle von Infektionen.
Behauptung: „Der chinesische Aktienmarkt ist nicht zusammengebrochen“
Correctiv richtete dazu eine offizielle Presseanfrage an Malte Rieth, wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Abteilungen Makroökonomie und Konjunkturpolitik des Deutschen Instituts für Wirtschaft in Berlin.
Demnach hat der Aktienmarkt in China zwischen Januar und März über 30 Prozent an Wert verloren, aktuell betrage der Verlust gegenüber Januar noch etwa 10 Prozent.
Im Vergleich: Die europäischen und amerikanischen Märkte verloren in der gleichen Zeit einen Wert von etwa 35 Prozent, im Vergleich zum Januar etwa 20 Prozent.
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Behauptung: „Sie haben einen Virus geschaffen“
Diese Spekulation gibt es, seit das neue Coronavirus aufgetaucht ist, und natürlich machten sich Wissenschaftler in aller Welt daran, dies eventuell zu beweisen, denn das wäre die Sensation schlechthin: Könnte man den Beweis der künstlichen Erschaffung erbringen, dann hat China auch möglicherweise bereits ein Gegenmittel, welches geheim gehalten wird.
Im März berichteten wir bereits, dass eine Gruppe von Wissenschaftlern versuchte, diesen Nachweis zu erbringen, was ihnen nicht gelang. Auch andere Wissenschaftler kamen zu dem gleichen Ergebnis: Das Coronavirus muss in einem Tier durch Mutationen entstanden sein, eine künstliche Erstellung kann man ausschließen.
Behauptung: „Russland und Nordkorea sind fast völlig frei von COVID-19“
Der Hintergrund jener Behauptung: Beide Länder seien ja mit China eng verbündet, weswegen diese Länder ja vielleicht das ominöse Heilmittel gegen den neuen Coronavirus bekommen haben.
Über die Zahlen in Nordkorea gibt es tatsächlich keine sicheren Erkenntnisse, was allerdings nicht daran liegt, dass es eventuell keine Fälle in Nordkorea gibt, sondern daran, dass Nordkorea nur äußerst selten solche Angelegenheiten nach außen kommuniziert. Es ist durchaus vorstellbar, dass die Zahlen dort eher gering sind, allerdings gibt es auch nur wenige Ein- und Ausreisen, aber es wird davon ausgegangen, dass Nordkorea nicht die nötigen Mittel und Infrastruktur besitzt, um eventuelle Infektionen behandeln zu können.
Über Russland hingegen gibt es sehr wohl aussagekräftige Zahlen: gemäß den aktuellen Werten hat Russland 300.000 bestätigte Fälle, damit liegen sie auf Platz 2 hinter den USA – „fast völlig frei“ sieht anders aus.
Behauptung: „China schaffte es, den Ölpreis zu senken“
Zum Abschluss eine Behauptung, die wenigstens zur Hälfte stimmt: Der Ölpreis sank tatsächlich. Allerdings ist Chinas Wirtschaft von der Krise genauso betroffen wie alle anderen Länder, einen Vorteil hat China also dadurch nicht.
Fazit
Der Kettenbrief beinhaltet sehr viel Meinung mit wenig Ahnung. Nur wenige Punkte sind korrekt, aber irreführend, so wurden beispielsweise die Produktionen tatsächlich weltweit zurückgefahren und der Ölpreis sank tatsächlich, jedoch sind die Behauptungen, die diese Faktoren als Beweis für die „Weltmachtübernahme Chinas“ sehen, vollkommen falsch und aus der Luft gegriffen.
Artikelbild: Shutterstock / Von theskaman306
Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
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