Nein, Karl Lauterbach tweetete nicht, dass die Impfpflicht gegen die AfD gerichtet sei

Angeblich schrieb Karl Lauterbach auf Twitter, dass sich die Impfpflicht gegen die AfD richte, doch der Fälscher des Tweets machte mehrere Fehler!

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Autor: Ralf Nowotny

Die Behauptung

Auf Twitter soll Karl Lauterbach geschrieben haben, dass die Impfpflicht primär eine politische Entscheidung gegen die AfD sei.

Unser Fazit

Gleich mehrere Fehler in dem Screenshot entlarven diesen als plumpe Fälschung.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass viele Seiten und Nutzer, die groß betonen, dass sie der Regierung und Politikern nicht trauen, sich immer wieder selbst als nicht sehr vertrauenswürdig erweisen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Screenshot eines Tweets, der angeblich von Karl Lauterbach stammen soll. Dort sagt er angeblich aus, dass eine Impfpflicht nur sekundär gesundheitliche Gründe hätte, primär sei jedoch eine Impfpflicht eine politische Entscheidung gegen die AfD.
Der Fälscher des Screenshots machte jedoch gleich mehrere Fehler!

Der gefälschte Screenshot

Seit dem 8. April wird der Screenshot auf Facebook, Twitter und Telegram geteilt:

Gefälschter Tweet von Karl Lauterbach
Gefälschter Tweet von Karl Lauterbach, Quelle: Facebook

Demnach soll Lauterbach augenscheinlich erst kürzlich getweetet haben:

„Um die Demokratie in Deutschland zu retten, ist es nach wie vor wichtig, die Impfpflicht durchzusetzen. Denn keine Impfpflicht bedeutet einen Sieg für die rechtsextreme AfD. Medizinische Gründe sind hier sekundär, primär sind die politischen Gründe.“

Der Faktencheck

Erstmalig wurde der Screenshot am Morgen des 8. April verbreitet. Der Zeitpunkt wurde absichtlich gewählt, denn am 7. April wurde im Bundestag über die Impfpflicht abgestimmt. Laut dem Screenshot ist der Tweet acht Stunden alt, entstand also augenscheinlich zum Zeitpunkt der Abstimmung oder ein wenig danach.

Sehr überraschend, dass Lauterbach augenscheinlich sehr offen darüber schreibt, dass eine Impfpflicht primär politische Gründe habe. Eine solche Aussage hätte einen viel größeren Aufruhr erzeugen müssen, trotzdem findet sich nur dieser eine Screenshot, in dem der Tweet 379 Antworten, 457 Retweets und 3.085 Likes bekam. Nur eine einzelne Person machte einen Screenshot dieser Aussage? Mehr als unwahrscheinlich!

Der Tweet ist natürlich nicht auffindbar, was für einschlägige Kreise der Beweis ist, dass er mittlerweile gelöscht wurde.
Andersrum wird jedoch ein Schuh draus: Er existierte niemals!

Der Flüchtigkeitsfehler

Der Tweet stammt augenscheinlich von Karl Lauterbach und entstand am 7. April. Das Problem aber:
Zwischen dem 7. Dezember und dem 12. Dezember 2021 benannte er seinen Twitternamen um: Von „Karl Lauterbach“ zu „Prof. Karl Lauterbach“. Diesen Twitternamen hat er seitdem ohne Umbenennungen.

Lauterbach setzte seinen akademischen Titel zum Namen
Lauterbach setzte seinen akademischen Titel zum Namen

In der Fälschung ist jedoch noch sein alter Twittername zu lesen:

Der alte Twittername in der Fälschung
Der alte Twittername in der Fälschung

Also gibt es nur zwei Möglichkeiten:

  • Entweder entstand der Tweet vor dem 12. Dezember, dann müsste der Screenshot aber auch wenigstens seit Dezember 2021 kursieren, da das Alter des Screenshots ja 8 Stunden sein soll
  • Oder der Fälscher suchte einfach nach einem alten Tweet von Lauterbach und veränderte den Text – machte dabei aber gleich mehrere Fehler:

Denn nicht nur, dass der Name alt ist, auch stimmt noch ein weiteres Detail nicht:

  • Über dem Tweet steht „Diesen Thread anzeigen“, was darauf hinweist, dass die Spracheinstellung auf Deutsch gestellt wurde
  • Die Zeitangabe ist 8h – bei deutscher Spracheinstellung müsste dort jedoch 8 Std. stehen

Fazit

Gleich in mehreren Details zeigt sich, dass der Screenshot eine Fälschung ist:
Bereits im Dezember 2021 änderte Lauterbach seinen Twitternamen auf „Prof. Karl Lauterbach“, zudem ist die Zeitangabe und der Threadhinweis unstimmig: Die Zeitangabe ist auf Englisch, der Threadhinweis jedoch auf Deutsch.

Es handelt sich somit eindeutig um eine Fälschung.

Weitere Quelle: AFP
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