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Lothar Wieler (RKI): Aussage aus dem Kontext gerissen

Claudia Spiess,

Lothar Wieler (RKI): Aussage aus dem Kontext gerissen
Screenshot Video phoenix / Alfred Schier im Gespräch mit Lothar H. Wieler

Die Worte Lothar Wielers „unabhängig davon, ob es dieses Virus gibt oder nicht“ sollen vermitteln, dass er die Existenz des Virus anzweifelt.

Lothar Wieler, seines Zeichens Präsident der Robert Koch-Instituts, hatte in einem Gespräch mit Alfred Schier bei „phoenix persönlich“ diese Aussage getätigt. Das stimmt soweit. Allerdings wird diese nun ohne jegliche Zusammenhänge aus dem halbstündigen Gespräch herausgepickt, um damit zu vermitteln, dass „Wieler ja nicht mal wisse, ob es das Virus gebe oder nicht.“

Das Gespräch

Das Gespräch zwischen Alfred Schier und Lothar Wieler fand am 15. Oktober 2020 statt und kann hier noch bis zum 15. Oktober 2025 angesehen werden: ARD Mediathek – „phoenix persönlich“ mit Lothar Wieler

Aus eben diesem Gespräch stammt auch die zitierte Aussage. Jedoch wird in den sozialen Medien nur ein kurzer Ausschnitt des Videos geteilt. Wie so oft gehen dadurch sämtliche Zusammenhänge verloren. Man hat keine Idee, was davor besprochen oder erwähnt wurde und worauf sich die Aussage bezieht.

Diese Vorgehensweise, nämlich das Betrachten von einzelnen Bruchstücken ohne Zusammenhänge, sorgte schon oft für Aufreger, konnte aber bei genauerem Hinsehen immer aufgeklärt werden.
Dazu muss man sich einfach nur die Zeit nehmen, um eben genauer hinzusehen. In diesem Fall ist es eine knappe halbe Stunde, um das gesamte Video anzusehen und die Inhalte des Gesprächs zu hören.

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Wielers Aussage

Die Aussage „unabhängig davon, ob es dieses Virus gibt oder nicht“ kommt gegen Ende des Gesprächs vor, im Video ca. bei Minute 28. Dieser Satz ist Teil einer Antwort auf die vorhergehende Frage Alfred Schiers, was es heiße, dass man lernen müsse, mit diesem Virus zu leben. Ob man mit Corona-Maßnahmen über Jahre zu rechnen habe?

Die Antwort von Lothar Wieler hierauf lautete:

„Ich denke, dass wir mit der Einführung von Impfstoffen ein entscheidendes Werkzeug bekommen, mit dem wir die Krankheit beherrschen und die Krankheitslast so reduzieren können, dass wir wieder zu einem Leben kommen, wie es vor Corona war. Ich hoffe allerdings auch, dass wir eine Reihe von Dingen gelernt haben, die vielleicht sowohl für die Umwelt als auch für andere ökologische Aspekte (…) weiter so gehalten werden, also unabhängig davon, ob es dieses Virus gibt oder nicht. Denn wir haben, glaube ich, auch viel gelernt, wie wir unsere Gesellschaft auch besser in die Zukunft führen können, in der Zeit.“

Im gesamten Gespräch waren eine Menge Informationen zu hören, neue Erkenntnisse und neue Learnings, die in der Forschung über das Virus erlangt wurden. Mit diesen Worten wurde das Gespräch abgerundet. Und hier wurde keinesfalls die Existenz des Virus in Frage gestellt. Denn dazu äußerte sich Wieler ebenfalls:

„Ich persönlich gehe davon aus, dass das Virus nie mehr verschwinden wird. (…) Es wird sich anpassen, es wird hoffentlich weniger krank machen.“

Es lohnt sich also, einzeln herausgepickte Aussagen im Gesamten anzusehen, so wie auch oftmals Überschriften ein falsches Bild über den Inhalt des darunter stehenden Textes vermitteln können.

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