Muslime verlangen Verschiebung deutscher Feste?

Autor: Andre Wolf

Kennt ihr die kleine Gemeinde Schwalbach am Taunus? Nicht? Solltet ihr aber, denn was in Schwalbach am Taunus diskutiert wurde, scheint in den Augen einzelner Menschen Allgemeingültigkeit für Deutschland zu haben. Schwalbach ist quasi das neue Berlin, wenn nicht sogar das kommende Brüssel! Der Nabel der politischen Weltentscheidungen.


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Zumindest kann man es so auffassen, wenn man folgende Informationen liest und sich anschaut, was der Anlass für diese Meldung war und in welcher Relation diese Information zu dem tatsächlichen Geschehen steht. Zunächst jedoch: wir wissen nicht wirklich, warum dieser Artikel aktuell auf Facebook wieder verbreitet wird, denn er wurde bereits am 19. Mai 2015 veröffentlicht und stammt von der Seite DWD Press [1].

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Die Überschrift dort lautet “Muslime verlangen Verschiebung deutscher:Feste wegen Ramadan!!!” und der der Artikel wird mit folgenden Worten eingeleitet:

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Unverfrorenheit diese Moslems inzwischen in unserem Land auftreten und versuchen ihren islamischen Glauben über die christlichen Werte ihres Gastlandes zu stellen.

Am Schluss endet er mit den Sätzen:

Sagt endlich Nein zu der Abschaffung europäischer Traditionen und Werte!

Wir sind hier die Gastgeber!

Dazwischen gibt es eine längere Aufzählung von Gründen, warum man den Islam ablehnen sollte (“Kopfsteuer für nicht gläubig? Verbot des christlichen Glaubens? Unterdrückung der Christen?”) Den eigentlichen Punkt jedoch, wo nun deutsche Feste verschoben werden, liest man nicht. Er wird schlichtweg nicht erwähnt. Ganz am Ende findet sich jedoch der Einschub “Quelle”, welcher das Thema nun wirklich interessant macht.

Die Quelle

Man wird auf eine Seite aus dem Webangebot des Höchster Kreisblatt, einer Zeitung aus dem Main-Taunus-Kreis verwiesen[2]. Dort liest man in einem Artikel vom 12.05.2015:

Die Stadt Schwalbach und ihre Kulturkreis GmbH, so bittet der Ausländerbeirat, sollen „Veranstaltungen, die Angebote auch für Schwalbacher Bürger muslimischer Religionszugehörigkeit darstellen“, künftig so terminieren, „dass sie nicht in die Fastenzeit des Ramadan fallen“.

Wer sich jetzt verwundert die Augen reibt, weil er eine Verstrickung von Gauck (wie auf dem Bild suggeriert) oder Merkel in Feiertage wie Ostern, Pfingsten oder Weihnachten erwartet hat, wird bitter enttäuscht sein! Es geht nicht um diese Art von “deutschen Festen”, ja es geht nicht einmal um überregionale Feste, sondern um …. Schwalbacher Veranstaltungen. Schwalbach! Eine Gemeinde bei Frankfurt;

In der Niederschrift zu der öffentlichen Sitzung steht außerdem, dass „mögliche Kollisionen wesentlicher Schwalbacher Veranstaltungen mit dem muslimischen Fastenmonat Ramadan zu vermeiden“ seien.

Um nochmal die Situation vom Mai 2015 darzustellen: der Ausländerbeirat der Stadt Schwalbach bittet darum, lokale Feste/Veranstaltungen an religiöse Feiertage anzupassen.

Interessanterweise kam der erste Protest hier von den GRÜNEN:

Als erste von fünf Schwalbacher Stadtverordneten-Fraktionen melden sich die Grünen zu Wort. Die Partei ist ganz und gar nicht angetan von dem, was der Ausländerbeirat vorschlägt.

Ebenso interessant: nach Angabe der Zeitung sehe der liberalere Türkische Kulturverein keinen Bedarf für eine irgendeinen Beschluss zur Verschiebung von Veranstaltungen.

Was ist denn nun aus der knackigen Überschrift geworden?

Die ist leider irgendwie …. verpufft? Vergleichen wir nochmal, hier die Überschrift, welche uns zur Untersuchung vorgelegt wurde:

Muslime verlangen Verschiebung deutscher:Feste wegen Ramadan!!!”

Und hier die letzten Sätze aus der Quelle, auf die sich diese These baut:

Doch Bilal Akdeniz ergänzte gestern, dass es vor allem um Veranstaltungen gehe, die tagsüber seien, etwa das Altstadtfest. Praktizierende Muslime fasten von der Morgendämmerung bis Sonnenuntergang.

Bürgermeisterin Christiane Augsburger mahnte am Montag zur Umsicht. Der ALB-Vorschlag klinge apodiktisch – also danach, dass kein Widerspruch geduldet wird: „Das war so nicht gewollt.“ Akdeniz bestätigte, dass Terminierungen „nach Möglichkeit“ auf die Feiertage Rücksicht nehmen sollen.

Anmerkung

Als ehemaliger Theologiestudent ist mir exakt ein christlicher Feiertag im Kopf, der in Deutschland als arbeitsfreier Tag größtenteils abgeschafft wurde: der Buß- und Bettag. Er wurde 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung in allen Bundesländern außer in Sachsen als gesetzlicher Feiertag ersatzlos gestrichen [3]. Ganz ohne Bitten von Muslimen, das haben wir alleine geschafft.

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