Auf Twitter wird das Foto einer eingeschlagenen Rakete verbreitet, die kopfüber auf einem Spielplatz im Sand steckt. Da der Verfasser des Tweets gleichzeitig in seinem Text Deutschland kritisiert, vermuten manche Leute, dass es sich um einen Fake handelt. Dem ist aber nicht so!
Das verbreitete Foto der Rakete
Auf dem Foto ist im Vordergrund die eingeschlagene Rakete im Sand zu sehen, im Hintergrund befindet sich ein Spielplatz mit Brücken und Rutschen:
In dem Text zu dem Bild werden Deutsche kritisiert, die sich über höhere Heizkosten aufregen: „Es wäre wirklich schade, wenn die monatliche Heizkostenabrechnung der Deutschen um 50 % steigen würde“ – als bissiger Vergleich, dass eine höhere Heizrechnung ja eigentlich schlimmer als eine Rakete auf einem Spielplatz ist. Aber gerade dieser Vergleich, kombiniert mit dem Bild, lässt anscheinend manche Leute glauben, dass das Foto nicht echt sei.
Der Faktencheck
In dem Tweet wird leider nicht angegeben, wann und wo dieses Foto entstanden ist (die Echtheit vorausgesetzt), doch es gibt noch andere, sogar offizielle Quellen des Fotos, beispielsweise den Generalstab der Streitkräfte der Ukraine auf Facebook oder das Operative Kommando „Nord“.
In dem Facebook-Beitrag wird auch ein verifizierbarer Ort genannt: Ein Kinderspielplatz in Tschernihiw (Чернігів) am Fluss „Desna“ an der „Gold Bank“ (City Beach).

Noch besser: Auf Google Maps findet sich auch ein Foto des Spielplatzes (siehe HIER). Nun vergleichen wir mal die Fotos:

Auch auf dem Foto des Spielplatzes auf Google Maps sind die Rutschen, Brücken und charakteristischen blau-gelben Bauten zu sehen. Es handelt sich also tatsächlich um den korrekten Ort.
Es existieren auch mindestens zwei Zeitungsartikel auf ukrainischen Seiten, die über den Raketeneinschlag berichten. Die Seite TCH schreibt, dass es durch den Einschlag keine Toten oder Verletzten gegeben habe, der Angriff mit dieser Rakete aber den vorherigen Versprechungen widerspreche:
„Zuvor hatte ein Berater des ukrainischen Präsidenten Oleksij Arestowytsch erklärt, die russische Armee sei nicht stark genug, um Tschernihiw einzunehmen, geschweige denn, es in Mariupol zu verwandeln, das derzeit von den Besatzern blockiert wird.
Quelle: TCH
Wir möchten Sie daran erinnern, dass die russische Seite nach den Gesprächen in Istanbul erklärt hat, dass die Besatzer ihre militärischen Aktivitäten in Richtung Kiew und Tschernihiw reduzieren werden.“
Die Seite Cheline kritisiert zudem, dass es keine militärische Einrichtung in der Nähe des Spielplatzes gibt, der Beschuss mit der Rakete somit absolut unnötig war.
Bei der Rakete selbst handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um eine russische Streumunitionsrakete 9M55 oder 9M27Kell handeln. Das unabhängige, internationale Recherche-Kollektiv „Bellingcat“ sammelt Fotos dieser Raketen in der Ukraine. Das Modell ähnelt stark den bisher veröffentlichten Fotos:
Fazit
Bei dem verbreiteten Foto handelt es sich mit aller Wahrscheinlichkeit um keinen Fake. Es existieren mehrere Fotos mit Raketen dieser Art, die in ukrainischen Städten eingeschlagen sind, die ukrainische Presse und militärische Streitkräfte der Ukraine berichten ebenfalls über den Raketeneinschlag auf einem Spielplatz.
Recherche: André Reinsdorf
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