Schon seit einigen Jahren summt sie durch die Timelines sozialer Medien: Die uns alle ausspionierende Roboter-Mücke!

Nun ist sie wieder da und verbreitet Panik unter Nutzer*innen und Spinnen, die statt einem leckeren Insekt einen Haufen Metall in ihrem Spinnennetz finden: die Roboter-Mücke, ein fliegender Mini-Terminator mit Fernsteuerung, der uns DNA-Proben entnimmt und RFID-Tracking-Nanotechnologie auf der Haut hinterlässt.

Die Roboter-Mücke ist los!
Die Roboter-Mücke ist los!

Die Behauptung:

„Ist das eine Mücke? Nein, es handelt sich um eine Insektenspionagedrohne für städtische Gebiete, die bereits in Produktion ist und von der US-Regierung (in Zusammenarbeit mit Walmart) finanziert wird. Es kann ferngesteuert werden und ist mit einer Kamera und einem Mikrofon ausgestattet. Es kann auf uns landen und es kann sein, dass es das Potential hat, DNA-Proben zu entnehmen oder RFID-Tracking-Nanotechnologie auf unserer Haut hinterlässt. Es kann durch ein offenes Fenster fliegen oder an unserer Kleidung befestigt werden, bis wir es zu uns nach Hause bringen.“

Interessant an der neuen Variante der Behauptung, über die wir bereits 2018 berichteten:
Angeblich arbeite nun die US-Regierung nicht mehr alleine an der Roboter-Mücke, sondern in Zusammenarbeit mit Walmart – warum auch immer.
Das wäre, als ob die deutsche Bundesregierung nun zusammen mit Aldi etwas entwickelt.

Die Herkunft des Bildes

Das Bild der Roboter-Mücke kursiert bereits seit Jahren im Internet. Älteste Fundstellen reichen bis weit in das letzte Jahrzehnt hinein, das Bild fanden wir damals auf einem japanischen Blog in einem Eintrag vom 11. November 2005.

Das bedeutet, allein dieses Bild ist über 15 Jahre alt. Es trägt den Titel „Mücke” und eine sehr kurze Beschreibung, die vom Übersetzer mit „Es gibt keine so schreckliche Waffe, wenn sie praktisch eingesetzt wird.” angegeben wird.

Im Jahr 2012 erschien dann zu diesem Bild die Behauptung, es handle sich um eine Drohne, die mit DNA und RFID rumhantieren würde. Dieser Text erschien in seinem Original auf Englisch und trat bereits vor über 5 Jahren grafisch exakt in der Form auf, wie er aktuell auf Facebook geteilt wird.

Interessant: Ebenso im Sommer 2012 hatte die BILD das Foto und die Information zu der Mücke aufgegriffen. Man hat sich damals augenscheinlich nicht unbedingt mit Recherche-Ruhm bekleckert und dieses Bild als „FOTO DES TAGES VOM 21.06.2012 Spionage-Mücke” deklariert. Mittlerweile ist das Foto aus dem Artikel entfernt worden (vergleiche). Es gibt jedoch noch Screenshots des Artikels, in denen man das Foto deutlich erkennen kann (siehe hier). Insofern hat auch die BILD im Jahr 2012 auf ein Gerücht und ein Foto zurückgegriffen, welches bereits auf einem japanischen Blog im Jahr 2005 veröffentlicht wurde.

Fazit

Mit dem Bild und dem später hinzugefügten und auf deutsch übersetzten Text wird natürlich Angst vor dem Unbekannten geschürt. Die gesamte DNA und RFID Geschichte ist völlig unbewiesen und gehörte auch ursprünglich nicht zu dem Bild dazu, als es 2005 auf dem japanischen Blog auftauchte.

Natürlich gibt es Drohnentechnologie, natürlich gibt es Miniaturisierung und auch Geheimdienste, die bestimmt ein Interesse an beidem haben. Doch dieses mittlerweile bald 15 Jahre alte Bild und sein mindestens 8 Jahre alter Begleittext dürften in dieser Form als urbane Legende gelten.

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