Spielplatz: „Sind wir noch in Deutschland?“

Rote Karte für Rentnerinnen am Spielplatz in Altenburg (D). In Altenburg wurden drei Rentnerinnen von einer Parkbank in der Nähe eines Spielplatzes verwiesen. Wie kam es dazu und ist das wirklich alles rechtens?

Autor: Elke Haberl

Die Behauptung

In einem Leserbrief wird behauptet, das Ordnungsamt in Altenburg habe drei Rentnerinnen von einer Parkbank am Spielplatz verwiesen, da diese Damen sichtlich über 14 Jahre alt waren und man sich ab 14 Jahren nur noch als Begleitperson auf solch einem Platz aufhalten dürfe.

Unser Fazit

Die Behauptung ist richtig. Tatsächlich gibt die Stadtverwaltung Altenburg zu dem Vorfall eine Stellungnahme und bestätigt den Vorgang. Allerdings mit der Anmerkung, dass der Ordnungsamt-Mitarbeiter hier klar über das Ziel hinausgeschossen wäre.

Es handelt sich dabei um diesen Leserbrief, der abfotografiert wurde und aktuell die Runde im Internet macht. Unserer Recherche zufolge stammte dieser aus dem KURIER-Altenburg (Ausgabe vom 24. September 2022 / Seite 30)

Screenshot: Kurier Altenburg, Ausgabe 24.9.2022 / Seite 30 (Quelle)
Spielplatz: "Sind wir noch in Deutschland?"
Screenshot: Kurier Altenburg, Ausgabe 24.9.2022 / Seite 30 (Quelle)
Spielplatz: „Sind wir noch in Deutschland?“

Was ist vorgefallen?

Am sonnigen 12. September 2022 saßen drei Rentnerinnen gegen 15 Uhr auf einer Parkbank in der Nähe von Spielgeräten, um auf ihrem Einkaufsweg kurz zu verschnaufen. Ein Ordnungsamt-Mitarbeiter sah dies und verwies die drei Damen von der Parkbank, obwohl der Platz menschenleer war. Der Grund: Nur Kinder bis 14 Jahren, einschließlich deren Begleitpersonen, dürfen dort sein. Da die Rentnerinnen aber keine Kinder mit hatten, waren sie „illegal“. Damit wäre eigentlich, so wurde es im Leserbrief formuliert, 30 Euro pro Person Bußgeld fällig gewesen. Allerdings hatten die Damen Glück, denn es blieb lediglich bei einer Verwarnung.

Wir von Mimikama haben bei der Stadtverwaltung Altenburg nachgefragt, und der Fall wurde bestätigt. Warum wurden die Damen also vertrieben?

Die gesetzliche Lage rund um Spielplätze:

Tatsächlich gibt es in Altenburg – wie auch in vielen anderen Städten – die gesetzliche Regelung, dass nur Kinder bis 12 oder 14 Jahren (je nach Gemeinde) und deren Begleitpersonen sich am Spielplatz aufhalten dürfen.

Warum ist das so? Nun, Spielplätze sind für Kinder da. Durch diese Regelung sollte möglichen Platzproblemen entgegengewirkt werden. An schönen, sonnigen Tagen kann es dort eben zu Engpässen kommen und da hätten Eltern und deren Kinder Vorrang. Zusätzlich will verhindert werden, dass eventuell alkoholisierte Menschen sich dort aufhalten und es sollte auch die Kinder vor eventuell pädophilen Übergriffen schützen.

Steht die Stadt Altenburg hinter dem Vertreiben der drei Rentnerinnen?

Nein! Die Stadtverwaltung hat uns mitgeteilt, dass der diensthabende Mitarbeiter in diesem Falle weit über das Ziel hinaus geschossen sei. Leider könne man den genauen Sachverhalt nicht mehr genau nachvollziehen, da der Mitarbeiter seine Stelle bei der Stadt gekündigt habe und deshalb keine weiteren Infos mehr herangezogen werden können. Im Gespräch mit den anderen Mitarbeiter:innen des Ordnungsamtes Altenburg wurde aber klar, dass diese im Fall der drei Damen anders reagiert hätten. Es wäre möglich, so die Stadt Altenburg, dass es zu einem Hinweis gekommen wäre, dass die Damen hier eigentlich nicht ganz optimal säßen und eventuell weichen müssten, falls Eltern mit ihren Kindern den Platz nötig haben.

Dürfen Begleitpersonen auf Spielgeräte?

Eigentlich nicht. Auch dahintersteckt ein nachvollziehbarer Grund. Denn Spielgeräte werden zwar vom TÜV abgenommen, sind aber dennoch für das Gewicht von Kindern ausgelegt. Sitzt nun jemand mit mehr Gewicht auf manchen Spielgeräten, so könnten diese zu Bruch gehen und dies stelle wieder eine Gefahr für die Kinder dar. So schön es ist, Eltern aktiv mit ihren Kindern spielen zu sehen, so ist es dennoch nicht erlaubt. Die Stadtverwaltung Altenburg würde aber hier davon ausgehen, dass die Ordnungsamt-Mitarbeiter:innen in solchen Fällen sehr individuell und mit gesundem Menschenverstand entscheiden und nicht jeden Erwachsenen, der auf einer stabilen Schaukel sitzt, sofort mit Bußgeld vom Platz verweisen.

30 Euro Bußgeld für das Sitzen auf einer „falschen“ Bank?

Hierzu konnte die Stadt Altenburg keine nähere Auskunft geben. Die Ordnungsamt-Mitarbeiter:innen würden nicht mit einem Bußgeld-Katalog Passanten verweisen, sondern lediglich das Vergehen an die Bußgeldstelle weiterleiten. Diese würden dann über die Höhe des Bußgeldes entscheiden. Ordnungswidrigkeiten würden in Altenburg mit BIS ZU 5.000 Euro bestraft. Allerdings würde diese hohe Summe erst z. B. bei mehrmaligen Wiederholungstätern eingesetzt werden.

Würde jemand z. B. mehrmals Feuer an nicht ausgezeichneten Stellen machen und damit eventuell auch andere Menschen, Tiere, Gebäude, Wälder usw. gefährden, dann könnte dies durchaus zu einem hohen Bußgeld führen. Wusstet ihr, dass es in Altenburg nicht erlaubt ist, verwilderte Tauben zu füttern? Tatsächlich könnte auch diese gut gemeinte Tat zu einem Bußgeld führen. Zusätzlich haben auch Hunde nichts am Spielplatz zu suchen, da damit vermieden werden soll, dass Hunde unter anderem den Sand am Spielplatz verunreinigen.

Wie wäre es mit Spielplätzen für Jung und Alt?

Kinder und ältere Menschen haben oft dasselbe motorische Niveau. Oft fehlt es an Muskelkraft oder Gleichgewicht, besonders bei unebenen Untergründen. Deshalb ist Herr Zahner, der Gründer der Stiftung Hopp-la, der Meinung, dass es sehr gewinnbringend sein kann, Kinder und ältere Menschen auf ein und denselben Spielplatz zu bringen, um sich gemeinsam zu bewegen. Deshalb habe er ein Pilotprojekt im Basler Schützenmattpark (Schweiz) ins Leben gerufen, wo Jung und Alt sich gemeinsam entwickeln dürfen. (Quelle)

Dort dürfen ältere Menschen nicht nur Begleitpersonen von Jüngeren sein, sondern es dürften z. B. unsere drei Damen aus Altenburg auch ohne „Begleit-Kinder“ aktiv mitspielen und alle Geräte als auch Bänke mitbenutzen. Hierbei geht es einerseits um das körperliche Training, andererseits aber auch um das Spiel und den gemeinsamen Spaß.

Im Leserbrief aus Altenburg heißt es: „Vielleicht ist es unserer Stadtverwaltung möglich, auch für uns betagte Rentner ein paar Parkbänke dort aufzustellen. So könnten wir uns miteinander an dem bunten Treiben erfreuen.“ Die gemeinsame Teilhabe ist für das Wohlbefinden von uns allen außerordentlich wichtig und bereichernd. Jung und Alt können voneinander lernen und daraus positive Energie und neue Erkenntnisse schöpfen.

Ein Aufruf an ALLE Stadtverwaltungen!

Baut keine Kinderspielplätze, sondern baut Spielplätze für uns ALLE. Für Groß und Klein, für Füllig und Schmal, für Alt und Jung, damit wir uns begegnen und bereichern können und alle gemeinsam voneinander lernen dürfen.

Autorin: Elke Haberl, Mimikama

Lesen Sie auch: Nein, es gibt keinen Spielplatz für Kinder und Kinderinnen

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