Bereits 1928 soll Kurt Tucholsky ein Gedicht über Geimpfte und Ungeimpfte verfasst haben. Doch der wahre Autor ist ein Satiriker.
Vor knapp 100 Jahren soll der deutsche Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky ein Gedicht über die Impfdebatte veröffentlicht haben. Dabei ging es scheinbar um den Disput zwischen Geimpften und Ungeimpften zur Diphtherie-Impfung.
Man sollte jedoch gut auf den Wahrheitsgehalt achten, wenn die erste Person, die etwas so Passendes teilt, ausgerechnet ein Satiriker ist…
Um dieses vermeintliche Gedicht von Tucholsky handelt es sich:

„Geimpfte sind nicht bessre Leute,
nur weil sie solidarisch sind.
Sie schützen sich und andre heute,
so leben morgen Greis und Kund.Die Ungeimpften sind nicht schlechter,
nur weil sie Ignoranten sind.
Sie sind Immunsystemverfechter,
für gute Argumente blindund mehrenteils verrückt geworden.
Sie fallen allen nur zur Last.
Und doch: Man soll sie nicht ermorden!
Fürs erste reicht ja auch der Knast.“
Der echte Autor des Gedichtes
Das Bild mit dem Gedicht wurde erstmalig auf Twitter veröffentlicht, und zwar von Cornelius W. M. Oettle, einem Autor des Satire-Magazins „Titanic“:
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Auf „Sudelblog“, einem Blog über Kurt Tucholsky, wird klargestellt, dass es sich keinesfalls um ein echtes Gedicht des Schriftstellers handelt, mit harten Worten wird kritisiert:
„Das Gedicht hat offensichtlich so wenig mit Tucholsky zu tun wie die Titanic mit der Weltbühne, in der es im Jahr 1928 erschienen sein soll. Von daher ist es keine Tucholsky-Parodie, sondern lediglich der Versuch, mit der Zuschreibung zu einem bekannten Autor und der Datierung in eine völlig andere Epoche mehr Aufmerksamkeit zu generieren.“
Gerald Krieghofer beschäftigt sich auf seinem Blog „Zitatforschung“ speziell mit Falschzitaten und weist ebenfalls darauf hin, dass das Gedicht nicht von Kurt Tucholsky stammt.
Der Satiriker Oettle gibt nicht direkt zu, der Verfasser zu sein, umschreibt es aber so, wie es sich für einen Satiriker geziemt: Tucholsky habe sich beim Schreiben (angeblich ja 1928) wohl am 2019 erschienenen Gedicht „Zur Versachlichung der Böllerdebatte“ von Cornelius W. M. Oettle (also ihm selbst) orientiert.
Zusammenfassung
Der Titanic-Autor Cornelius W. M. Oettle schrieb das Gedicht als eine umformulierte Version eines anderen Gedichts von ihm und behauptete dann einfach auf Twitter, dass Tucholsky der Autor wäre.
Es handelt sich also nicht um ein Gedicht von Kurt Tucholsky!
Quellen: Sudelblog, Zitatforschung
Auch interessant:
Im Pride Month Juni häufen sich Beiträge zu diesem Thema in sozialen Medien, wie auch die Aussage zu Homophobie, die Morgan Freeman zugeschrieben wird.
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise)
