Das Verlangen nach Liebe und Nähe ist ein universelles menschliches Bedürfnis. Doch was geschieht, wenn dieses fundamentale Bedürfnis in die Hände von Betrügern fällt? Im beschaulichen Eisenstadt in Österreich wurde diese Frage zur harten Realität, als ein „Love Scam“ eine Frau um ihre Ersparnisse brachte.

Der Köder: Ein Model, das nach Liebe sucht

Es war ein Szenario wie aus einem schlechten Film: Ein falsches Facebook-Profil, ein angebliches Model namens „Daniel Piozo“, das in einer inszenierten digitalen Welt lebte. Für eine einsame Österreicherin war die Aufmerksamkeit, die von diesem Profil ausging, wie ein Lichtstrahl im Dunkeln. Doch in Wirklichkeit war es der Köder, ausgelegt von einem Betrügerduo, um ihre Sehnsucht nach Liebe auszunutzen.

Die Falle schnappt zu: Geld für nicht existente Probleme

Die Betrüger spannen eine Geschichte von Luxus, Not und einer dringend benötigten Geldsumme. „Daniel Piozo“ brauche Geld – eine Geschichte, so alt wie der Betrug selbst, aber effektiv genug, um das Opfer zu täuschen. Mit der Versprechung, dass das Geld für eine Wohnung und Betriebskosten verwendet würde, gelang es dem Paar, rund 65.000 Euro zu erpressen, und zusätzlich 7.000 Euro, die direkt an die weibliche Hälfte des Duos gingen.

Der hohe Preis der Naivität

Die Geschichte nahm eine tragische Wendung, als das Opfer vor Gericht aussagte. Die erlittenen finanziellen Verluste beliefen sich auf rund 72.000 Euro, ein Vermögen, das mit Vertrauen bezahlt und mit Betrug erwidert wurde. Die betrogene Frau wurde nicht nur emotional, sondern auch finanziell ausgenommen.

Ein Netz aus Lügen und Vorstrafen

Das kriminelle Paar, bestehend aus einem neunmal vorbestraften Österreicher und einer deutschen Komplizin mit laufenden Exekutionsverfahren in der Schweiz und in Deutschland, offenbarte vor Gericht ein Muster der Manipulation und des Betrugs. Ihre Teilgeständnisse und das teilnahmslose Akzeptieren der Schuldsumme enthüllten die Kaltblütigkeit ihrer Taten.

Weitere Betrügereien kommen ans Licht

Das Duo steht zusätzlich im Verdacht, eine Reihe anderer Betrügereien begangen zu haben: Sie logierten beispielsweise 25 Tage lang in einem Hotel in Pöchlarn, ohne die Rechnung zu begleichen, weil ihre Kreditkarte nicht die nötige Deckung aufwies. Des Weiteren sollen sie Wohnungen sowohl in der Schweiz als auch in Wien angemietet haben, ohne die Miete zu entrichten, und Kosmetikprodukte im Wert von 30.000 Euro bestellt haben, die sie nie bezahlten, mit der Absicht, diese weiterzuverkaufen.

Polizei und Justiz schlagen zurück

Das Gericht verurteilte den 45-Jährigen zu vier Jahren und die 34-Jährige zu zwei Jahren Gefängnis. Ein Urteil, das zwar noch nicht rechtskräftig, aber ein klares Signal gegen die betrügerischen Machenschaften ist. Die Polizei warnt und ermutigt Opfer, keine persönlichen Daten preiszugeben und bei Verdacht Anzeige zu erstatten.

Die Lehren eines Love Scams

Diese Geschichte ist ein dramatischer Weckruf für alle, die online nach Liebe suchen. Sie zeigt auf, wie wichtig es ist, wachsam zu bleiben und zu erkennen, dass nicht jede Geschichte, die zu schön scheint, um wahr zu sein, auch wahr ist. Es ist eine Aufforderung, auf die eigene Intuition zu hören und sich nicht von den Blendwerken falscher Zuneigung täuschen zu lassen.

In einer Welt, in der digitale Beziehungen immer alltäglicher werden, ist es entscheidend, das Bewusstsein für die Gefahren von „Love Scams“ zu schärfen. Die Geschichte der Burgenländerin mag ein Einzelfall sein, aber sie steht exemplarisch für ein globales Problem, das uns alle angeht. Es ist eine Geschichte, die nicht nur in Österreich, sondern überall dort stattfinden kann, wo Menschen online nach Verbindung suchen.

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Quelle: ORF

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