Betrügerisches Cybertrading, dass unrealistische Traumrenditen verspricht, ist weder neu noch eine Seltenheit. Dennoch breitet sich die Variante des Anlagebetrugs im Zeitalter des Internets immer weiter aus. „Die Ermittler registrierten in den vergangenen Jahren eine stetig wachsende Anzahl an Betrugsopfern. Der Schaden geht in die Millionen. In den vergangen fünf Jahren sprechen wir von einem Gesamtschaden, der annähernd 5 Millionen Euro erreicht. Allein im vergangenen Jahr waren es über 2,5 Millionen Euro, bei 79 bekannt gewordenen Fällen, die regelmäßig auch aus dem Ausland bezogen werden. Die Tendenz ist also steigend“, erläutert Zurhausen.

Traumrenditen? Nein, betrügerisches Cybertrading!

Der erste Kontakt findet statt, wenn sich die potenziellen Kunden im Internet auf entsprechenden Themenseiten über die Anlagemöglichkeiten informieren. Manche Internetseite ist bereits ein Fake und soll den Betrügern nur zur Beschaffung von Nutzerdaten und Geld dienen. Finden die Anleger dann eine für sie vertrauenswürdige Seite, ist die Anmeldung nur noch eine Kleinigkeit. Zur Verifizierung der Kundendaten verlangen die Betreiber der Seite dann z. B. Fotos des Personalausweises sowie der letzten Heizkostenabrechnung. Der Vorgang erscheint seriös, weshalb die potenziellen Kunden der Aufforderung nachkommen.

Kurz darauf erhalten sie einen Anruf eines mutmaßlichen Brokers – oftmals auch mit einer Nummer aus England. Auch der Broker schafft zusätzliches Vertrauen, denn, er klingt wie ein Profi. Die Wirkung ist wenig verwunderlich, weil der mutmaßliche Broker auf dem Gebiet der Kapitalanlage fortgebildet ist. Er fachsimpelt mit dem Anleger und bringt ihn dazu, sich auf dessen Computer aufschalten zu lassen. Dem Anleger werden einige Kniffe und Tricks am häuslichen Bildschirm gezeigt – gleichzeitig jedoch, öffnen sie den Betrügern damit Tür und Tor. Der Zugriff auf die persönlichen Daten ist von außerhalb nun uneingeschränkt möglich, solange der Rechner am Netz hängt.

Verschiedene Spielarten des Betrugs mit Cybertrading

Betrogen werden die Kunden nun auf verschiedene Weise: Während die Betrüger mit den Kundendaten heimlich Bitcoins erwerben, die sie in anonymen Wallets („elektronische Geldbörsen“) ablegen, überweisen die Anleger das erste Geld, mit dem die Broker arbeiten sollen – überzeugt von der ihnen dargebotenen Anlagestrategie. Nicht selten werden zu Beginn nur kleine Geldbeträge, von vielleicht 250 Euro, überwiesen. Viele Anleger sind zunächst noch unsicher und wagen sich nur unter großer Sorgfalt vor, denn das eigene Kapital ist kostbar.

Im Weiteren nehmen die falschen Broker immer wieder Kontakt zu den Anlegern auf. Ihnen spielen die Betrüger sogar am heimischen Bildschirm vor, wie sich das angelegte Geld nach nur wenigen Tagen verdreifacht hat. Allerdings handelt es sich hier um eine reine Illusion. Dieses Geld gibt es nämlich in der Realität schon gar nicht mehr. Und die Illusion wird durch weitere Taten aufrechterhalten. Berauscht vom ersten Gewinnzuwachs fordert der ein oder andere Anleger eine Teilauszahlung, die in manchen Fällen sogar gewährt wird. Auf diese Weise schaffen die Betrüger weiteres Vertrauen, denn das Prozedere scheint seriös. An einen Betrug denkt zu dieser Zeit niemand. Warum auch sollte den Anlegern Geld ausgezahlt werden, wenn sie doch betrogen werden sollten?

„Die Antwort ist simpel: weil sie noch mehr Geld von Ihnen wollen“, erklärt Kriminalhauptkommissar Dirk Christossek vom Polizeipräsidium Recklinghausen. Und leider fallen auch viele Betrogene darauf herein. Durch die seriöse Art, den ständigen Kontakt und die scheinbare Professionalität, die die Anlagebetrüger an den Tag legen, verleiten sie die Leute dazu, noch mehr zu investieren. Das ist der Punkt, auf den die Betrüger warten – auf den sie die ganze Zeit hingearbeitet haben. Nicht selten überweisen die Investoren in weiteren Schritten mehrere zehntausend, ja sogar bis zu mehreren hunderttausend Euro. Auf diese Weise erklärt sich auch ein hoher Gesamtschaden bei den Anlagebetrügereien, der nicht selten einen siebenstelligen Wert erreicht.

„Die Antwort ist simpel: weil sie noch mehr Geld von Ihnen wollen“.

Kriminalhauptkommissar Dirk Christossek vom Polizeipräsidium Recklinghausen

Der fachkundige Ermittler Dirk Christossek berichtet: „Die Ermittlungen gestalten sich in den Fällen des Anlagebetrugs schwer. Das Internet ist schnelllebig, und so sind es auch die Betrüger. Die Internetseiten werden flugs geschlossen und sind nicht mehr auffindbar. Die bekannten Rufnummern sind in der Regel auf falsche Personalien ausgestellt und bieten daher nur selten einen guten Ermittlungsansatz. Zeitgleich schalten die Betrüger neue gestaltete Internetseiten auf und setzen ihre perfide Masche fort.“

Vermeintliche Traumrenditen verbreiten sich per Mund-zu-Mund-Propaganda

„Leider verbreiten sich die vermeintlichen Erfolge schneller als das eingebüßte Kapital“, mahnt Polizeipräsidentin Zurhausen und ergänzt: „Durch Mundpropaganda bewerben die Neuanleger ihre ersten Erfolge, teilen und empfehlen sie ihren Freunden, Familienangehörigen und Bekannten. Die Scham hingegen, wenn sie merken, dass sie alles verloren haben, hemmt viele, damit offen umzugehen. Anstatt andere zu warnen oder sich bei der Polizei zu melden, sagen sie lieber nichts und halten sich bedeckt. Das ist kein ungewöhnliches, sondern ein menschliches Verhalten. Wir möchten die Betroffenen dennoch animieren sich bei der Polizei zu melden. Helfen Sie uns, andere vor den gleichen Fehlern zu bewahren.“

Die Polizei warnt! Nicht nur vor betrügerischem Cybertrading

Die Polizei rät: Seien Sie stets vorsichtig, mit einer gewissen Portion Misstrauen! Die Maschen der Betrüger sind vielfältig. Nicht jeder Fall läuft immer gleich ab. Auch hier zeigen sich die Betrüger sehr erfinderisch. Gerne greifen Sie auch zu einer Kombination bekannter Varianten, wie z.B. dem „Schockanruf“ und dem „falschen Polizeibeamten“. Ähnliche Kombinationsmöglichkeiten finden sich auch beim Thema Anlagebetrug. So täuschen einige beispielsweise eine Beziehung oder Romanze vor („Love Scamming“), die die Involvierten letztlich dazu bringen soll, Geld zu überweisen oder zu investieren. Folgen die Betroffenen dem Vorschlag, ist eines sicher: das Geld ist weg!

Weitere Hilfestellungen finden Sie hier: https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/betrug/kredit-und-anlagebetrug/

Quelle:

Polizeipräsidium Recklinghausen
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