Welches Ei ist am besten für Umwelt & Henne?

Von Bruderhahn bis Bodenhaltung – Welches Ei ist am besten für Umwelt & Henne? I Ökochecker SWR

Tom Wannenmacher, 16. April 2022
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Hühnereier sind beliebt. Und der Anteil an Bioeiern steigt kontinuierlich. Aber: Wie sieht es in den Betrieben aus und ist Bio wirklich so viel besser für Klima, Umwelt und Tier?

Hühnereier sind beliebt

Hühnereier sind ein beliebtes Nahrungsmittel. 240 Stück isst jede und jeder von uns im Jahresdurchschnitt – als Frühstücks- oder Rührei, aber auch verarbeitet in Nudeln, Backwaren, Mayonnaise, Fertiggerichten. Wieso auch nicht? Schnabelkürzen, Käfighaltung, Kükentöten – all das gehört bei uns in Deutschland doch inzwischen der Vergangenheit an. Der Anteil an Bioeiern steigt sogar kontinuierlich. Aber sind Eier heutzutage wirklich mit gutem (Umwelt-)Gewissen zu genießen? Worauf kann ich achten? Wie sieht die Realität in den Betrieben aus und ist Bio wirklich besser?

Erstaunlich geringe Klimabelastung

Die Klimabelastung durch Eier ist recht gering (etwa 3 kg CO2eq pro 1 kg Eier) – was erstaunlich ist für ein tierisches Produkt! Laut einer FiBL-Studie könnte die CO2-Bilanz der Eierproduktion in Deutschland mithilfe von selbst-angebautem, statt importiertem Soja sogar noch um über 40% verbessert werden.

Nitratbelastung hoch

Daneben spielt der Nitrateintrag durch die Ausscheidungen der Hennen eine Rolle, sowohl für die Umwelt als auch fürs Klima: Je nach Ausgestaltung der Freilandflächen entfernen sich die Hennen kaum vom Stallgebäude, weil sie auf freier Fläche keine Versteckmöglichkeiten vorfinden. Rund um den Stall ist die Nitratbelastung daher oft besonders hoch und kann das Grundwasser und durch die Entstehung von Lachgas auch das Klima belasten. Eine Lösung sind hier mobile Ställe, die von Zeit zu Zeit umgestellt werden. So verringert sich die Nitratbelastung und die Hennen haben immer wieder frische Flächen zum Picken, Scharren, Sandbaden.

Wie steht es um das Tierwohl?

Vor allem beim Thema „Tierwohl“ gibt es große Unterschiede. Über den Code, der auf das Ei gedruckt ist, kann ich mir einen genauen Eindruck von den Bedingungen machen, unter denen die Henne lebt, deren Ei ich esse. Einem sollte klar sein, dass Eier im Supermarkt fast ausschließlich aus Massentierhaltung stammen – egal ob Bio, Freiland oder Bodenhaltung. Tierschutzverbände kritisieren jede Haltungsform, die Hühner in großem Maßstab hält – auch Bio. Denn Hühner leben in einem sozialen Gefüge und kennen dank der Hackordnung ihre Position in der Gruppe. Das funktioniert aber nur in überschaubarer Gruppengröße, nicht in der Massenhaltung mit mehreren tausend Hühnern. Deshalb leiden die Tiere unter Stress und entwickeln häufig Verhaltensstörungen, sodass sie sich gegenseitig die Federn auspicken. Besonders schlimm ist das in der Bodenhaltung, in der die Hennen dicht gedrängt im Stall leben und nie das Tageslicht sehen. Bei industriell verarbeiteten Produkten, die Eier enthalten, muss man deshalb besonders aufpassen, denn hier gibt es keine Kennzeichnungspflicht, aus welcher Haltung die Eier kommen. Meistens werden deshalb Eier aus Bodenhaltung oder aus Käfighaltung aus dem Ausland verarbeitet. Wer das nicht will, sollte Produkte mit Ei-Anteil vermeiden oder nur die kaufen, die ebenfalls ein Bio-Siegel tragen.

Bauer manchmal besser als Bio

Während im Supermarkt deshalb das Bio-Ei eigentlich das Minimum abbildet (noch besser sind Bioland, Naturland und Demeter), kann es auf dem Wochenmarkt ganz anders aussehen: Gerade für kleine Produzenten lohnen sich die aufwändigen und kostspieligen Zertifizierungen oft nicht, Futter bekommen sie vom Bauern nebenan, anstatt es in Bio-Qualität aufwändig zu beschaffen. Daher führt so eine Henne in Freilandhaltung u.U. ein besseres, artgerechtes und längeres Leben als ihre Bio-Schwester in einem großen Legebetrieb.

Quelle: SWR-Marktcheck

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