📖Wie verbreiten sich Falschmeldungen im Internet so schnell? Antworten finden Sie im Leitfaden Wie Desinformation funktioniert.
In der kalten Jahreszeit sind Mandarinen und auch Zitrusfrüchte sehr beliebt. Ob gepellt oder zu Saft gepresst, viele Menschen verzehren die Früchte aus dem Süden.
Das Thema „Giftige Mandarinen und Langzeitschäden“ kurz zusammengefasst:
Reißerische Webseiten berichten knapp über die große Gefahr bei Mandarinen. Die Erklärung dazu (Thema Chlorpyrifos) fällt sehr kurz aus. Diese Art der Berichterstattung nennt sich Alarmismus und ist auf Klicks aus.
Mandarinen sind bei vielen Menschen sehr beliebt. Umso mehr fallen Schlagzeilen auf, die quasi einen Alarmzustand um Mandarinen erschaffen. So wie die Schlagzeile: „Giftig: Mandarinen können Langzeitschäden im Gehirn auslösen“.
Langzeitschäden im Gehirn, wer will das schon haben? Daher schauen wir einmal genauer hin, was hinter diesen Schlagzeilen steckt. Denn im Kern geht es um das Pestizid Chlorpyrifos.
Mandarinen betroffen!
Zitrusfrüchte (wie auch Mandarinen) enthalten nach den letzten Erkenntnissen oft übermäßige Rückstände des Pestizids Chlorpyrifos. Das Insektengift zählt zu den meistgenutzten Mitteln der Welt zur Schädlingsbekämpfung und ist nunmehr aufgrund seiner möglichen verheerenden Nebenwirkungen in den Fokus der europäischen Behörden geraten.
Die Anwendung von Chlorpyrifos kann angeblich zu schweren Gehirnschäden bei Kindern und Tieren führen. Wir haben das Insektengift bereits in unserem Artikel „Chlorpyrifos – Wenn der Tagesbedarf an Vitamin C vergiftet ist.“ thematisiert und dort liest man:
Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass im Jahre 2017 bei jeder vierten Mandarine und jeder dritten untersuchten Grapefruit und Orange übermäßige Rückstände des Insektengifts Chlorpyrifos nachgewiesen werden konnten.
Selbst geringe Mengen können fatale Wirkungen zeigen, geraten Babys im Mutterleib in Kontakt mit dem Gift, so kann dies zu Schädigungen der Gehirnentwicklung führen, da das Gift wichtige Bereiche der Großhirnrinde angreift und schrumpfen lässt.
Spannend wird es auf Social Media, wenn Webseiten stark verkürzt und alarmistisch so ein Thema aufgreifen und es weniger um Information, als um Klicks und bemühte Viralität geht.
Da zählt dann weniger die Mandarine, sondern mehr die Schlagzeile. Alarmismus ist hierbei ein Geschäftsmodell, welches über das klassische Clickbaiting hinausgeht. Alarmismus erkennt man an folgenden Punkten:
Drastik gewöhnlicher Dinge
Dauerzustand von Superlativen
Aufbau der allgemeinen Betroffenheitslage
Daher sollte man immer aufpassen: Beim Alarmismus gibt es natürlich immer den wahren Anlass. Jedoch wird dieser radikalisiert und als universell dargestellt.
Artikelbild Symbolbild Mandarinen: Shutterstock / Von Dream79
Andre Wolf ist Kommunikationsexperte und Pressesprecher von Mimikama,
Österreichs führender Faktencheck-Organisation. Er vertritt Mimikama
in Medienauftritten und leitet Workshops zu Medienkompetenz und
der Erkennung von Desinformation.
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Artikelbild Symbolbild Mandarinen: Shutterstock / Von Dream79