Andrew Tate ist ein ehemaliger Profi-Kickboxer, der jedoch nicht mehr aktiv ist und speziell über seine Social-Media-Kanäle auffällt. Besonders auffällig ist sein misogynes Verhalten, die Verachtung von Frauen steht dabei im Zentrum. Daneben ist auch seine „Hustlers University“ zu nennen. Das ist eine Art „Schule“, an der er Online-Kurse verkauft und Menschen sich in Form eines Abonnements einschreiben können.

Diese Hustlers University, kurz auch als HU bekannt, ist eine recht große Plattform, über die Andrew Tate viel Einfluss ausübt. Dieses abonnementbasierte Onlineprogramm soll Menschen (für 49 US-Dollar pro Monat) vermitteln, wie man angeblich 10.000 US-Dollar pro Monat durch verschiedene Methoden wie „Copywriting“, Kryptowährungsinvestitionen oder andere Aktivitäten verdienen kann.

Das klingt jetzt alles nicht weiter schlimm, Techniken wie das „Copywriting“ an sich sind auch eher unproblematisch. Copywriting ist die Kunst des Verfassens von Texten für Werbezwecke. Ein Copywriter schreibt Texte, die dazu dienen, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu verkaufen oder die Marke eines Unternehmens zu fördern. Diese Texte können in verschiedenen Formaten vorliegen, wie zum Beispiel Anzeigen, Landing-Pages, E-Mails, Social-Media-Beiträge und vieles mehr.

Ein guter Copywriter verfügt über gute Schreibfähigkeiten und versteht, wie man eine Botschaft auf eine ansprechende und überzeugende Art und Weise vermittelt. Er oder sie muss auch verstehen, wie man die Aufmerksamkeit der Zielgruppe auf sich zieht und wie man sie dazu bringt, eine gewünschte Handlung auszuführen, wie zum Beispiel ein Produkt zu kaufen oder sich für einen Newsletter anzumelden. Copywriting ist ein wichtiger Bestandteil des Marketings und spielt eine wichtige Rolle dabei, Unternehmen zu helfen, ihre Ziele zu erreichen.

Brücken zur Misogynie

Bei Misogynie handelt es sich um ein Verhalten, das sich auf individuelle Gefühle oder Einstellungen, aber auch auf kulturelle und gesellschaftliche Einstellungen und Praktiken bezieht, die Frauen diskriminieren oder ihnen Nachteile bereiten. Misogynie kann sich in vielen Formen äußern, einschließlich sexueller Belästigung und Gewalt, Diskriminierung bei der Arbeit oder in Bildungseinrichtungen, sowie in der Darstellung von Frauen in den Medien als sexuelle Objekte oder als weniger wertvoll als Männer.

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Misogynie ist ein weitverbreitetes Problem, das in vielen Gesellschaften und Kulturen vorkommt. Und für Tate ist es überdies eine Form der Vermarktung. Berichten zufolge von Personen, die sich an der Hustlers University angemeldet haben, würde dort eine frauenfeindliche Rhetorik herrschen. Das zum Beispiel geht aus einem sehr langen Artikel von Buzzfeed hervor (siehe hier).

Aber auch andere Berichte sprechen davon, dass Tate nicht unbedingt wertvolles Wissen vermitteln würde, sondern viel mehr eine Fangemeinde damit aufbaue. Der Autor des Review-Artikels „Hustlers University Review (The Red Pill Truth?)“ spricht davon, dass er das Gefühl habe, dass es Andrew Tate nur darum ginge, eine große Fangemeinde aufzubauen und seine persönliche Marke und seine geschäftlichen Unternehmungen zu erweitern, anstatt jungen Leuten, die zu ihm aufschauen, wirklich zu helfen (vergleiche).

Ergo: Die Techniken, die Tate vermitteln wolle, würde es laut der Rezension an anderen Stellen im Netz sowohl gratis als auch besser geben. Im Vordergrund würde vielmehr seine eigene Person und sein Verhalten stehen.

Tate inszeniert sich. Auf Social Media, auf seiner Hustlers University. Er dringt damit zu Menschen vor, die so sein wollen, wie er es ist. Und wie ist Andrew Tate? Wie wirkt er? Natürlich gibt er sich als finanziell reich. Protzt mit teuren Autos und Luxus auf in seinen Social Media Postings. Er stellt sich als einflussreich dar, als jemand, der „das System“ (was er als die Matrix gerne bezeichnet) durchschaut hat.

Damit verbunden vermittelt er einen Frauenhass, der ihm bereits seine Social-Media-Kanäle auf Facebook, Insta oder TikTok gekostet hat. Auch auf Twitter. Doch es war Musk, der mit seiner Abstimmung zur Entsperrung sämtlicher Konten am Ende dafür sorgte, dass Andrew Tate auf Twitter wieder aktiv werden konnte (siehe hier).

Mit seinen Aussagen und seinen Darstellungen kommt er auch gut bei den sogenannten Incels an. Die Kleine Zeitung schrieb im August 2022 über Andrew Tate:

Ganz generell sei es für Männer einfacher, auf jüngere Frauen „Einfluss“ auszuüben. Tate geht sogar so weit, dass er Frauen die Mitschuld dafür gibt, wenn sie vergewaltigt werden. In einem Video mit dem Titel „How Tate handles his girls“ (deutsch: „Wie Tate mit seinen Mädchen umgeht) spricht er davon, Partnerinnen mit Gewalt zum Schweigen und schließlich zum Sex zu bringen.

https://www.kleinezeitung.at/next/6175887/Manipulierte-Algorithmen_Wenn-Frauenhass-viral-geht_Warum-reden

Der Begriff „Incel“ ist eine Abkürzung für „involuntarily celibate“ und bezieht sich auf Menschen, die sich unfreiwillig in der Situation sehen, keine sexuellen oder romantischen Beziehungen zu haben. Die Incel-Bewegung besteht hauptsächlich aus Männern und hat sich in den letzten Jahren im Internet entwickelt. Incels teilen häufig ihre Gedanken und Gefühle in Online-Foren und auf Social-Media-Plattformen und können eine Mischung aus Mitleid, Wut und Neid gegenüber Frauen und Menschen, die erfolgreich sexuelle oder romantische Beziehungen haben, zeigen. Wir sehen also hier auch die Verknüpfung zur Hustlers University als Plattform .

An den Aussagen von Tate lässt sich durchaus sehen, dass einige Incels Gewalt gegen Frauen durchaus fördern und sogar Gewaltakte begehen, die auf ihren Gefühlen der Frustration und Isolation aufgrund ihres angeblichen Mangels an sexuellen Erfolgen basieren. Die Incel-Bewegung kann daher unter diesen Gesichtspunkten durchaus als gefährlich und frauenfeindlich betrachtet werden.

Zur Anmerkung: Nicht automatisch sind alle Menschen der Incel-Gruppe zuzuordnen, die Schwierigkeiten haben, sexuelle oder romantische Beziehungen zu haben. Umgekehrt ist die Incel-Bewegung auch nicht repräsentativ für alle Menschen ist, die Schwierigkeiten haben, Beziehungen zu haben.

Das Problem

Tate hat Einfluss auf junge Männer. Über seine PR, über seine Plattformen und über seine Postings. Er fördert eine misogyne Sprache und vermittelt das Gefühl der Normalität von Gewalt gegen Frauen. Gewalt gegen Frauen ist ein ernstes Problem, das in weitverbreitet ist und auch hierzulande durch. Laut dem World Health Organization (WHO) erfahren etwa 1 von 3 Frauen weltweit Gewalt durch einen Partner oder durch nicht-partnerschaftliche Gewalt. Gewalt gegen Frauen kann viele Formen annehmen, einschließlich physischer Gewalt, sexueller Gewalt, häuslicher und emotionaler Gewalt.

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Die vermeintliche Normalität der Gewalt gegenüber Frauen, welche über Tates Aussagen vermittelt wird, kann nun dazu führen, dass junge Männer diese Gewalt gegenüber Frauen entsprechend als „normal“ praktizieren und sich somit auch legitimiert sehen, zur Durchsetzung ihrer Ziele Gewalt anwenden zu dürfen.

Wir sehen also, dass seine Postings gegenüber Greta Thunberg, auch wenn sie als vermeintliche Niederlage für ihn gewertet werden können, nicht ungefährlich sind! Andrew Tate hat großen Einfluss. Er weiß sehr genau, wie er sich in Szene setzen kann und welche Gruppen von Menschen er anspricht. Er hat über Jahre dafür gesorgt, sich eine Fangemeinde aufzubauen, die sogar dafür zahlt, dass er so ist, wie er sich gibt, um selbst auch wie er zu werden.

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