Ukraine Krise / Ukraine Krieg: Faktenchecks

Video zeigt keine russischen Angriffe auf ukrainische Bahn

In einem Video sollen die Folgen eines nächtlichen Angriffs auf die Bahn in der Region Lemberg, Ukraine, zu sehen sein. Doch dieses stammt aus dem Jahr 2013 und hat eine komplett andere Ursache.

Claudia Spiess, 24. Mai 2022

Die Behauptung

Aktuell kursiert ein Video, das einen brennenden Zug zeigt. Angeblich resultieren die Bilder aus einem Raketenangriff Russlands vom 17. Mai 2022 auf die ukrainische Bahn.

Unser Fazit

Diese Behauptung ist falsch. Bei dem brennenden Zug handelt es sich um einen Güterzug, der am 9. Mai 2013 in der Region Rostow in Russland entgleist war und deshalb Feuer gefangen hatte.

Video „Nächtliche Angriffe auf die Bahn in Lemberg“

Im Video, bei dem man in der ersten Sekunde meinen könnte, es wurde bei blendendem Sonnenschein aufgenommen, sieht man jedoch schnell Rauchschwaden und entgleiste Zugwaggons. Betitelt wird das Video mit „Consequences of night strikes on the railway in the Lviv region.“ / „Folgen der nächtlichen Angriffe auf die Bahn in der Region Lemberg.“

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Dies wird in sozialen Medien von anderen Accounts (HIER oder HIER) ungeprüft übernommen, dem angeblichen Angriff wird sogar das Datum 17. Mai 2022 zugeordnet.

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„17.05.2022
Region Lemberg, Ukraine
Das Ergebnis eines nächtlichen Raketenangriffs der russischen Luft- und Raumfahrtstreitkräfte auf die Eisenbahninfrastruktur der ukrainischen Streitkräfte.“

Übersetzung des Tweets von @Lar_Woodside

Unfall an der Station Belaya Kalitva in Rostow

Hinter diesem Video steckt jedoch kein Raketenangriff auf die ukrainische Bahn, wie aktuell behauptet wird, sondern ein Unfall, der bereits 2013 passiert ist.

In einem YouTube-Video, das 2017 hochgeladen wurde, erkennt man Bilder aus dem Video, das aktuell kursiert und einem aktuellen Datum und angeblichen aktuellen Ereignissen im Ukraine-Krieg zugeschrieben werden:

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Titel des Videos: „Folgen des Unfalls an der Station Belaya Kalitva (Archiviert am 9. Mai 2013)“

Zu diesem Vorfall finden sich zahlreiche Medienberichte (HIER, HIER und HIER)
Auf der Seite kommersant.ru wird der Unfallhergang folgendermaßen beschrieben:

„In der Nacht zum 9. Mai fuhr ein 69 Waggons umfassender Güterzug mit Getreide, Sonnenblumenöl, Holz, Stahl, Heizöl sowie Propan, Benzin, Methylenchlorid und festem Natriumhydroxid mit doppelter Geschwindigkeit in den Bahnhof Belaja Kalitwa ein. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden war der Zug bereits im Bahnhof entgleist und hatte Feuer gefangen, das nach Zeugenaussagen von einer Explosion der Tanks begleitet wurde. Die Explosion war so stark, dass die Fenster in den umliegenden Häusern herausflogen und die Wand eines Hauses im sechsten Stockwerk schwer beschädigt wurde.“

kommersant.ru

Belaja Kalitwa ist eine russische Stadt in der Region Rostow.

Fazit

Das Video zeigt einen Unfall eines Güterzugs, der am 9. Mai 2013 in Rostow, Russland, entgleiste. Er fing Feuer, einige Tanks explodierten.

Auch die Ortsangabe ist falsch, der Unfall passierte nicht in Lemberg in der Ukraine, sondern im russischen Rostow.
Die Bilder im Video haben also nichts mit dem Ukraine-Krieg zu tun, sie zeigen keinen Angriff russischer Streitkräfte auf die ukrainische Bahn.

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Quelle: Reuters, kommersant.ru


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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