Atomendlager Obersalzberg – Eine gelungene Kunstperformance

Eine Infotafel mit dem Titel: „Bauabschnitt I: ‚Versetzung des Obersalzberges‘“ als Endlager für unseren produzierten Atommüll sorgt in manchen Social Media Profilen für große Entrüstung.

Autor: Elke Haberl

Die Behauptung

Der Obersalzberg, auf dem Adolf Hitler einen seiner Regierungssitze hatte, wird nun zum Atommüll-Endlager umfunktioniert. Die Infotafel mit dem Bauvorhaben zur „Versetzung des Obersalzberges“ informiert die Bevölkerung, dass für die Einlagerung ein Teil des Obersalzberges versetzt werden müsse.

Unser Fazit

Die Infotafel stammt von einem Künstlerkollektiv, die diese für ihr Projekt „ELECTRIC MOUNTAIN OBERSALZBERG“ aufgestellt haben. Bei dieser Kunstperformance konnten alle Beteiligten mithelfen, am Nazi-Pilgerort ein „fiktives“ Atommüll-Endlager zu bauen. Die Suche nach dem tatsächlichen Ort für das Endlager ist noch nicht abgeschlossen und geht demnach weiter.

Besonders das rechtsextreme Milieu wäre von dieser Idee weniger begeistert, da doch auf dem Obersalzberg Adolf Hitler seinen zweiten Wohn- und Regierungssitz hatte, und dieser Ort mittlerweile als Pilgerstätte von Neonazis fungiert. Solch einen Ort als Endlager umzufunktionieren, wäre generell eine sehr gute Idee, doch die Infotafel kristallisierte sich „nur“ als Kunstprojekt heraus.

Schöne Natur trifft auf NS-Geschichte

Gelegen im schönen Berchtesgaden, an der Deutsch-Österreichischen Grenze, fungierte dieser Ort bereits ab den 20er Jahren für Adolf Hitler als Urlaubsdomizil.

Mit Hitlers Machtergreifung wurde dieses Urlaubsdomizil neben Berlin zum zweiten Regierungssitz ausgebaut und zum sogenannten „Führersperrgebiet“. Er wurde zu Hitlers Hausberg, an dem Entscheidungen über Völkermord und Krieg gefällt wurde. Diese Tatsache zieht auch immer wieder Neonazis an, die den Berg als Pilgerstätte besuchen.

Das Museum am Berg klärt auf

Auf dem Berg befindet sich das Museum „Dokumentation Obersalzberg“. Dieses Museum ist mit ihrer Dauerausstellung ein Bildungsangebot zur „Sensibilisierung und Aufarbeitung der NS-Vergangenheit“. (Quelle)

Im Augenblick wird es umgebaut und wird aufgrund von Lieferengpässen von Baumaterialien erst verspätet – voraussichtlich im Frühjahr 2023 – wieder eröffnet. Diese Umbauarbeiten haben sich perfekt in das Konzept eines Kunstprojekts einfügen lassen, welches von einem Künstlerkollektiv am 8. und 9. Oktober 2022 realisiert wurde. 

Das Kunstprojekt „ELECTRIC MOUNTAIN OBERSALZBERG“

Im Rahmen dieses Projektes wurde am Gelände des ehemaligen sogenannten „Berghofs“, Hintereck, 83471 Berchtesgaden eine Infotafel aufgestellt. Dort wird vom Bauvorhaben, nämlich der „Versetzung des Obersalzberges“ berichtet. Dieses Gelände, so die Infotafel, wurde „zum geeigneten (Atommüll-)Endlager auserkoren“. Es müsse lediglich als Vorbereitung der Einlagerungsarbeiten zur Abdichtung ein Stück des Berges versetzt werden. (Quelle)

In dieser Kunstperformance konnten alle Beteiligten, Künstler:innen als auch Zuschauer:innen dieses Vorhaben vorantreiben, in dem sie in Warnwesten einen symbolischen Berg aus Erde mit Schaufeln und Schubkarren abtrugen. Dieses Kunstprojekt war eine wunderbare Gelegenheit, den Ort mit positiven Absichten zu besuchen. 

Empörte Reaktionen auf Social Media

Da das Museum und die Bunker am Obersalzberg derzeit tatsächlich aufgrund der oben genannten Umbauarbeiten gesperrt sind, wurde die Infotafel des Kunstprojekts unreflektiert und nicht recherchiert von so manchem als reales Projekt der Bundesregierung hingenommen, empört kommentiert und weiterverbreitet.

Und was ist mit dem realen Atommüll-Endlager?

Die Suche geht weiter …

Fazit

Nein, der Obersalzberg wurde nicht zum Atommüll-Endlager auserkoren.

Die Infotafel, die wohl manche Nutzer für echt erachteten, stammt von einem Künstlerkollektiv, die diese für ihr Projekt „ELECTRIC MOUNTAIN OBERSALZBERG“ aufgestellt haben. Bei dieser Kunstperformance konnten alle Beteiligten mithelfen, am Nazi-Pilgerort ein „fiktives“ Atommüll-Endlager zu bauen.

Autorin: Elke Haberl, Mimikama

Quelle:

berchtesgaden.de, PATHOS München e.V.
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