Woher kommt das Gerücht?

In Polen, wo im Oktober 2023 Parlamentswahlen anstehen, wurde die unbegründete Behauptung eines geplanten EU-Verbots von Toilettenpapier populär. Insbesondere in einem Beitrag des polnischen Senders TVP3 Opole vom 16. August 2023 wurde behauptet, dass die EU vorhabe, die Verwendung von Toilettenpapier zu verbieten und durch ein Strohprodukt zu ersetzen.

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Screenshot des Facebook-Beitrages von TVP3 Opole

Was sagt die EU zum Toilettenpapier?

Ein Sprecher der Europäischen Kommission hat gegenüber AFP bestätigt, dass „die EU keine Absicht hat, Toilettenpapier zu verbieten.“ Es gibt zwar Toilettenpapier aus Stroh auf dem Markt, aber von einer Verpflichtung oder einem Verbot anderer Arten ist keine Rede.

Wie wurde die Falschinformation verbreitet?

Es scheint, dass die Wurzel der Fehlinformation ein scherzhafter Artikel des rumänischen Medienunternehmens Mediafax ist, der am 1. April 2023 veröffentlicht wurde. Im weiteren Verlauf wurde diese Nachricht ohne Überprüfung und aus dem Kontext gerissen in polnischen und anderen Medienberichten verbreitet. Auch die Polnische Presseagentur (PAP) verbreitete eine Nachricht, die sich auf einen Artikel der spanischen Zeitung „El Economista“ bezog, der selbst keinen Verfasserangaben und wenig Kontext enthielt.

Die wirklichen EU-Pläne bezüglich Papier

Die EU hat in der Tat Maßnahmen ergriffen, um nachhaltige Papierproduktion zu fördern. Die Europäische Investitionsbank unterstützte z.B. ein Unternehmen, das umweltfreundlicheres Toilettenpapier aus Stroh produziert. Dies ist jedoch nur ein Beispiel für viele Projekte im Bereich der Kreislaufwirtschaft, die von der EU gefördert werden.

Fazit

Die Falschinformation über ein angebliches EU-Verbot von Toilettenpapier diente politischen Diskursen und wurde ohne eine solide Grundlage verbreitet. Es ist wichtig, Quellen kritisch zu hinterfragen und sich umfassend zu informieren, bevor man solche Behauptungen als wahr akzeptiert.


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Quelle:

AFP

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