Stinger-Raketen: Video mit falscher Tonspur

Angeblich habe die Polizei in Bremen einen Ukrainer festgenommen, der eine Stinger-Rakete im Besitz hatte, welche zuvor von Deutschland an die Ukraine geliefert wurde. Doch die Tonspur des Videos ist gefälscht.

Autor: Ralf Nowotny

Die Behauptung

Angeblich habe die Polizei in Bremen einen Ukrainer festgenommen, der eine Stinger-Rakete im Besitz hatte, welche zuvor von Deutschland an die Ukraine geliefert wurde.

Unser Fazit

Die Tonspur des Videos stammt aus einem anderen Video, der Polizei liegen auch keine Berichte vor, wonach Ukrainer in Deutschland mit vorher in die Ukraine gelieferten Waffen festgenommen wurden.

Der Krieg in der Ukraine dauert schon seit Monaten an. Auch Deutschland liefert militärische Unterstützung und hat laut der Bundesregierung bereits 500 Boden-Luft-Raketen vom Typ „Stinger“ in die Ukraine geliefert. Doch nun verbreiten russische Offizielle und Nutzer von sozialen Medien vermeintlich glaubhafte Informationen über ukrainischen Waffenhandel in der deutschen Stadt Bremen.

Flugabwehrraketen vom Typ „Stinger“

Demnach habe die Bremer Polizei Ukrainer festgenommen, welche mit Flugabwehrraketen vom Typ „Stinger“ gehandelt hätten. Angeblich handele es sich dabei um dieselben Raketen, die zuvor aus Europa in die Ukraine geliefert worden sind. In ähnlichen Meldungen heißt es außerdem, dass die Waffen in einem Online-Shop angeboten worden sind und Journalisten herausgefunden hätten, dass Stinger-Raketen ursprünglich für die ukrainische Gegenoffensive in der Region Charkiw bestimmt waren, dann aber auf dem Schwarzmarkt gelandet sind. Mit den Meldungen in den sozialen Medien wird auch immer wieder ein Video verbreitet, das einen Beleg für die Behauptung darstellen soll.

Screenshot aus dem 7 Sekunden langen Video (Flugabwehrraketen vom Typ „Stinger“)
Screenshot aus dem 7 Sekunden langen Video (Quelle)

In dem 7 Sekunden langen Video ist eine auf dem Boden liegende Stinger-Rakete zu sehen, aus dem Off sagt jemand „Nehmen Sie mal das Handy runter, sowas müssen Sie nicht filmen“. Auf Social Media wird exakt dieses Video häufig geteilt.

Das Video wird geteilt
Das Video wird geteilt

Polizei Bremen spricht von einer Falschmeldung – keine Medienberichte existent

Die Bremer Polizei hält die Echtheit des Videos für äußerst fragwürdig und dementiert, dass sich ein Einsatz, wie im Video zu sehen, ereignet habe. „Es handelt sich hierbei um eine Falschmeldung. Die Polizei Bremen hat mit diesem Video nichts zu tun und hat auch keine Ukrainer festgenommen, die mit Waffen handelten“, so konnte man bereits früh auf dem Polizeieigenen Twitter-Account lesen.

Vermutlich, weil die vermeintliche Nachricht auch auf Englisch und in Kanälen russischer Putin-Anhänger kursiert, hatten die Beamten sie schon am Samstag (17.09.2022) auf Englisch als »fake« bezeichnet. Die Verbreitung konnten sie damit aber nicht eindämmen.

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet weiter, dass einige Social Media Posts, die den Waffenhandel als echt darzustellen versuchen, Bezug auf Berichte nehmen, die in Verbindung mit der vermeintlichen Festnahme veröffentlicht worden seien. Jedoch sind solche Berichte nirgends auffindbar, obwohl man bei diesem außergewöhnlichen Fall schon erwarten würde, dass viele Medien bereits darüber informiert hätten.

Video mit falscher Tonspur hinterlegt

Laut der Polizei wurde über das Video, dessen Herkunft unklar, ist eine falsche Tonspur gelegt. Darauf hört man eine Stimme sagen: „Nehmen sie mal das Handy runter, so etwas müssen sie nicht filmen.“ Diese Audiospur stamme ursprünglich von einem älteren Video, welches bereits im Januar 2022 auf YouTube veröffentlicht wurde und Polizisten bei einem Einsatz im thüringischen Greiz zeigt.

Ab Sekunde 12 ist die Tonspur zu hören, die in dem obigen Video verwendet wird:

Auch russische Nachrichten verbreiten die Falschmeldung

Das Fake-Video wurde auch von russischen Offiziellen auf Twitter weiterverbreitet. Russlands stellvertretender UN-Botschafter Dmitri Poljanski kommentierte das kursierende Video auf Twitter mit den Worten, man habe die „westlichen Ex-Partner vor einer solchen Bedrohung für die eigene Bevölkerung“ gewarnt. Sie seien jedoch von Russophobie geblendet. Auf Kommentare, dass die vermeintliche Meldung von offizieller Stelle dementiert sei, ging der stellvertretende Botschafter nicht ein. Die falsche Nachricht scheint zu gut in das Kreml-Narrativ der vermeintlich gefährlichen westlichen Waffenlieferungen zu passen.

Quelle: dpa

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Autor: Nick L.

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