„GACHIP Chip“ für Kinder und Mikrochip-Mythen: Faktencheck und TikTok-Analyse

Dieser Faktencheck entkräftet Mythen rund um ‚GACHIP Chip‘, Mel Gibson und den EU Digital Services Act, indem er aufzeigt, dass keine Mikrochips in Kinder implantiert werden und Fehldarstellungen korrigiert!

Autor: Tom Wannenmacher

Dieser Faktencheck soll Fehlinformationen und Ängste im Zusammenhang mit Programmen wie „GACHIP Chip“ aufdecken, die fälschlicherweise behaupten, Mikrochips in Kinder zu implantieren. In Wirklichkeit sammeln diese Programme umfangreiche Informationen und biometrische Daten, um bei der Suche nach vermissten Kindern zu helfen, ohne jedoch Mikrochips zu implantieren. Weitere Missverständnisse, wie die angebliche Rolle von Mel Gibson bei der Produktion des Films „Sound of Freedom“ und die falsche Darstellung des EU Digital Services Act als repressives Instrument, werden ebenfalls thematisiert und widerlegt.


Wir verstehen, dass das Informationszeitalter oft mehr Fragen als Antworten hervorbringt, und das Übermaß an verfügbaren Daten zuweilen beängstigend und überwältigend sein kann. Gerüchte und Fehlinformationen können sich leicht verbreiten und Besorgnis erzeugen, insbesondere wenn es um das Wohl unserer Kinder geht. Bei MIMIKAMA nehmen wir solche Bedenken sehr ernst und unser Ziel ist es, Ihnen genaue und verlässliche Informationen zu liefern, um Ihnen dabei zu helfen, informierte Entscheidungen zu treffen. Wir möchten Sie dazu ermutigen, die in diesem Artikel präsentierten Fakten und Beweise selbst zu überprüfen. Schauen Sie sich die offiziellen Websites der genannten Programme an, lesen Sie die Aussagen von Behörden und Experten und nutzen Sie unabhängige Informationsquellen, um Ihre eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen. Es ist uns wichtig, dass Sie wissen, dass wir hier sind, um Sie zu unterstützen und Ihnen dabei zu helfen, durch die komplexe Welt der digitalen Informationen zu navigieren. Wir verstehen Ihre Sorgen und teilen Ihr Engagement für die Sicherheit unserer Kinder. Daher bitten wir Sie, die in diesem Artikel vorgestellten Fakten selbst zu prüfen!


In der Welt der sozialen Medien können sich Fehlinformationen blitzschnell verbreiten und oft ein hohes Maß an Besorgnis und Unsicherheit auslösen. Ein Beispiel dafür ist die Behauptung auf Facebook und TikTok, dass Kinderidentifikationsprogramme Mikrochips in Kinder implantieren.

Aktuell macht ein Video über TikTok die Runde, von einer Frau, die in ihrem Video über verschiedene Themen, die auf den ersten Blick alarmierend wirken könnten, spricht!

Einer der Hauptpunkte ihres Videos ist die Erwähnung des Films „Sound of Freedom„, einer auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte über den Kampf gegen den Kinderhandel. Sie stellt eine Verbindung zwischen diesem Film und einem hypothetischen „GACHIP Chip“-Programm her, das angeblich von der Regierung eingeführt werden soll, um Kinder besser zu schützen. Dieses „GACHIP Chip“-Programm soll, so die Referentin, persönliche Daten und biometrische Informationen von Kindern sammeln und in einer zentralen Datenbank speichern.

Die Moderatorin erwähnt auch, dass Mel Gibson den Film „Sound of Freedom“ herausgebracht hat. Diese Behauptung ist jedoch falsch. Mel Gibson war weder an der Produktion noch an der Veröffentlichung des Films direkt beteiligt. Gibson, ein bekannter Schauspieler und Regisseur, hat sich lediglich in verschiedenen sozialen Medien und Interviews zu dem Film geäußert, um für ihn zu werben. Seine Beteiligung beschränkte sich auf diese Unterstützung und nicht auf eine formelle Rolle bei der Produktion oder Veröffentlichung des Films.


Das Georgia Child Identification Program (GACHIP) ist eine Initiative, die von den Freimaurerlogen in Georgia, USA, ins Leben gerufen wurde. Es handelt sich dabei um ein gemeinnütziges Programm, das Eltern hilft, ein Identifikationskit für ihre Kinder zu erstellen, für den Fall, dass diese vermisst werden sollten. Dies ist Teil einer breiteren Initiative, die als Masonic Child Identification Programs (CHIP) bekannt ist und von Freimaurerlogen in ganz Nordamerika unterstützt wird.

Das Identifikationskit enthält unter anderem Fotos des Kindes, digitale Fingerabdrücke, Informationen über auffällige Merkmale wie Narben oder Augenfarbe, Kontaktinformationen und eine DNA-Probe. Es ist wichtig zu betonen, dass das Programm nicht die Implantation von Mikrochips in Kinder beinhaltet, was ein häufiges Missverständnis und Gegenstand von Falschinformationen in sozialen Medien ist.

Das GACHIP-Programm und andere ähnliche Initiativen sind Beispiele dafür, wie die Freimaurer-Organisation ihre ethischen Prinzipien in die Praxis umsetzt, um das Wohl der Gemeinschaft zu fördern. Es zeigt ihre Bemühungen, einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten, in diesem Fall durch die Unterstützung von Maßnahmen zur Sicherheit und zum Schutz von Kindern.



„Sound of Freedom“, ein amerikanischer Film über den Kampf gegen Kinderhandel, war in den USA sowohl ein Kassenschlager als auch umstritten. Der Film, der auf einer wahren Geschichte basiert, wird von einigen Kritikern als Instrument zur Verbreitung der Ideen von QAnon gesehen. Während Bewertungsplattformen und Schauspieler wie Mel Gibson den Film loben, äußern renommierte Zeitungen wie „The Guardian“ und „Rolling Stone“ Bedenken, dass der Film zur Förderung der QAnon-Verschwörungstheorie missbraucht werden könnte.

Trotz mangelnder Unterstützung durch große Verleiher wie Netflix oder Amazon wurde der Film durch virale Beiträge in den sozialen Medien und Guerilla-Marketing bekannt. Das Narrativ, der Film sei von „Eliten“ oder „Megakonzernen“ unterdrückt worden, führte zu einer Welle der Unterstützung und zur Verbreitung von Verschwörungstheorien in den sozialen Medien.

Der Film, der nur 14,5 Millionen Dollar gekostet hat und in den USA in der ersten Woche bereits über 41 Millionen Dollar eingespielt hat, hat die Spannungen rund um das Thema Kinderhandel weiter verschärft. Die Marketingstrategie und die Kommunikation rund um den Film stehen in der Kritik, da sie in die Nähe von QAnon und ähnlichen Verschwörungstheorien gerückt werden. Der europäische Kinostart ist noch ungewiss.


In dem Video äußerte die Sprecherin auch ihre Besorgnis über die bevorstehende Umsetzung des Digital Services Act (DSA) der Europäischen Union. Sie behauptete, dass ab dem 25. August 2023 eine „massive Zensur“ von Social-Media-Kanälen stattfinden würde, die die Verbreitung bestimmter Inhalte verhindern könnte, und äußerte sogar die Befürchtung, dass ihre Kanäle gesperrt werden könnten.

Diese Darstellung ist jedoch irreführend und nicht korrekt. Das DSA tritt nicht zu diesem Zeitpunkt in Kraft und zielt keinesfalls auf eine Einschränkung der Meinungsfreiheit ab. Vielmehr soll das Gesetz die Transparenz und Verantwortlichkeit im digitalen Raum erhöhen, indem es klare Regeln für Online-Plattformen und -Dienste aufstellt. Nutzer und Anbieter von Inhalten sollen so die Gewissheit haben, dass ihre Rechte respektiert und geschützt werden, anstatt sich Sorgen über eine vermeintliche Zensur zu machen.

Die Analyse und der Faktencheck zeigen, dass es keine glaubwürdigen oder verlässlichen Beweise für die Existenz eines solchen „GACHIP-Chip-Programms“ gibt und dass die Verbindung zwischen diesem und dem Film „Sound of Freedom“ unklar ist und auf unbewiesenen Behauptungen beruht.

Der ursprüngliche Post und die GACHIP-Realität

Die Behauptung entstand ursprünglich auf Facebook, in einem Post, der eine Nahaufnahme eines Prospekts für das GACHIP-Programm (Georgia Child Identification Project) zeigt. Der Post behauptet, dass das Programm Mikrochips in Kinder einsetzt – eine Behauptung, die sich bei genauerer Betrachtung als falsch herausstellt. GACHIP und ähnliche Programme implantieren keine Mikrochips in Kinder.

Screenshot: Prospekt für das GACHIP-Programm (Georgia Child Identification Project)
Screenshot: Prospekt für das GACHIP-Programm (Georgia Child Identification Project)

Stattdessen stellen sie den Eltern ein Paket mit Fotos, einem Videointerview und forensischen Beweisen zur Verfügung, die von der Polizei verwendet werden können, wenn ein Kind als vermisst gemeldet wird.

Das TikTok-Video und seine Aussagen

Ein TikTok-Video scheint diese falsche Behauptung weiterzuverbreiten. In dem Video behauptet die Sprecherin, dass Kinder mit einem Programm namens „GACHIP Chip“ gechippt werden. Sie erklärt, dass Eltern sich für dieses kostenlose Paket registrieren können, das umfassende Informationen und biometrische Daten über ihr Kind enthält, darunter Fotos, Fingerabdrücke, Gerüche, DNA und sogar Zahnabdrücke. Diese Daten würden in einer großen Datenbank gespeichert.

Die Website für TNCHIP, die Tennessee-Version des Programms, enthält eine Seite mit häufig gestellten Fragen, die die Frage beantwortet: „Werden in mein Kind ‚Mikrochips‘ implantiert?“ „Absolut NICHT!“ lautet die Antwort. „TNCHIP verwendet keine Mikrochips oder andere invasive Verfahren.“

Die Website für TNCHIP, die Tennessee-Version des Programms, enthält eine Seite mit häufig gestellten Fragen, die die Frage beantwortet: "Werden in mein Kind 'Mikrochips' implantiert?" "Absolut NICHT!" lautet die Antwort. "TNCHIP verwendet keine Mikrochips oder andere invasive Verfahren."
Screenshot: TNCHIP-Website

Ähnlich hat das Programm in Missouri, genannt MoCHIP, einen Abschnitt auf seiner Website, der Missverständnisse ausräumt. Dort steht: „Wir verwenden keine Mikrochips oder andere invasive ‚Chips‘.“

MIMIKAMA
Screenshot: MoCHIP-Website

Der Faktencheck in kompakter Form:

BehauptungenFaktencheck
Kinderidentifikationsprogramme wie „GACHIP Chip“ implantieren Mikrochips in Kinder.Falsch. Diese Programme sammeln umfangreiche Informationen und biometrische Daten, implantieren aber keine Mikrochips.
Mel Gibson hat den Film „Sound of Freedom“ herausgebracht.Falsch. Mel Gibson hatte keine direkte Rolle in der Produktion oder Veröffentlichung des Films.
Der Digital Services Act (DSA) der Europäischen Union tritt am 25. August 2023 in Kraft und führt zu massiver Zensur.Falsch. Das Inkrafttreten des DSA ist nicht am genannten Datum und das Gesetz zielt nicht auf die Einschränkung der Meinungsfreiheit ab. In Wirklichkeit ist das Gesetz bereits am 16. November 2022 in Kraft getreten und gilt in allen EU-Ländern ab dem 17. Februar 2024.
Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Film „Sound of Freedom“ und dem hypothetischen „GACHIP Chip“-Programm.Falsch. Die von der Sprecherin vorgebrachte Verbindung zwischen dem Film „Sound of Freedom“ und dem vermeintlichen „GACHIP Chip“-Programm ist irreführend und unbegründet.
Es existiert ein „GACHIP Chip“-Programm, das persönliche Daten und biometrische Informationen von Kindern sammelt und in einer zentralen Datenbank speichert.Falsch. Es gibt keine glaubwürdigen oder verlässlichen Beweise für das Bestehen eines solchen „GACHIP Chip“-Programms, und der Zusammenhang zwischen diesem und dem Film „Sound of Freedom“ ist unklar und basiert auf unbewiesenen Behauptungen.
Der Film „Sound of Freedom“ wurde durch „Eliten“ oder „Megaunternehmen“ unterdrückt.Falsch. Es handelt sich um ein Narrativ, das durch virale Social-Media-Beiträge und Guerilla-Marketing verbreitet wurde.
Programme wie GACHIP speichern die gesammelten Daten in einer großen Datenbank.Falsch. In Wirklichkeit werden die gesammelten Informationen an die Eltern zurückgegeben und nicht in einer zentralen Datenbank gespeichert.
Die Programme TNCHIP und MoCHIPP implantieren Mikrochips in Kinder.Falsch. Laut den offiziellen Websites dieser Programme werden keine Mikrochips oder andere invasive Verfahren verwendet.

Fazit: Obwohl soziale Medien dazu genutzt werden können, Fehlinformationen schnell zu verbreiten und Ängste zu schüren, ist es wichtig, wachsam zu bleiben und die Fakten zu überprüfen. In diesem Fall wurden Ängste geschürt, dass Programme wie „GACHIP Chip“ Kindern Mikrochips implantieren würden, was sich als völlig falsch herausstellte. Diese Programme sammeln zwar umfangreiche Informationen und biometrische Daten, um die Suche nach vermissten Kindern zu erleichtern, implantieren aber keine Mikrochips. Auch andere Behauptungen, wie die Rolle von Mel Gibson im Film „Sound of Freedom“ oder die Auswirkungen des Digital Services Act (DSA) der EU, waren falsch. Es ist wichtig, dass wir die Fakten überprüfen, bevor wir Informationen weitergeben, um Fehlinformationen zu minimieren und die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Kinder zu gewährleisten.

Neben uns kommen auch Reuters, Lead Stories und USA-Today zu demselben Rechercheergebnis wie wir.

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