Bei der Klage von Getty Images, eine der größten und bekanntesten Bildagenturen, geht es um grundsätzliche Fragen, die die neuen leistungsstarken lernenden künstlichen Intelligenzen aufwerfen.

Bild-KI: Kreative Leistung oder plumpe Kopie?

Die Wellen schlagen bei den Künstlern derzeit hoch. Es geht um Urheberrechte und Diebstahl geistigen Eigentums. Künstliche Intelligenzen sind lernende Entitäten. Sie nehmen vorhandenes Material aus den Weiten des Internets, um gemäß ihren Algorithmen etwas Neues daraus zu schaffen.

Doch wie ist eigentlich die Rechtslage? Müssen es z.B. Bildagenturen wie Getty Images hinnehmen, dass ihre Datenbanken mit Millionen Bildern als Trainingslager für kommerzielle KI genutzt werden? Dürfen die Unternehmen, die hinter solchen KI stehen, damit Geld verdienen, ohne die kreativen Köpfe, die das „Trainingsmaterial“ geschaffen haben, die Künstler, entsprechend finanziell zu kompensieren?

Das Statement von Getty Images

In einem kurzen Presse-Statement hat Getty Images die Öffentlichkeit darüber informiert, dass man ein Gerichtsverfahren gegen Stabilty AI eingeleitet habe. Man habe sich zu diesem Schritt entschlossen, da es um den Diebstahl von geistigem Eigentum und die Verletzung von Urheberrechten gehe. Es seien Millionen von Bilddateien samt ihrer Metadaten gestohlen worden, die geistiges Eigentum von Getty Images seien oder durch die Bildagentur vertreten würden.

„Diese Woche hat Getty Images vor dem High Court of Justice in London ein Verfahren gegen Stability AI eingeleitet, in dem behauptet wird, dass Stability AI geistige Eigentumsrechte verletzt hat, einschließlich des Urheberrechts an Inhalten, die Getty Images gehören oder von ihr vertreten werden. Getty Images vertritt den Standpunkt, dass Stability AI Millionen von urheberrechtlich geschützten Bildern und die dazugehörigen Metadaten, die Getty Images gehören oder von Getty Images vertreten werden, unrechtmäßig kopiert und verarbeitet hat, ohne eine Lizenz zu besitzen, um die kommerziellen Interessen von Stability AI zu fördern und die Urheber der Inhalte zu benachteiligen.

Getty Images ist davon überzeugt, dass künstliche Intelligenz das Potenzial hat, kreative Bestrebungen zu fördern. Dementsprechend hat Getty Images führenden Technologieinnovatoren Lizenzen für die Ausbildung von Systemen der künstlichen Intelligenz in einer Weise zur Verfügung gestellt, die die persönlichen und geistigen Eigentumsrechte respektiert. Stability AI hat sich nicht um eine solche Lizenz von Getty Images bemüht und stattdessen, so glauben wir, beschlossen, praktikable Lizenzierungsoptionen und langjährigen Rechtsschutz zu ignorieren, um ihre eigenständigen kommerziellen Interessen zu verfolgen.“

Getty Images (übersetzt mit Deepl)

KI werden ausdrücklich begrüßt

Die Agentur erklärt, dass sie neue Technologien grundsätzlich unterstütze, da dadurch auch die Kreativität gefördert würde. Man habe dazu auch an sogenannte Technikinnovatoren Lizenzen vergeben, die die Schaffung lernender Systeme erlaube, aber ohne persönliche und geistige Eigentumsrechte zu verletzen. Das nunmehr beklagte Unternehmen Stability AI habe sich jedoch nicht um eine solche Lizenzierung bemüht, sondern bewusst Rechte verletzt, um sein KI-Projekt zu kommerzialisieren.

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Es wird deutlich, dass es nicht um ein generelles Verbot der Nutzung von Agenturbildern geht, sondern darum, die Urheber- und Eigentumsrechte zu schützen und so beiden Seiten gerecht zu werden. Der Vorwurf der schlichten Kopie, die zu kompensieren wäre, wird erhärtet durch KI-generierte Bilder, die das Getty-Wasserzeichen tragen. Das Wasserzeichen zeigt an, dass es sich nicht um einen autorisierten Download handelt. Offenbar hat die KI das Wasserzeichen „mitgelernt“.

Bereits Sammelklage in USA

Getty Images zielt damit in eine ähnliche Richtung wie eine Sammelklage, die seit einigen Tagen in den USA anhängig ist. Hier klagt nicht eine Agentur, sondern die betroffenen Künstler wegen Urheberrechtsverletzungen gegen verschiedene KI-Unternehmen, darunter auch Stability AI sowie Midjourney und Deviant Art, eine Kunstplattform.

Der Vorwurf lautet – ähnlich wie bei der Getty-Klage -, dass die KI namens Stable Diffusion von Stability AI, ein Deep-Learning-Text-zu-Bild-Generator, laut Klageschrift „Kopien von Milliarden urheberrechtlich geschützten Bildern ohne Erlaubnis heruntergeladen oder anderweitig bezogen habe, um Stable Diffusion zu erstellen“.

Die Kläger argumentieren, dass die KI Kunstwerke der Kläger in die KI integriert habe, ohne die Künstler finanziell zu kompensieren. Darüber hinaus könnten sogar Bilder im Stil eines bestimmten Künstlers beauftragt werden. Das sei besonders verwerflich.

Quelle:

Der Standard, Getty Images

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