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Hacker fordert die Überweisung von Bitcoins

Sie haben ein E-Mail von einem Hacker bekommen? Er schreibt, dass er Ihren Computer gehackt hat und Sie beim Masturbieren gefilmt hat? Er droht damit, das Video zu verbreiten, wenn Sie keine Bitcoins überweisen?

Claudia Spiess,

Im E-Mail wird sogar eines Ihrer Passwörter genannt? Machen Sie sich keine Sorgen! Dieses E-Mail ist Fake. Lassen Sie sich nicht erpressen und überweisen Sie keinesfalls Bitcoins, warnt unser Kooperationspartner Watchlist Internet. Ändern Sie aber umgehend Ihr Passwort!

Wenn Sie ein Hacker kontaktiert

Besorgte Watchlist Internet-Leser:innen melden uns momentan E-Mails von einem Hacker. Der vermeintliche Hacker schreibt im E-Mail, dass er Ihren Computer mit Schadsoftware infiziert hat und Sie nun schon seit einiger Zeit beobachtet. Er hätte Sie beim Schauen von Pornos und Masturbieren erwischt. Das hat der Hacker angeblich mit Ihrer Webcam gefilmt. Er droht damit, dieses Video an all Ihre Kontakte weiterzuleiten, wenn Sie keine Bitcoins überweisen. Als „Beweis“, dass der Hacker Zugriff auf Ihren Computer hat, nennt er im E-Mail eines Ihrer Passwörter. Manchmal wird das E-Mail sogar von der eigenen E-Mail-Adresse an Sie selbst gesendet – zumindest scheint es so. Dafür gibt es aber eine einfache Erklärung. Dazu später mehr.

Diese Erpressungs-E-Mails werden im Moment vollkommen willkürlich an zahlreiche E-Mail-Adressen versendet. Vielleicht haben Sie es auch auf Englisch erhalten, es existiert nämlich in unterschiedlichen Varianten. Im Folgenden zwei Beispiele:

Beispiel 1:

Betrügerisches Erpressungsmail / Screenshot Watchlist Internet
Betrügerisches Erpressungsmail / Screenshot Watchlist Internet

Beispiel 2:

Hallo!
Wie Sie vielleicht bemerkt haben, habe ich Ihnen eine E-Mail von Ihrem Konto gesendet. Das bedeutet, dass ich vollen Zugriff auf Ihr Konto habe.
Ich beobachte dich jetzt seit ein paar Monaten.
Tatsache ist, dass Sie über eine von Ihnen besuchte Website für Erwachsene mit njrat infiziert wurden.
Wenn Sie damit nicht vertraut sind, erkläre ich es Ihnen.
Njrat gibt mir vollen Zugriff und Kontrolle über Ihr Gerät.
Das heißt, ich kann alles auf Ihrem Bildschirm sehen, Kamera und Mikrofon einschalten, aber Sie wissen nichts davon.
Ich habe auch Zugriff auf alle Ihre Kontakte und Ihre gesamte Korrespondenz.
Ich habe ein Video gemacht, das zeigt, wie Sie sich in der linken Hälfte des Bildschirms befriedigen, und in der rechten Hälfte sehen Sie das Video, das Sie sich angesehen haben.
Mit einem Mausklick kann ich dieses Video an alle Ihre E-Mails und Kontakte in sozialen Netzwerken senden.
Ich kann auch den Zugriff auf alle Ihre E-Mail-Korrespondenz und Messenger, die Sie verwenden, posten.
Wenn Sie dies verhindern möchten,
den Betrag von 1200 USD an meine Bitcoin-Adresse überweisen (wenn Sie nicht wissen, wie das geht, schreiben Sie an Google: „Bitcoin kaufen“).

Meine Bitcoin-Adresse (BTC Wallet) lautet: 1PC8xLnirc4rXnjCHEjhspUSquAMgtDRo

Nach Erhalt der Zahlung werde ich das Video löschen und Sie werden mich nie wieder hören. Ich gebe Ihnen 48 Stunden Zeit, um zu bezahlen.
Ich habe eine Benachrichtigung, die diesen Brief liest, und der Timer wird funktionieren, wenn Sie diesen Brief sehen.
Irgendwo eine Beschwerde einzureichen, macht keinen Sinn, da diese E-Mail nicht wie meine Bitcoin-Adresse verfolgt werden kann. Ich mache keine Fehler.
Wenn ich feststelle, dass Sie diese Nachricht mit jemand anderem geteilt haben, wird das Video sofort verbreitet.
Mit freundlichen Grüßen!

Warum hat der Hacker mein Passwort?

Ihr Passwort war wahrscheinlich schon zuvor im Internet bekannt. Das kommt daher, dass es bei Unternehmen immer wieder Datenlecks gibt. Diese Sicherheitsprobleme ermöglichen Kriminellen den Zugriff auf E-Mail-Adressen, Passwörter und dort gespeicherte Daten. Diese werden dann im Internet veröffentlicht und für Betrugsmaschen missbraucht. Der Hacker hat also nicht Ihren Computer infiziert und Ihre Klicks verfolgt!

E-Mail an mich selbst – wie geht das?

Der Hacker vermittelt den Eindruck, dass er das Erpressungsmail von Ihrem E-Mail-Konto aus versendet hat. Dem ist aber nicht so. Der E-Mail-Kopf wurde manipuliert. Das können Sie sogar ganz einfach selbst überprüfen. Checken Sie in Ihrem E-Mail-Programm den „Gesendet Ordner“! Sie werden dieses E-Mail mit Sicherheit nicht finden. Dennoch: Schützen Sie Ihre Konten. Im nächsten Abschnitt erfahren Sie, wie das geht.

Konten schützen

Wird im E-Mail Ihr korrektes Passwort genannt, sollten Sie umgehend handeln.

  • Überprüfen Sie alle Konten mit diesem Passwort und ändern Sie es.
  • Vergeben Sie gute Passwörter und legen Sie für jedes Konto ein eigenes Passwort fest.
  • Richten Sie, wenn möglich, eine Zwei-Faktor-Authentifizierung ein.
  • Aktualisieren Sie Ihr Betriebssystem und nehmen Sie einen Virenscan vor. Das sollten Sie ohnehin regelmäßig machen.
  • Ihre Konten sind nicht mehr zugänglich? Kontaktieren Sie die Seitenbetreiber:innen. Meistens gibt es für gehackte Konten eine eigene Meldestelle oder Kontaktadresse. Holen Sie sich bei Bedarf kostenlose Hilfe z.B. bei der Internet Ombudsstelle.

So erkennen Sie betrügerische E-Mails

  • Anrede: Sie werden nur mit einem Hallo oder Ihrer E-Mail-Adresse angesprochen? Dann handelt es sich wahrscheinlich um Fake, denn betrügerische E-Mails werden massenhaft und automatisiert an tausende E-Mail-Adressen versendet.
  • Falsche Anschuldigungen: Stimmen die Anschuldigungen? Wäre es möglich Sie zu filmen? Haben Sie überhaupt eine Webcam? Hinterfragen Sie komische E-Mails genau!
  • Fehlende Beweise: Wenn es das besagte Material tatsächlich gäbe, würden es die Erpresser:innen höchstwahrscheinlich als Beweis mitsenden.

Beratung & Hilfe

Für konkrete Beratungsanfragen wenden Sie sich bitte an die entsprechenden Stellen, die Watchlist Internet auf der Seite „Beratung & Hilfe“ für Sie aufgelistet hat.

Quelle: Watchlist Internet

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