„Handy-Viren greifen Akku an?“ Nicht antippen!

Was hinter angeblichen Virenwarnungen auf Android-Smartphones steckt und wie man sie loswird.

Autor: Marina Dullnig

Beim Surfen im Web mit dem Android-Smartphone kommt plötzlich die Horror-Nachricht: Viren beschädigen das Handy – oder sogar den Akku! Du sollst ganz schnell auf einen Download-Button tippen, um noch mehr Schaden zu verhindern – bevor der angezeigte Countdown abgelaufen ist. STOP! Wenn du das machst, kommt tatsächlich erst der Schaden.

Was ist da eigentlich los?

Bei solchen Meldungen handelt es sich um Werbung. Sie wird angezeigt, während du im Internet surfst. Machst du andere Sachen auf deinem Phone, erscheinen sie nicht. In einigen Fällen vibriert das Handy sogar. Das ist mithilfe von Javascript möglich, aber letztlich auch nichts weiter als ein Effekt, um dich noch mehr zu verunsichern.

Die Warnungen sind oft in schlechtem Deutsch geschrieben. Manchmal haben sie Logos bekannter Firmen, wie etwa Google, um glaubwürdiger rüber zu kommen. Gerne wird auch angezeigt, welches Gerät du nutzt oder welches Betriebssystem. Das liegt daran, dass dein Browser diese Informationen automatisch an die Internetseite sendet.

Hinter der Scareware lauert der Schädling

Solche falschen Virenwarnungen werden Scareware genannt. Das Wort ist eine Kombination aus dem englischen „scare“ (erschrecken) und „Software“. Sie soll Angst machen und zu unüberlegten Handlungen bewegen. Die „Virenwarnung“ soll dich dazu bringen, eine neue App zu installieren. Die infiziert dann dein System, spioniert möglicherweise deine Daten aus, verschickt vielleicht teure Premium-SMS oder legt eventuell dein ganzes Handy lahm.

Die Macher dieser Werbung finden immer wieder Wege, ihre Botschaften auch in große Werbenetzwerke einzuschleusen, sodass sie auch auf seriösen Internetseiten erscheinen können. Auf diese Weise können zum Beispiel Abofallen lauern. Zwar steuern viele Netzanbieter hier schon gegen, aber trotzdem solltest du vorsichtshalber eine Drittanbietersperre für dein mobiles Internet einrichten lassen!

Das solltest du bei „Virenwarnungen“ machen

Wenn du so eine Nachricht siehst, bleib vor allem cool! Und dann:

  • Schließe die Browser-App.
  • Öffne die Einstellungen deines Smartphones.
  • Tippe auf den Punkt „Anwendungen“ (bei manchen Geräten heißt der auch „Anwendungsmanager“, „Apps“ oder ähnlich).
  • Suche deine Browser-App, mit der du ins Internet gehst und tippe drauf.
  • Tippe im Bereich „Speicher“ auf „Cache leeren“. Kommen danach trotzdem noch die lästigen Meldungen, wiederhole alle Schritte bis hierhin und tippe auf „Daten löschen“. Hinweis: Dadurch gehen bereits geöffnete Tabs und möglicherweise gespeicherte Formulardaten flöten.
  • Nutzt du verschiedene Browser, wiederhole das sicherheitshalber bei allen anderen.
  • Solche Anzeigen können auch von Apps ausgelöst werden. Überlege also, ob du vielleicht neue Apps installiert hast, bevor die Nachrichten erschienen sind und lösche sie wieder.

Sonderfall Facebook-App

Wie wir, Mimikama, berichteten, traten solche Meldungen einmal verstärkt in der Facebook-App auf. Um das einzudämmen, kannst du die App so einstellen, dass Links in einem anderen Browser geöffnet werden. Dazu tippst du in der Facebook-App auf die drei Balken rechts oben (wenn du Android nutzt), scrollst zu „Einstellungen und Datenschutz“ und öffnest das Aufklapp-Menü, tippst dann auf „Einstellungen“ und scrollst runter zu „Medien und Kontakte“. Die tippst du an und aktivierst „Links werden extern geöffnet“.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Und dann gibt’s da ja noch Virenschutz-Apps. Ob man sie braucht oder eher nicht, erörtern wir im Artikel über Smartphone-Virenschutz. Zudem verhindern Ad-Blocker, dass Werbung angezeigt wird. Dadurch drohen den Betreibern der Webseiten aber auch Einnahmeeinbußen und einige haben ihre Internetseiten für Nutzer mit Ad-Blockern gesperrt.

Wenn du Apps installierst, dann am besten nur aus den offiziellen Stores deiner Geräte-Hersteller und von deinen Betriebssystemen. Apple zum Beispiel lässt eh keine Installationen außer über den App Store zu – es sein denn, du manipulierst dein iPhone durch einen Jailbreak.

Bei Android kannst du in deinem Handy einstellen, dass Apps nur aus sicheren Quellen installiert werden dürfen. Dazu tippst du in Android 9 oder älter in den „Einstellungen“ auf „Gerätesicherheit“ (oder ähnliches). Bei „Unbekannte Quellen“ darf kein Haken gesetzt sein bzw. muss der Schieberegler auf „aus“ stehen.

Hast du Android 10 und neuer, gehst du in den Einstellungen auf „Sicherheit“ und anschließend auf „Unbekannte Apps installieren“. Darin kannst du für jede einzelne App festlegen, ob über sie neue Apps installiert werden dürfen. Sicherheitshalber sollten alle Regler hier auf aus stehen!

Seriöse Sicherheitshinweise

Die findest du zum Beispiel im Phishing-Radar der Verbraucherzentrale NRW.

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Quelle: checked4U

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