Faktencheck

Juden schlachten Kinder und verkaufen das Fleisch an McDonald’s? Skurriler wird es nicht mehr!

In einem Telefoninterview soll ein Rabbi freimütig erzählt haben, dass Juden schon seit Jahrtausenden Kinder schlachten und McDonald’s deren größter Kunde für das Fleisch sei. Doch so absolut gar nichts stimmt daran, weder die Behauptungen, noch das Interview.

Ralf Nowotny,

Die Behauptung

Angeblich bestätige ein Rabbi, dass Juden Kinder schlachten, deren Blut trinken und das Fleisch an McDonald’s verkaufen.

Unser Fazit

Die Behauptung beruht auf einem in allen Belangen gefälschten Interview eines extremen Antisemiten mit einem angeblichen Rabbi, der nicht auffindbar ist und dessen Foto in Wirklichkeit einen bekannten Staranwalt zeigt.

Ein bekannter Rassist, rechtsextremer Aktivist und Antisemit führt ausgerechnet mit einem Rabbi ein Telefoninterview, der ihm ausführlich erzählt, wie Juden schon „seit Adam und Eva“ die Kinder „unserer Feinde, der weißen Rasse“ schlachten, deren Blut trinken und das Fleisch an McDonald’s verkaufen? Klingt wahnsinnig glaubwürdig, oder?
Nein, an dem Interview und den Behauptungen stimmt wirklich nichts!

Das Interview

Aktuell kursieren die Behauptungen des angeblichen Rabbis in schriftlicher Form auf Social Media:

K I N D E R F L E I S C H R E C Y C A L

Interview with Rabbi Abraham Finkelstein (by Dr. James P. Wickstrom)

„Wir tun dies schon seit Jahrtausenden, das geht zurück bis zu Adam & Evas Zeiten. Wir nehmen die Kinder unserer Feinde, der weissen Rasse, bringen sie in den Keller der Synagoge. Dort lassen wir ihr Blut ab und schauen ihnen beim Sterben zu. Dies geschieht ganz ähnlich, wie bei einer koscheren Schlachtung. Dann moschen wir das Blut mit dem Pessachbrot und so essen wir das Blut unserer Feinde. Die toten Körper, wir sind schliesslich keine Kannibalen, geben wir weiter an Schlachthäuser. So können wir noch einige Shekels damit verdienen. Pfund über Pfund an Fleisch mischen wir in Würste und Hamburger. Aus dem Grund haben wir es zu einer beliebten Gewohnheit gemacht: Würstchen zum Morgenessen und Hamburger zum Mittagessen. Und so essen all diese Goyim da draussen ihre eigenen Kinder. Und wenn wir das sogar direkt zugeben und es Euch erzählen, ihr glaubt uns nicht. Das ist euer Problem.“

Der Text beruht auf einem angeblichen Telefoninterview, welches James Wickstrom mit einem Rabbi Abraham Finkelstein geführt haben soll (siehe auf YouTube HIER oder im Internet Archive HIER).

In dem Audiodokument ist noch zusätzlich der Bezug zu McDonald’s zu hören:

McDonald’s ist einer unserer Lieblingsläden [die beliefert werden], und die Leute essen [das Fleisch] dort zum Frühstück, sie essen ihre Kinder zum Mittagessen.

Das komplette einstündige angebliche Interview, welches noch sehr viel mehr wirre Behauptungen, unter anderem Holocaust-Leugnung, beinhaltet, ist auf Englisch HIER nachlesbar.

Der falsche Rabbi

In den Videos mit der Audiodatei und diversen Standbildern wird auch immer wieder der angebliche Rabbi Abraham Finkelstein eingeblendet, nach dessen Aussagen ja Juden Kinder schlachten:

Angeblich ist dies Rabbi Finkelstein
Angeblich ist dies Rabbi Finkelstein

Mal ganz abgesehen davon, dass das Interview von der Aussprache und diversen Betonungen eher so klingt, als ob der „Rabbi“ in Wirklichkeit einfach nur der Interviewer James Wickstrom mit verstellter Stimme ist, zeigt das Video auch keinen Rabbi Finkelstein, von der East Coast der USA, sondern:

Mimikama
Das Foto zeigt den Staranwalt Kenneth Feinberg (Quelle)

Das Foto zeigt nicht einmal jemand Unbekanntes, sondern den Staranwalt Kenneth Feinberg, der international unter anderem dadurch bekannt wurde, dass er die Opfer vom 11. September 2001 vor Gericht vertrat und Entschädigungen für sie einforderte.

Der Interviewer James Wickstrom – Ein bekannter Antisemit

Über den 2018 verstorbenen James Wickstrom könnte man Bände füllen, deswegen hier nur das Wichtigste in Kürze:

  • Er war „nationaler Direktor für Aufstandsbekämpfung“ für Posse Comitatus, einer rechtsextremen Organisation in den USA
  • Er stand in Verbindung mit den Aryan Nations und besuchte deren Gelände in Hayden, Idaho, mehrmals
  • Er schrieb regelmäßig rassistisch inspirierte Artikel und war auch als Pastor in Organisationen der Christian Identity tätig, einer antisemitischen, rassistischen Theologie, die behauptet, dass die Weißen und nicht die Juden die wahren Israeliten sind
  • Laut seinen Ansichten wurde „die kaukasische Rasse nach dem Bild Gottes“ geschaffen, Juden seien „keine Kinder Gottes, sondern Kinder Kains
  • In einem Interview von 2004 forderte er, dass Juden zu Tode geprügelt und in eine Holzhackmaschine geworfen werden und die Überreste in einen Müllwagen gesteckt werden sollten, um „ihnen den Holocaust zu geben, den sie verdienen

Wickstrom war also ein Antisemit der ganz extremen Sorte. Und ausgerechnet ihm soll ein Rabbi, also ein Funktionsträger in der jüdischen Religion, ein Interview gegeben haben, in dem dieser alles und mehr bestätigt, was Wickstrom über Juden behauptet?
Nicht sehr glaubhaft!

Das angebliche Menschenfleisch bei McDonald’s

Da wir dieses Thema bereits vor zwei Jahren behandelten (siehe HIER), als in QAnon-Kreisen die Behauptung verbreitet wurde, hier noch einmal die Fakten in Kürze:

  • Angeblich wurden in Filialen der Fastfood-Kette in 90% der Standorte Menschenfleisch, in 65% Pferdefleisch gefunden
  • Die soll ein FBI-Agent namens Lloyd Harrison gegenüber der Seite „Huzlers“ geäußert haben (siehe HIER, archiviert)
  • Huzlers“ ist heute eine Videoplattform, doch bis vor einigen Monaten war es noch ein „satirischer und fiktiver Unterhaltungsblog“ (siehe HIER, archiviert)

Die Geschichte um Menschenfleisch bei McDonald’s war also komplett frei erfunden worden.

Fazit

Die Behauptung, dass Juden Kinder schlachten, deren Blut trinken und das Fleisch an McDonald’s verkaufen würden, beruht auf einem in allen Belangen gefälschten Interview eines extremen Antisemiten mit einem angeblichen Rabbi, der nicht auffindbar ist und dessen Foto in Wirklichkeit einen bekannten Staranwalt zeigt.

Also nein: Das Interview ist absolut kein Beweis dafür, dass Juden Kinder schlachten und das Fleisch verkaufen. Sondern nur die kranke Fantasie eines Antisemiten.


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