Faktencheck

Nein, in Österreich fiel kein deutscher Panzer vom LKW!

Angeblich sei ein deutscher Panzer illegal durch Österreich in die Ukraine transportiert worden, dabei aber vom LKW gefallen. Doch es war kein Panzer, das Militärfahrzeug kam auch nicht aus Deutschland, und illegal wäre dies auch nicht.

Ralf Nowotny,

Die Behauptung

Angeblich sei auf einer Autobahn in Österreich ein deutscher Panzer von einem LKW auf dem Weg in die Ukraine gerutscht. Ein solcher Transport verstoße gegen die Neutralität Österreichs.

Unser Fazit

Es rutschte kein deutscher Panzer, sondern ein polnisches Geländefahrzeug von einem LKW. Das Fahrzeug war auch nicht auf dem Weg in die Ukraine, sondern an die Südflanke des NATO-Bündnisses. Solche Transporte müssen genehmigt werden, verstoßen aber nicht gegen Österreichs Neutralität.

Anfang Mai kursierte auf Facebook die Behauptung, durch Österreich sei ein LKW mit einem schweren Kampfpanzer gefahren. Der Panzer sei aber wegen schlechter Befestigung vom LKW gerutscht und hätte die Autobahn für Stunden blockiert. Dies an sich wäre schon schlimm, aber angeblich sei ein solcher Transport auch illegal und verstoße gegen Österreichs Neutralität, aber „keine TastaturNutte“ berichtet darüber.
Das mag aber auch daran liegen, weil fast nichts an der Schilderung wahr ist.

Was behauptet wurde

Als längerer Text wird die Behauptung seit dem 6. Mai verbreitet:

Die Behauptung über einen deut
Die Behauptung über einen deutschen Panzer in Österreich, Quelle: Facebook

Demnach sei ein Sattelschlepper aus Deutschland kommend durch Österreich in Richtung Ukraine gefahren. Der Tieflader sei aber in Deutschland schlecht gesichert worden, ein schwerer Kampfpanzer sei heruntergefallen. Der Transport habe zudem die österreichische Neutralität verletzt.

Was tatsächlich gesehen ist

Beim Blick in die Nachrichten vom 6. Mai und früher lässt sich tatsächlich ein Ereignis finden, was wohl der Auslöser des verbreiteten Textes war: Am 4. Mai berichtete der ORF (siehe HIER) über eine blockierte Autobahn aufgrund eines Militärfahrzeuges, welches von einem Schwertransporter rutschte:

Medienbericht über den Militärtransport
Medienbericht über den Militärtransport, Quelle: ORF

Demnach geschah Folgendes:

  • Ein ziviler LKW hatte ein Geländefahrzeug der polnischen Armee geladen
  • Bei einer Vollbremsung verrutschte das Geländefahrzeug
  • Das 17 Tonnen schwere Militärfahrzeug musste mit Spezialkränen wieder platziert werden
  • Die Autobahn war deshalb für zweieinhalb Stunden nur eingeschränkt befahrbar
  • Das polnische Fahrzeug wurde im Rahmen einer Truppenverlegung der Nato an die Südflanke des Bündnisses transportiert worden, wie AFP erfuhr

Die Neutralität Österreichs wurde dadurch nicht verletzt

Laut Michael Bauer vom österreichischen Verteidigungsministerium transportieren Deutschland und Frankreich ihre Militärhilfen für die Ukraine nach Polen und von dort an die polnisch-ukrainische Grenze. Solche Militärtransporte von Drittstaaten seien nicht ungewöhnlich.

Zudem regele das Truppenaufenthaltsgesetz die Durchfuhr und Ausfuhr fremder Streitkräfte – und solche Durchfahrten gebe es im Durchschnitt 20-mal am Tag. Die Neutralität sei erst verletzt, wenn sich einer der Länder im Krieg befände, doch weder die NATO, noch Polen befinden sich im Kriegszustand.

Fazit

Es liegt kein Verfassungsbruch vor. Es handelte sich nicht um einen deutschen Panzer, sondern um ein polnisches Geländefahrzeug, welches vom Tieflader rutschte. Es wurde auch nicht in die Ukraine transportiert, sondern im Rahmen von Truppenverlegungen der NATO an die Südflanke des Bündnisses. Solche Transporte von Drittstaaten durch Österreich finden etwa 20-mal am Tag statt, müssen genehmigt werden und verstoßen nicht gegen die österreichische Neutralität.

Detailliertere Informationen bei den Kollegen von AFP (siehe HIER).

Artikelbild: Pixabay/Pexels
Auch interessant:

Täglich kursieren Fake News um den Ukraine-Krieg im Netz. So wie die aktuelle Falschmeldung, dass Ukrainer in Ingolstadt vergiftete Bonbons an prorussisch eingestellte Jugendliche verteilen. Wie konnte sich die Falschmeldung so schnell verbreiten?
Fake News um Ukraine-Krieg: Vergiftete Bonbons in Ingolstadt


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

  • Mit deiner Hilfe unterstützt du eine der wichtigsten unabhängigen Informationsquellen zum Thema Fake News und Verbraucherschutz im deutschsprachigen Raum. Ein unabhängiges und für jeden frei zugängliches Informationsmedium ist in Zeiten von Fake News, aber auch Message Control besonders wichtig. Wir sind seit 2011 bestrebt, allen Internetnutzern stets hochwertige Faktenchecks zu bieten.  Dies soll es auch langfristig bleiben. Dafür brauchen wir jetzt deine Unterstützung!

Mehr von Mimikama