Wie wichtig es ist, bei der Eingabe der PIN auch am Kontoauszugsdrucker vorsichtig zu sein und das Eingabefeld möglichst mit der Hand abzudecken, zeigt dieser Marktcheck SWR.

Kontoauszugsdrucker nimmt Karte nicht

Als Edith Cußler bei der Bank ihren Kontoauszug drucken möchte, nimmt das Gerät ihre Karte nicht an. Ein vermeintlich hilfsbereiter Mann lockt die 88-Jährige erneut zum Geldautomaten. Sie gibt ihre PIN ein, um den Kontostand zu sehen. Plötzlich ist ihre Karte weg. Edith Cußler wundert sich, geht aber davon aus, dass der Geldautomat die Karte einbehalten hat. Als sie wieder zu Hause ist, ruft sie sicherheitshalber die Sperrhotline für EC-Karten, die 116 116 an. Die 88-Jährige nennt ihre Kontonummer und erhält die Auskunft, dass ihre Karte gesperrt wird.

Kartensperrung misslang

Am Folgetag möchte Edith Cußler von der Sparda Bank Südwest ihre EC-Karte zurückhaben und erfährt, dass ihre Karte weder vom Kontoauszugsdrucker geschluckt noch gesperrt wurde. Rund 13.000 Euro sind durch Abhebungen und Einkäufe weg, vor allem in Frankreich.

Trick: Shoulder Surfer

Bei dem Trick werden Bankkunden verunsichert. Der Betrüger bietet seine Hilfe an, rät es noch mal am Geldautomaten zu versuchen. Er steht dicht neben dem Kunden, späht die PIN aus. Dann lenkt er den Kunden ab, verdeckt das Bedienfeld und drückt die „Abbruch“-Taste. Wenn der Automat die Karte auswirft, nimmt er sie an sich. Die Täter gehen so geschickt vor, dass ihre Opfer nichts davon bemerken. Manchmal schieben die Trickbetrüger ihnen eine andere EC-Karte unter.

Bank weist Schuld von sich

Der alten Dame wirft die Sparda Bank vor, zu unvorsichtig gewesen zu sein. Sie habe durch ihr „grob fahrlässiges“ Verhalten dem Täter das Ausspähen ihrer PIN ermöglich. Dabei zeigen Fotos der Überwachungskamera in der Bank, dass sie versucht hat, ihre PIN-Eingabe zu verdecken. Außerdem hat die Seniorin noch am selben Tag reagiert und ihre EC-Karte sperren lassen. Die Bank aber behauptet, sie hätte dabei eine falsche Kontonummer genannt.

Auf ihrer Homepage wirbt Servodata damit, wie einfach und schnell die Firma eine EC-Karte sperren kann. Und bei jedem Anruf ist folgender Hinweis zu hören: „Zu ihrer Sicherheit wird dieser Anruf aufgezeichnet.“ Mit so einem Mitschnitt ließe sich klären, warum die Kontonummer falsch hinterlegt wurde. Doch die Sparda Bank teilt in einem Schreiben an die Kundin mit, dass ein solcher nicht vorliege. Ein wichtiges Beweismittel einfach verschwunden? Das könnte eine entscheidende Rolle in dem Fall spielen, so der Bankexperte Gerhard Leverkinck. Die Bank sei dann in der Beweislast, die vorher bei der alten Dame lag.

Opfer klagt

Für Edith Cußler ist klar: Nur weil an der Sperr-Hotline ihre Nummer nicht korrekt erfasst wurde, konnte der Täter das Geld abheben. Die Kundin will die Schuld nicht auf sich sitzen lassen und hat sich einen Rechtsanwalt genommen. Für Rechtsanwalt Stephan Meisinger liegt das Verschulden beim Betreiber des Sperr-Notrufes, der Firam Servodata aus Frankfurt. Aus Kulanz hat die Bank der Seniorin eine Zahlung von 1.500 Euro angeboten. Bei einem Schaden von rund 13.000 Euro ein Witz. Sie klagt gegen die Bank. Ende Januar 2023 ist eine Güteverhandlung vor dem Landgericht in Mainz angesetzt.

Dieses Video ist eine Auskopplung aus der Sendung vom 10. Januar 2023.

Quelle:

Marktcheck SWR, Autor: Wolfgang Weber
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