Mehr als die Hälfte der Opfer von häuslicher Gewalt werden von Social-Media-Firmen ignoriert, wenn sie sich trauen, den Missbrauch durch den gegenwärtigen oder ehemaligen Partner zu melden. Laut einer Umfrage der britischen Organisation Refuge haben 53 Prozent der Betroffenen keine Antwort von Seitenbetreibern erhalten, nachdem sie Übergriffe auf ihren Portalen markiert hatten. Zwei von fünf Opfern fühlen sich im Stich gelassen und würden deshalb auch solche Fälle nicht mehr melden.
Online-Missbrauch: „Hausaufgaben nicht gemacht“
„Die Drohungen, Verfolgungen und Belästigungen, die mein Ex-Freund in sozialen Medien ausgeübt hat, haben mich um mein Leben bangen lassen“, zitiert Regufe aus den Schilderungen eines Opfers. „Ich musste sogar umziehen, weil er meine Wohnadresse veröffentlicht und mir täglich angedroht hat, mich zu verletzen“, schildert die Betroffene.
Dennoch habe es sechs Anläufe gebraucht, bis Facebook endlich auf die Vorfälle reagierte. „Währenddessen wurde mein Leben auf den Kopf gestellt. Ich war enttäuscht. Sie gaben zwar zu, dass diese Postings ihre Community-Standards verletzen. Facebook hat trotzdem vier Monate gebraucht, um sie zu löschen“, so die Kritik.
„Social-Media-Firmen haben viel zu lange ihre Hausaufgaben nicht gemacht, wenn es um Online-Missbrauch geht. Das hat schreckliche Folgen für Betroffene“.
Jess Eagelton, Policy and Public Affairs Managerin bei Refuge
Viele Frauen hätten überhaupt keine Reaktion auf ihre schlimmen Übergriffe erhalten.
„Diese Unternehmen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Sie brauchen ein starkes Regelwerk, um der Gewalt gegen Frauen und Mädchen im Internet entgegentreten zu können“.
Jess Eagelton, Policy and Public Affairs Managerin bei Refuge
Um 258 Prozent mehr Übergriffe
Laut dem Bericht ist der Bedarf an Hilfe und Unterstützung im Fall von Online-Missbrauch, der also mithilfe technischer Mittel passiert, zuletzt dramatisch in die Höhe geschnellt. Das betreffende Support-Team von Refuge hat 2022 um 258 Prozent mehr Übergriffe registriert und bearbeitet als noch im Jahr 2018. Dabei wurde unter anderem auch eine zunehmende Zahl von Missbräuchen verzeichnet, bei denen Täter moderne Technologien wie smarte Türschlösser, Web-Kameras oder intelligente Heizsysteme nutzten, um ihre Opfer zu überwachen, zu kontrollieren oder anderwärtig zu drangsalieren.
Quelle:
Pressetext
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