Die Behauptung

Von russischen Medien wird die Nachricht verbreitet, ein Leopard-Panzer mit deutscher Besatzung sei in der Ukraine zerstört worden. Deutsche Bundeswehrsoldaten wären bei diesem Vorfall getötet worden.

Unser Fazit

Es gibt keine physischen Belege wie Fotos oder Identitäten der angeblichen deutschen Besatzung. Das deutsche Verteidigungsministerium stellt außerdem klar, dass keine deutschen Bundeswehrtruppen in der Ukraine im Einsatz sind.

Desinformationsquelle: Woher kommen die Nachrichten?

Das russische Staatsmedium RT DE und der Telegram-Kanal „Neues aus Russland“ verbreiteten kürzlich die Meldung, ein Leopard-Panzer mit „ausschließlich deutscher Besatzung aus Bundeswehrsoldaten“ sei von russischen Streitkräften in der Region Saporischschja zerstört worden. Die Quelle dieser Meldung scheint die ebenfalls staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti zu sein, die sich auf einen anonymen Kommandeur mit dem Codenamen „Legenda“ beruft.

Diese Meldung schaffte es nun auch in soziale Medien wie beispielsweise Facebook und trägt zur Verunsicherung von Nutzern bei:

Screenshot Facebook "Medienbericht Leopard-Panzer mit Bundeswehr-Besatzung in der Ukraine zerstört"
Screenshot Facebook „Medienbericht Leopard-Panzer mit Bundeswehr-Besatzung in der Ukraine zerstört“ (hier archiviert)

Unter dem Posting findet sich ein Hinweis von Meta:

MIMIKAMA

“Durch den russischen Staat kontrollierte Medien
Dieser Link stammt von einem Herausgeber, von dem Facebook annimmt, dass er teilweise oder ganz unter der redaktionellen Kontrolle der russischen Regierung steht”

Die Rolle von “Legenda”

Der angebliche Kommandeur „Legenda“ behauptet, er habe nach einem erfolgreichen Angriff auf den Panzer einen verwundeten deutschen Soldaten gefunden. Dieser habe sich als Bundeswehrangehöriger zu erkennen gegeben. Der Rest der Panzerbesatzung sei tot gewesen.

Die angebliche Schilderung von “Legenda” ist der einzige Hinweis auf einen solchen Vorfall. Interessanterweise gibt es von diesem Vorfall keine physischen Beweise wie Fotos oder Identitäten der angeblichen deutschen Besatzung.

Auch über die Person hinter dem Namen “Legenda” sind keine weiteren Informationen bekannt.. Ob es sich dabei vielleicht dem Namen entsprechend lediglich um eine übertragene “Legende” oder bewusst gesetzte Propaganda handelt, kann hier nur vermutet werden.

Bundeswehr und deren Panzer in der Ukraine: Was sagen die offiziellen Quellen?

Das deutsche Verteidigungsministerium hat auf Anfrage von Correctiv klargestellt: Es gibt keine Bundeswehrtruppen im Einsatz in der Ukraine.

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Diese Aussage deckt sich mit der Tatsache, dass der Bundestag einen solchen Einsatz erst genehmigen müsste – was nicht geschehen ist. Die Bundeswehr unterstützt die Ukraine lediglich durch die europäische Ausbildungsmission (EUMAM UA), um dem von Russland angegriffenen Land zu helfen.

Zudem ist es ein offenes Geheimnis, dass westliche Nationen, so auch Deutschland, sorgfältig darauf bedacht sind, ihre militärischen Kräfte in Hilfsmissionen nicht zu integrieren. Ein solches Vorgehen könnte potenziell als Rechtfertigung dienen, sie und damit auch die NATO in einen bewaffneten Konflikt hineinzuziehen.

Problematische Fehlinformation

Die Verbreitung solcher Fehlinformationen kann weitreichende politische Konsequenzen haben. Die Anwesenheit von Bundeswehrtruppen in einem Konfliktgebiet wäre ein ernstes internationales Problem und könnte als Rechtfertigung für eine Eskalation oder als Vorwand für weitere militärische Aktionen dienen.

Desinformation erkennen und bekämpfen

In Zeiten von Social Media und schneller Nachrichtenverbreitung ist es wichtiger denn je, Quellen zu überprüfen und Fehlinformationen kritisch zu hinterfragen. Jeder Einzelne kann dazu beitragen, indem er sich informiert, Quellen überprüft und fragwürdige Informationen nicht unreflektiert weitergibt.

Fazit

MIMIKAMA

Die unbelegten Behauptungen über einen in der Ukraine zerstörten Leopard-Panzer mit deutscher Besatzung stützen sich lediglich auf vermeintliche Aussagen eines angeblichen Kommandeurs namens “Legenda”.
Auch hat das deutsche Verteidigungsministerium klar festgestellt, dass kein solcher Einsatz stattgefunden hat.

Diese Episode unterstreicht die Bedeutung einer kritischen Medienkompetenz im Umgang mit Nachrichten und Informationen. Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen kann Desinformation schwerwiegende diplomatische und sicherheitspolitische Folgen haben. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, Nachrichtenquellen zu hinterfragen, Informationen zu verifizieren und einer fundierten und verlässlichen Berichterstattung zu vertrauen.

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Quelle:

meta.mk, Correctiv

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