Faktencheck: Weihnachtsbaumdebatte in Hamburger Kita

Aufregung um fehlenden Weihnachtsbaum in der Kita Mobi

Autor: Hildegard O.

In der Kindertagesstätte Mobi in Hamburg-Lokstedt sorgte die Entscheidung, dieses Jahr auf einen Weihnachtsbaum zu verzichten, für hitzige Diskussionen. Medienberichte und soziale Netzwerke griffen das Thema auf, wobei einige Eltern und öffentliche Persönlichkeiten Kritik äußerten.

Bewertung

Die Kritik, die Kindertagesstätte Mobi wolle christliche Traditionen abschaffen, ist laut der Stiftung Kindergärten Finkenau, die die Kita betreibt, falsch. Jede Einrichtung hat demnach die Freiheit, ihre weihnachtliche Dekoration individuell zu gestalten.

Hintergründe der Entscheidung

Fakt: Die Kindertagesstätte Mobi verzichtet auf einen Weihnachtsbaum, um kulturelle Vielfalt und religionsübergreifende Gemeinschaft zu fördern. Diese Entscheidung löste bei einigen Eltern und in der Öffentlichkeit Unverständnis und Kritik aus.

Reaktion des Trägers und der Elternvertretung

Fakt: Die Stiftung Kindergärten Finkenau und die Elternvertretung der Kindertagesstätte betonen, dass in der Einrichtung weiterhin weihnachtliche Traditionen wie Adventskalender und Dekorationen gepflegt werden. Der fehlende Weihnachtsbaum ist eine individuelle Entscheidung der Kindertagesstätte, die im Einklang mit ihrer kultursensiblen Haltung steht.

Öffentliche Reaktionen und Missverständnisse

Fakt: Die Debatte wurde von einigen Medien und Politikern aufgegriffen, wobei Missverständnisse und Fehlinterpretationen entstanden. Die Kindertagesstätte und ihr Träger wurden mit rassistischen Drohungen und Beleidigungen konfrontiert.

Kita-Tradition und kulturelle Vielfalt

Fakt: In den 10 Jahren ihres Bestehens hatte die Kindertagesstätte Mobi etwa dreimal einen Weihnachtsbaum. Die Einrichtung legt Wert darauf, Kindern verschiedene kulturelle Traditionen nahezubringen, um eine weltoffene und diverse Gemeinschaft zu fördern.

Hier die offizielle Stellungnahme der Stiftung Kindergärten Finkenau:

Liebe Eltern, liebe Besucher*innen unserer Website,

die aktuellen Presseberichte, die unterstellen die Kita Mobi würde christliche Traditionen abschaffen, sind falsch.

Wir sind zutiefst erschüttert darüber, dass unsere Kita und wir als Träger seither mit massiven rassistischen Drohungen, persönlichen Beleidigungen, Anschuldigungen und Erpressungsversuchen konfrontiert sind.

Auch in diesem Jahr gibt es in allen Finkenau Einrichtungen (auch in der Kita Mobi) wieder viele weihnachtliche Bräuche wie Adventskalender, Adventskränze, Weihnachtsbäume und in einigen Kitas sind sogar Wichtel eingezogen. Zudem gibt es Dekoration wie Tannenzweige, Kugeln und Lichterketten. Dies sind nur einige Beispiele dafür, wie unsere Einrichtungen die schöne Vorweihnachtszeit für die Kinder erlebbar machen.

Wie bei uns seit über 47 Jahren üblich, entscheiden die Teams (gemeinsam mit den Kindern), wie sie die Einrichtung schmücken wollen. In der Kita Mobi, die seit 10 Jahren besteht, gab es seither ca. 3-mal einen Weihnachtsbaum.

Unsere Einrichtungen sind in erster Linie frühkindliche Bildungsstätten, ähnlich wie die Schulen. Im Sinne des Bildungsbereichs soziale und kulturelle Umwelt (Hamburger Bildungsempfehlungen für Kitas), lernen die Kinder neben den christlich geprägten Festen auch andere kulturelle Gepflogenheiten kennen. Dies sollte für eine weltoffene Stadt wie Hamburg selbstverständlich sein. Die vielleicht unglückliche Formulierung zur kultursensiblen Haltung der Kita mündete leider in einer falschen, da undifferenzierten, Berichterstattung.

Der Vorgang hat zutage gebracht, dass es zu Unklarheiten und Missverständnissen im Umgang mit religiösen Festen kommen kann. Wir werden in Zukunft zusammen mit den Teams daran arbeiten hier für noch mehr Klarheit zu sorgen.

Der Vorstand

Hier ein offener Brief der Elternvertreter*innen der Kita Mobi:

Liebe Eltern, Liebe Sorgeberechtigten, Sehr geehrte Damen und Herren,
wir haben mit Bestürzung die Berichte in der Presse und vor allem die öffentlichen Kommentare aus der Gesellschaft zu dem Thema „Tannenbaum“ verfolgt.
Die Auffassung der Elternvertreter*innen ist, dass die Kita Mobi für kulturelle Vielfalt, Diversität und religionsübergreifende Gemeinschaft steht. Dafür engagieren sich alle Mitarbeiter*innen und wir uns täglich gemeinsam. Hier vertreten wir viele Eltern, die hierzu mit uns in Kontakt getreten sind.


Wir verurteilen sehr deutlich jede Form der Anfeindungen gegen die Einrichtung und die Mitarbeiter*innen. Die Instrumentalisierung einer kitainternen Entscheidung und die Art dieser, in einer gesamtgesellschaftlichen Debatte wie es geschehen ist, ist unvertretbar.
Neben den täglichen Herausforderungen wird sehr wohl mit Kindern der meisten Gruppen weihnachtlich geschmückt, gebastelt, (Winter-)Weihnachtsfeiern veranstaltet und Weihnachtskalender geöffnet.
Wir stehen für eine konstruktive Diskussion und sind an der Seite der Eltern, Sorgeberechtigten, Kinder und Mitarbeiter*innen der Einrichtung, denen wir viel Kraft wünschen und Unterstützung anbieten, wo sie gebraucht wird. Die Elternvertreter *innen der Kita Mobi

Fazit:

Die Entscheidung der Kita Mobi, in diesem Jahr auf einen Weihnachtsbaum zu verzichten, hat eine breite gesellschaftliche Debatte ausgelöst. Es zeigt sich, dass im Zusammenhang mit kultureller Sensibilität und Vielfalt nach wie vor ein differenzierter Kommunikations- und Verständigungsbedarf besteht. Die Kita betont, dass sie weiterhin weihnachtliche Traditionen pflegt, aber auch andere kulturelle Bräuche integriert.

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