Elon Musks umstrittene Tweets: Grenzgänger oder Grenzüberschreiter?

Der Tech-Mogul und sein Umgang mit problematischen Theorien

Autor: Claudia Spiess

Elon Musk hat erneut für Kontroversen gesorgt. Diesmal steht er im Mittelpunkt einer hitzigen Debatte, weil er einen Tweet mit rassistischen Untertönen abgesegnet hat. Dieser behauptete, dass Absolventen historischer afroamerikanischer Universitäten, bekannt als Historically Black Colleges and Universities (HBCUs), einen niedrigen IQ hätten.

Musks Reaktion und der darauf folgende Shitstorm werfen nicht nur ein Schlaglicht auf seine persönliche Einstellung, sondern auch auf tief verwurzelte Vorurteile und Ungleichheiten im Bildungssystem.

Der umstrittene Tweet und Musks Reaktion

Im Zentrum der Kontroverse steht ein Tweet, der eine angebliche Korrelation zwischen den SAT-Ergebnissen von HBCU-Absolventen und geringer Intelligenz postuliert. Musk, dessen Online-Verhalten bereits in der Vergangenheit für Aufsehen gesorgt hatte, unterstützte diese Behauptung und kritisierte spöttisch Initiativen für „Diversity, Equity and Inclusion“ (DEI). Seine Wortwahl, in der er das Akronym DEI zu „DIE“ (sterben) umdeutete, wurde weithin als zynische Abwertung von Bemühungen um mehr Vielfalt und Gleichberechtigung verstanden.

Screenshot X (Twitter)
Screenshot X (Twitter)

Warum der Tweet irreführend ist

Die Grundannahmen des Tweets sind sehr fragwürdig. Der SAT, der seit Jahren dafür kritisiert wird, Ungleichheiten im Bildungssystem zu verstärken, misst nicht die Intelligenz. Experten betonen, dass sozioökonomische Faktoren eine große Rolle bei den Testergebnissen spielen.

Das College Board, das den SAT verwaltet, stellt klar, dass der Test nicht die Intelligenz misst und nicht als alleiniges Kriterium für die akademische Eignung herangezogen werden sollte.

Die Realität der HBCU-Absolventen

Entgegen der Behauptung im Tweet weisen HBCUs wie die Hampton University und die Elizabeth City State University durchschnittliche oder leicht unterdurchschnittliche SAT-Ergebnisse im Vergleich zum nationalen Durchschnitt auf. Diese Zahlen widersprechen direkt der Unterstellung einer intellektuellen Beeinträchtigung. Zudem spiegeln Durchschnittswerte nicht das gesamte Leistungsspektrum der Studierenden wider und vernachlässigen Spitzenleistungen.

Musks umstrittene Online-Präsenz

Diese Episode ist nur ein Beispiel von vielen, in denen Musk mit seinen Online-Äußerungen polarisiert. Von scheinbar harmlosen Scherzen bis hin zu kontroversen politischen Äußerungen hat sein Verhalten bereits zu einem Rückgang der Werbekunden auf der Plattform geführt.

Trotz der möglichen finanziellen Folgen für sein Unternehmen scheint Musk von der öffentlichen Reaktion unbeeindruckt zu sein. Seine direkte und unverblümte Art, die oft als Ausloten von Grenzen interpretiert wird, führt zu einer zunehmenden Isolation von traditionellen Geschäftspartnern und könnte sich langfristig negativ auf seine Unternehmen auswirken.

Die Initiative von United Airlines und die Risikodebatte

Im Zentrum der Diskussion steht auch eine Initiative von United Airlines aus dem Jahr 2021, die HBCU-Studenten die Möglichkeit bietet, eine Pilotenausbildung zu absolvieren. Ein X-User griff diese Partnerschaft mit der Behauptung an, die Absolventen dieser Hochschulen würden ein Sicherheitsrisiko für die Fluggesellschaft darstellen. Diese Unterstellung basiert auf der bereits widerlegten Annahme einer Korrelation zwischen SAT-Ergebnissen und Intelligenz.

Fazit

Die jüngste Kontroverse um Elon Musk auf X wirft wichtige Fragen zum Einfluss von Führungskräften in sozialen Medien auf. Seine Äußerungen und das Echo darauf haben weitreichende Konsequenzen, nicht nur für seinen persönlichen Ruf, sondern auch für die Unternehmen, die er leitet.

Quelle: derStandard

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