Fake „Tagesschau“-Meldung: Alice Weidel wirbt für KI-Betrugsplattform?

Ein angeblicher Tagesschau-Artikel mit Alice Weidel als Protagonistin soll Nutzer:innen auf eine betrügerische Trading-Plattform locken

Die Behauptung

Ein angeblicher Artikel der Tagesschau berichtet über einen abgelehnten Gesetzesentwurf von Alice Weidel, in dem sie ein KI-basiertes Finanzprojekt namens Beravapex vorgestellt haben soll. In einem Interview mit ARD-Journalist Markus Preiß wirbt sie für das Programm, zeigt eine Live-Demo und animiert Zuschauer:innen zur Registrierung und Einzahlung.

Aufgestellt von: Social Media

Faktencheck: Falsch

Falsch. Der Artikel ist eine professionell manipulierte Fälschung, die weder von der Tagesschau veröffentlicht noch von Alice Weidel oder Markus Preiß autorisiert wurde. Der gesamte Inhalt dient als Lockmittel für eine betrügerische Trading-Plattform. Es handelt sich um eine gezielte Desinformationskampagne mit eindeutig kriminellem Hintergrund.

Kurze Faktenübersicht:

Die Seite verwendet das offizielle Design der ARD, doch die Inhalte sind frei erfunden und täuschen ein Interview vor.

  • Das Projekt „Beravapex“ ist keine bekannte oder staatlich zugelassene Plattform.
  • Weder die ARD noch Markus Preiß haben jemals ein solches Interview geführt.
  • Alice Weidel ist nachweislich nicht Initiatorin eines Gesetzes für eine KI-Handelsplattform.
  • Es liegt ein typisches Beispiel für „Fabricated Content“ vor

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Der gefälschte ARD-Artikel: Eine gefährliche Täuschung

Der Aufbau des manipulierten Artikels folgt einer perfiden Masche: Ein angeblicher Gesetzesvorstoß von Alice Weidel wird dramatisch inszeniert, mit scharfen politischen Vorwürfen gegen andere Abgeordnete, einem angeblichen Auftritt im Bundestag und einem Interview mit Markus Preiß. All das findet nicht statt. Stattdessen wird über mehrere Absätze hinweg ein KI-System namens Beravapex als bahnbrechende Lösung präsentiert. Die Dramaturgie gipfelt in einem Live-Test: Markus Preiß soll angeblich auf seinem Handy ein Konto einrichten, 250 Euro einzahlen und binnen Minuten 37 Euro Gewinn erzielen. Auch das ist komplett erfunden.

Screenshot der betrügerischen Seite
Screenshot der betrügerischen Seite

Die Sprache des Artikels ist emotional, empörend und konzipiert, um Vertrauen zu erzeugen und zugleich Dringlichkeit aufzubauen. „Jetzt anmelden“, „nur begrenzter Zugang“, „live gesehen“ – das sind Formulierungen, die aus dem Repertoire klassischer Betrugsstrategien stammen.

Der Eindruck eines offiziellen Medienauftritts wird dabei nicht nur durch Layout und Logos erzeugt, sondern auch durch gezielte Namensnennungen prominenter Persönlichkeiten. Die Namen Alice Weidel, Markus Preiß, Dietmar Hopp und SAP werden instrumentalisiert, um ein Gefühl von Seriosität und Exklusivität zu erzeugen. Doch keiner dieser Namen steht tatsächlich hinter diesem Angebot. Im Gegenteil: Es handelt sich um Identitätsmissbrauch.

Die Betrugsmasche im Licht der Fachliteratur

Der Artikel reiht sich ein in eine ganze Welle gefälschter Medienberichte, die wir von Mimikama immer wieder dokumentieren. Dort wird detailliert beschrieben, wie angebliche Interviews mit Prominenten wie Dieter Bohlen, Armin Wolf, Günther Jauch oder Robert Habeck gefälscht werden, um Nutzer:innen zur Investition in vermeintliche KI-Trading-Programme zu animieren.

Die Vorgehensweise ist immer gleich: emotionale Ansprache, prominente Gesichter, die als Testimonials auftreten sollen, angeblich offizielle Berichte in bekannten Medien wie Krone.at, Bild oder ARD. Die Opfer sollen nur 250 Euro einzahlen und angeblich binnen Stunden hohe Gewinne erzielen.

Doch hinter den Kulissen operieren organisierte Betrugsnetzwerke. Zuerst wird ein fiktives Gewinnbild erzeugt. Dann kommen die Anrufe: Professionell geschulte Callcenter-Mitarbeitende erklären, dass sich die Rendite mit 2.500 Euro oder mehr erhöhen ließe. Wer einzahlt, wird weiter hingehalten. Auszahlungen? Fehlanzeige. Stattdessen wird von Liquiditätsgebühren gesprochen, von angeblichen behördlichen Genehmigungen oder Kosten für Kontofreigaben.

Alles erfunden, alles Lüge. Wer sich wehrt, bekommt Drohanrufe. Wer nicht nachzahlt, verliert alles. Und wer Anzeige erstattet, wird von den Tätern bereits mit einer zweiten Masche kontaktiert: Ein angeblicher Rückholservice einer „Finanzaufsicht“ will helfen – gegen eine weitere Vorauszahlung.

Von Facebook bis ORF: Promi-Betrug als perfides System

Die Methoden der Täter sind nicht neu, aber gefährlich effektiv. Immer wieder erklären wir, wie Prominente ungefragt als Werbeträger missbraucht werden. Armin Wolf wird als angeblicher Ex-ORF-Moderator ins Spiel gebracht, Dieter Bohlen als „Investor“ dargestellt, Dietrich Mateschitz als Bitcoin-Förderer inszeniert. Alles frei erfunden. Die Plattformen tragen erfundene Namen wie „Bitcoin Profit“, „Bitcoin Code“, „Immediate Edge“ oder nun eben „Beravapex“.

Die Täter setzen auf Social-Media-Kampagnen mit hoher Reichweite. Facebook, Instagram und TikTok dienen als Werbekanal. Klickraten steigen, Werbebudgets sind groß – oft stammen sie aus gestohlenen Identitäten oder Kryptowallets. Nach dem Klick folgt die Landingpage, gestaltet im Stil echter Nachrichtenportale. Hier beginnt die Täuschung: Eingebettete Videos, angebliche Kommentare, scheinbar echte Erfahrungsberichte. Alles ist Teil eines manipulierten Systems, das nur einem Zweck dient: Geld abgreifen.

In Österreich wie in Deutschland warnen Behörden regelmäßig vor diesen Methoden. Die BaFin in Deutschland und die FMA in Österreich haben mehrfach Publikationen dazu herausgegeben. Auch Mimikama dokumentiert seit Jahren solche Vorfälle. Der vorliegende Artikel mit Alice Weidel ist lediglich die neueste Variante in einer langen Liste skrupelloser Fälschungen.

Die rechtliche Lage und der fehlende Schutz

So eindeutig der Betrug ist, so schwer greift das Recht. Denn die Seiten werden von Domains betrieben, die außerhalb der EU liegen. Die verwendeten Bilder sind oft aus öffentlich zugänglichen Datenbanken oder Presseportalen gestohlen. Eine Löschung ist kaum möglich, da die Seiten täglich dupliziert und unter neuem Namen wieder hochgeladen werden. Strafverfolgung ist schwer, Rückverfolgung nahezu unmöglich. Selbst wenn Anzeige erstattet wird, erfordert die Verfolgung international koordinierte Zusammenarbeit.

Während Behörden wie Coinfinity, FMA oder BaFin warnen, bleibt der Druck auf Social-Media-Plattformen hoch: Warum gelingt es nicht, diese Fakes schneller zu erkennen und zu löschen? Warum werden sie algorithmisch bevorzugt, während echte Aufklärungsseiten kaum Reichweite erhalten? Die Antworten bleiben aus – und der Schaden steigt.

FAQ: Häufige Fragen zur Weidel-Fake-Masche

Ist der Artikel auf Tagesschau.de erschienen?

Nein. Der angebliche Artikel mit Alice Weidel ist komplett erfunden. Weder Tagesschau.de noch ARD oder Markus Preiß haben jemals einen solchen Bericht veröffentlicht. Es handelt sich um einen Fake im Stil sogenannter „Fabricated News“.

Gibt es das Beravapex-Programm wirklich?

Es gibt keine öffentlich bekannte, regulierte Plattform mit diesem Namen. Alles, was in dem Fake-Artikel versprochen wird, ist unbewiesen. Die Masche entspricht exakt bekannten Betrugssystemen wie Bitcoin Code oder Immediate Edge.

Hat Alice Weidel ein solches Gesetz vorgeschlagen?

Nein. Es gibt keine parlamentarische Initiative von Alice Weidel, die sich mit einer KI-Trading-Plattform befasst. Auch im Bundestagsprotokoll ist kein solcher Gesetzesantrag dokumentiert.

Wer steckt hinter solchen Fake-Seiten?

Meist international agierende Netzwerke mit Callcenter-Strukturen, gefälschten Identitäten und ausgeklügelten Marketingmechanismen. Die Server stehen oft in Ländern ohne Auslieferungsabkommen. Strafverfolgung ist schwierig, aber nicht unmöglich.

Wie erkenne ich solche Fakes im Netz?

Achten Sie auf unrealistische Versprechen, prominente Namen ohne echte Belege, professionell wirkende Webseiten mit auffällig vielen „Erfolgsberichten“, aber ohne Impressum. Wer auffordert, sofort Geld zu überweisen, ist niemals seriös.

Was tun, wenn ich betroffen bin?

Dokumentieren Sie alles: Screenshots, Chats, Zahlungsverläufe. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei und melden Sie die Plattform bei Verbraucherschutz, Mimikama und den jeweiligen Behörden. Niemals weiteres Geld überweisen.

Solche gefälschten Artikel im Look öffentlich-rechtlicher Medien sind mittlerweile ein regelmäßiges Mittel von Betrugsnetzwerken, insbesondere bei Krypto-, Trading- oder KI-Investment-Betrug. Die Täter kopieren gezielt das Design, die Sprache und das Layout bekannter seriöser Medien – darunter ARD, ZDF, ORF, SRF, aber auch Spiegel, Focus oder Zeit Online – und versehen diese Fakes mit:

1. Promi-Testimonials (ungefragt und gefälscht)
2. Pseudo-Interviews oder Berichte mit erfundenen Zitaten
3. Links zu unseriösen Tradingplattformen oder angeblichen KI-Bots
4. Call-to-Action-Elementen wie: „Jetzt registrieren“, „Live-Demo ansehen“, „Nur noch 15 Plätze verfügbar“

Bekannte Varianten solcher öffentlich-rechtlich getarnten Fakes:

🔹 ARD/Tagesschau (Deutschland)

  • Fake-Berichte mit Günther Jauch, Alice Weidel, Olaf Scholz oder Robert Habeck
  • Angebliche Interviews zu „Krypto-Gesetzen“, „KI-Fonds“, „Finanzreformen“, die nie stattgefunden haben
  • Missbrauch des typischen „tagesschau.de“-Designs (blaue Headlines, weiße Schrift auf Blau, Zeitstempel etc.)

🔹 ZDF heute (Deutschland)

  • Berichte mit „Breaking News“ über eine neue Investment-App
  • Beliebte Masche: angebliches Interview bei „Markus Lanz“ oder in den „heute-Nachrichten“
  • Oft in Verbindung mit Fake-Logos von SAP, Siemens, BaFin etc.

🔹 ORF.at und ORF ZIB (Österreich)

  • Fakes mit angeblichen Enthüllungen von Armin Wolf, Armin Assinger….
  • Behauptet wird oft, dass Promis „plötzlich aus dem ORF ausgestiegen“ seien, um „eine Revolution im Finanzsystem zu starten“
  • Die „ZIB2“-Optik wird kopiert, samt Studiokulisse und Moderationsfotos

🔹 SRF.ch (Schweiz)

  • Schweizer Versionen mit Namen wie Roger Schawinski, Stefan Büsser oder Arthur Honegger
  • Auch hier: gefälschte Interviews, erfundene gesetzliche Initiativen, Trading mit „weniger Risiko dank KI“

🔹 Kombinationen mit internationalen Medien

  • CNN, BBC, Bloomberg oder Forbes werden ebenfalls gefälscht – oft in der englischsprachigen Version der gleichen Masche
  • Zunehmend auch deutschsprachige Fakes von „Welt“, „Focus Online“, „Manager Magazin“

Auffällige Merkmale solcher Fakes:

✅ Immer gleiches Muster, unabhängig vom Medium:

  • gefälschte Zitate
  • Promi-Fotos mit angeblichem Zitat über „finanzielle Freiheit“
  • Links führen auf Seiten mit Domainnamen wie: beravapex.com, bitcodeprime.net, quantumai.today, immediate-profit.de etc.
  • kein Impressum oder ein gefälschtes

Schlussfolgerung: Diese Masche ist nicht nur dreist – sie ist gefährlich

Was wie ein politisches Interview aussieht, ist in Wahrheit eine Betrugsmasche mit System. Der gefälschte Tagesschau-Artikel zu Alice Weidel und dem angeblichen Beravapex-Gesetzesvorschlag ist ein Musterbeispiel für „Fabricated Content“ mit krimineller Energie. Die Täter setzen gezielt auf die Autorität von Medien, das Vertrauen in bekannte Namen und die Sehnsucht vieler Menschen nach finanzieller Sicherheit. Das Ergebnis sind Tausende geschädigte Nutzer:innen, verlorenes Geld, gebrochene Existenzen.

Diese Betrugsform ist nicht nur eine Täuschung – sie ist ein Angriff auf die Integrität des Netzes und die Glaubwürdigkeit journalistischer Arbeit. Wer solche Inhalte teilt oder unwidersprochen lässt, wird Teil des Problems. Deshalb ist Aufklärung so entscheidend und deshalb ist es wichtig, diese Fälschung klar zu benennen: Es ist eine Lüge mit System. Und sie darf sich nicht wiederholen.

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