Die Behauptung

Ein Foto (Twitter) zeigt die russischstämmige Mitarbeiterin von Sahra Wagenknecht bei der Rede von Wladimir Putin zur Lage der Nation.

Unser Fazit

Die Behauptung wurde frei erfunden und erst nachträglich als Satire gekennzeichnet. Das Foto zeigt die russische Duma-Abgeordnete Rima Batalova, wie mehrere Fakten belegen.

Twitter-Diskussion über Frau im pinken Sakko

Ein Twitter-Profil teilte ein Foto einer Frau mit pinkem Sakko, Sonnenbrille und blonder Kurzhaar-Frisur. Darunter kommentierte der Account: „Die russischstämmige Mitarbeiterin von Wagenknecht war heute auch bei der Rede von Putin zur Lage der Nation“. Nach der Veröffentlichung am 21.02.23 erhielt der Beitrag bisher rund 300.000 Aufrufe und mehr als 2.000 Likes.

MIMIKAMA
Screenshot Twitter

Heiter diskutiert wurde auch in den Kommentaren unter dem Beitrag. So schieden sich die Geister zwischen Zustimmung zum Tweet: „Pass einziehen, soll bleiben, wo sie ist!“, Ablehnung bzw. Klarstellung einiger Journalisten mit dem Hinweis, dass es sich bei der Frau vermutlich um die russische Duma-Abgeordnete Rima Akberdinovna Batalova handelt und anderen NutzerInnen, die den Beitrag ohne den Hinweis auf Satire weiter teilten.

Nur Angehörige der Staatsduma und des Förderationsrats anwesend

Bei genauerem Hinsehen entdeckt man bei dem Bild auf Twitter den Namen des Fernsehsenders Phoenix. Dieser veröffentlichte zum Zeitpunkt der Rede Putins einen zweistündigen Livestream auf YouTube. Dort taucht auch die besagte Frau bei Minute 13:20 auf.

Auch wenn es hier keinen Hinweis darauf gibt, wer die Frau sein könnte, ist uns nach der Durchsicht einiger Medienberichte jedoch klar, dass Putin seine Rede vor beiden Kammern des russischen Parlaments gehalten hat. Demnach befanden sich im Publikum Angehörige des Föderationsrats und der Staatsduma.

So lassen sich auch die Kommentare der Journalist:innen erklären, denn die erwähnte Rima Batalova ist Mitglied der Staatsduma.

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Nein, Frau ist keine Mitarbeiterin von Sahra Wagenknecht

Für die Aussage der Journalisten spricht auch, dass die Politikerin Batalova dasselbe Bild, welches im Moment auf Twitter viral geht, auf ihrem eigenen Account sowohl auf Telegram als auch auf dem Netzwerk VK veröffentlichte. Sie schrieb dazu: „Heute hielt der russische Präsident Wladimir Putin seine nächste Rede vor der Bundesversammlung. […] Ich unterstütze von ganzem Herzen alle heute zum Ausdruck gebrachten Initiativen.“

Ferner führte ein Vergleich mit älteren Bildern von Batalova außerdem dazu, sie endgültig auf dem Twitter-Beitrag zu identifizieren. Ein Muttermal an ihrer linken Wange findet sich auf all ihren Bildern wieder, so auch auf Twitter, berichtet Correctiv.

Auch das Büro von Sahra Wagenknecht teilte auf Nachfrage per E-Mail mit: „Wir haben die Dame auf diesem Foto noch nie gesehen, es handelt sich demnach nicht um eine Mitarbeiterin von Frau Wagenknecht.“

Der User auf Twitter verbreitete also die Unwahrheit – als ein „Satire-Beitrag“ wurde der Post aber erst nachträglich gekennzeichnet.

Satire über Wagenknecht rief schon letztes Jahr Missverständnisse hervor

Beiträge wie der aktuell diskutierte, führen oftmals zu Missverständnissen bezüglich der nicht gekennzeichneten Satire. So teilte der gleiche Twitter Account mit dem Namen „AnonymousGermany“ schon im vergangenen Jahr einen ähnlichen Beitrag mit der Unterschrift: „Die russischstämmige Mitarbeiterin von Wagenknecht war heute auch im Kreml“. Stattdessen sah man auf dem Bild vom September 2022 zwei Vize-Ministerpräsidentinnen der Russischen Föderation.

Da es sich auch in diesem Beispiel um Satire handelt, kann der Tweet als ironische Anspielung auf Wagenknechts Russland-Politik verstanden werden. Wagenknecht gilt als Kritikerin der Sanktionen gegen Russland – und Batalova steht laut Sanktionstracker auf der Sanktionsliste, unter anderem in der EU.

Weitere Informationen zu dem besagten Twitter-Account finden Sie in DIESEM BERICHT von Correctiv.

Fazit

Mimikama-Bewertung: SATIRE

Das Foto zeigt die russische Duma-Abgeordnete Rima Batalova. Und nicht, wie angegeben, die russischstämmige Mitarbeiterin von Sahra Wagenknecht.

Quelle:

Correctiv

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