Die Behauptung

Dieses angebliche Golda Meir-Zitat wird gerne in Form eines Sharepics geteilt: „Du kannst nicht mit jemanden über Frieden verhandeln, der gekommen ist, um dich zu töten!“

Unser Fazit

Es gibt keine gesicherte Quelle. Der Ausspruch würde gut zu Golda Meirs Politik passen, könnte aber auch von Benjamin Netanyahu stammen, der Meir häufig zitiert hat.

Ein Zitat, das der früheren israelischen Premierministerin Golda Meir in den Mund gelegt wird, soll die Unmöglichkeit von Verhandlungen im Ukrainekrieg ausdrücken. Wie soll der Angegriffene den Aggressor zu einem Friedensschluss bewegen? Das Problem mit der Aussage: Sie ist nicht belegt. Dennoch wird sie von Unterstützern der Ukraine seit zumindest Oktober 2022 immer wieder zitiert:

„Du kannst nicht mit jemanden über Frieden verhandeln, der gekommen ist, um dich zu töten!“

Golda Meir-Zitat ist nicht belegt

So klug die Aussage klingt, es findet sich weder im Netz noch in Büchern zu Golda Meir eine vertrauenswürdige Quelle für diesen Ausspruch. In seriösen Zitatsammlung wie Wikiquote findet er sich auch nicht. Gerald Krieghofer vom Blog Zitatforschung kommt zum selben Schluss:

Das angebliche Golda-Meir-Zitat ist auf Deutsch entstanden und auf Englisch vor der deutschen Zuschreibung nicht zu finden. Auch auf Deutsch wurde es nur auf Twitter und Facebook verbreitet und nicht durch Zeitungen oder Bücher. Dieses Zitat ist also wahrscheinlich ein Kuckuckszitat und ich halte es für unwahrscheinlich, dass ein Beleg in einem Text oder Interview Golda Meirs gefunden wird.

Gerald Krieghofer, Blog Zitatforschung
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Ein ähnliches Zitat zum Thema Töten und Frieden findet sich in der Autobiografie von Golda Meir:

When peace comes we will perhaps in time be able to forgive the Arabs for killing our sons, but it will be harder for us to forgive them for having forced us to kill their sons.

Wenn der Frieden kommt, werden wir den Arabern vielleicht verzeihen können, dass sie unsere Söhne getötet haben, aber es wird uns schwerer fallen, ihnen zu verzeihen, dass sie uns gezwungen haben, ihre Söhne zu töten.

In: A Land of Our Own : An Oral Autobiography (1973), edited by Marie Syrkin

Auch wenn es einige Zitate mit ähnlichem Inhalt von Meir gibt, so vermutet Krieghofer eine Verwechslung hinter dem Falschzitat. So sagte der spätere Premier Benjamin Netanyahu im Jahr 2014 in einem Interview mit einer australischen Journalistin: „Nun, ich verhandle nicht mit Leuten, die mich zerstören wollen … Menschen, die darauf aus sind, dich zu zerstören, sind keine Kandidaten für eine Verhandlung. Man schließt Frieden, aber nur mit einem Feind, der Frieden will.“

Golda Meir
Golda Meir als israelische Außenministerin (1964). Quelle: Nationaal Archief

Golda Meir, Israels „eiserne Lady“

Golda Meir war die erste Frau, die von 1969 bis 1974 als Premierministerin Israels diente und sich während ihrer Amtszeit mit vielen Herausforderungen konfrontiert sah, darunter der Jom-Kippur-Krieg, wirtschaftliche Probleme und politische Konflikte im Nahen Osten. Ihr entschlossenes Handeln in dieser Zeit stärkte Israels Position in der Region und erlangte weltweit Anerkennung.

Obwohl Meir für ihre harte Haltung gegenüber den Arabern und Palästinensern bekannt war, führte sie auch Verhandlungen mit den arabischen Staaten, um Frieden zu erreichen. Ihr historischer Besuch in Ägypten im Jahr 1971 legte den Grundstein für spätere Friedensgespräche. Meir wird als mutige und entschlossene Führerin Israels angesehen, die das Land in schwierigen Zeiten geleitet hat.

Übrigens lief dieses Wochenende ein Biopic auf der Berlinale: In „Golda“ verkörpert Helen Mirren die israelische Ministerpräsidentin. Die „eiserne Lady“ Israels wird dabei nicht nur als entschlossene Regierungschefin dargestellt, von Männern umgeben. Die es wagt, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie nicht immer die richtigen sind. Der Film ist auch bemüht, die menschlichen Seiten dieser toughen Frau zu zeigen: ihr Witz, ihre Leidenschaft, ihr Mitgefühl, ihre Bodenständigkeit – und ihren Kampf gegen den Krebs.

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Vorsicht vor unangebrachten Zitaten – besonders wenn sie nicht verbürgt sind

Eine Variante des obigen Ausspruchs von Golda Meir gilt als eines der „ikonischsten Zitate der modernen Geschichte Israels“, wie Haaretz schreibt:

Peace will come when the Arabs will love their children more than they hate us.

Der Frieden wird kommen, wenn die Araber ihre Kinder mehr lieben als sie uns hassen.

Der Jewish Press Autor Harvey Rachlin ist sich nach längerer Recherche aber gar nicht mehr sicher, ob Meir diese Worte je so ausgesprochen hat. Auch wenn diese in der Autobiografie „A Land of Our Own“ im Klappentext zitiert werden. Sie soll den Ausspruch 1957 im National Press Club getätigt haben. Das Jahr ist allerdings falsch. Es gab eine Rede von ihr in diesem Club im Jahr 1956, aber leider keine Aufzeichnung davon. Und im Transkript der Rede kam der Spruch auch nicht vor. Auch beim „Wenn der Frieden kommt…“ Zitat (siehe oben) gehen Harvey Rachlin und sein Kollege Jason Maoz von der Jewish Press inzwischen davon aus, dass dieses nie so gesagt wurde.

Ittay Flescher, Autor des australisch-jüdischen Onlinemagazins Plus61J, geht noch einen Schritt weiter und erklärt, „warum wir aufhören müssen, jedes Mal Golda Meir-Zitate zu verbreiten, wenn es einen Krieg gibt“. Mit den Zitaten sind insbesondere die beiden mit den „arabischen Kindern“ gemeint (in der Variante Kinder des früheren ägyptischen Präsidenten Nasser) und ein drittes:

If we have to have a choice between being dead and pitied, and being alive with a bad image, we’d rather be alive and have the bad image.

Wenn wir vor der Wahl stehen, tot zu sein und bemitleidet zu werden oder am Leben zu sein und ein schlechtes Image zu haben, sind wir lieber am Leben und haben das schlechte Image.

Die Botschaft aller drei Zitate ist eine angenommene binäre Situation von Israel, in der entweder das eine oder das andere eintritt: töten oder getötet werden, den Feind auslöschen oder Opfer eines Völkermords werden. Diese Einschätzung war vielleicht vor dem Sechstagekrieg und dem Jom-Kippur-Krieg, wie Ittay Flescher schreibt. Aber zumindest sollte seit 1978 ein dritter Weg vorstellbar sein: Damals unterzeichneten Jimmy Carter (USA), Anwar as-Sadat (Ägypten) und Menachem Begin (Israel) gemeinsam das Camp-David-Friedensabkommen. Ein Frieden, der gehalten hat.

Golda Meir im Ukrainekrieg

Golda Meir war bis 1974 israelische Premierministerin und starb 1978. Ihre bekanntesten Aussprüche kommen aus einer Zeit, in der Israel und seine Nachbarn Konflikte kriegerisch lösten. Geboren wurde sie allerdings 1898 in Kyiv, das damals zum Russischen Reich gehörte. Während dem aktuellen Krieg mit Russland wird sie von manchen in der Ukraine als die zweitbekannteste und -beliebteste jüdische Person nach Präsident Selenskyj betrachtet.

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Der Soldat Alex „Zion“ zeigt seine ukrainische Übersetzung von „Golda“ (2009, Elinor Burkett)

Folgender Ausspruch von Benjamin Netanyahu geht auch auf Golda Meir zurück: „Wenn die Araber heute ihre Waffen niederlegen würden, gäbe es keine Gewalt mehr. Würden die Juden heute ihre Waffen niederlegen, gäbe es kein Israel mehr“. Im aktuellen Krieg wurde er umgedichtet und es ist nun von Russland und der Ukraine die Rede. Auch die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock griff kürzlich das Zitat auf:

Fazit: Das Zitat „Du kannst nicht mit jemanden über Frieden verhandeln, der gekommen ist, um dich zu töten“ wird der früheren israelischen Premierministerin Golda Meir zugesprochen und passt auch gut zu der harten Linie, die sie gegenüber den arabischen Nachbarn vertrat. Verbürgt ist der Ausspruch allerdings nicht, es könnte aber auch von Benjamin Netanyahu stammen, der zwar Meir häufig zitiert hat, aber nicht immer wörtlich und namentlich.

Mimikama-Bewertung: UNBEWIESEN

Quellen: Zitatforschung-Blog (Gerald Krieghofer), Wikiquote, Haaretz, Plus61J, Times of Israel, Auswärtiges Amt auf Facebook, Tagesspiegel, Herald Sun, Twitter
Golda Meir: A Land of Our Own – An Oral Autobiography (1973), edited by Marie Syrkin

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