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Teelichtofen im Faktencheck

Einfach zwei Blumentöpfe und ein paar Teelichter sollen reichen, um einen Raum im Winter warmzuhalten. Ein Thema, welches wir schon einmal behandelt haben.

Tom Wannenmacher,

Mitte Juli 2022 haben wir das erste Mal von einem sogenannten Teelichtofen berichtet. Also zu einer Zeit, wo es uns, wetterbedingt, noch etwas wärmer war. Was mussten wir uns seit damals nicht alles anhören: „Wie könnt Ihr nur? Auch anderer berichten darüber, dass es funktioniert, auch namhafte Medien sind hier dabei. Von den ganzen Firmen, die dieser Teelichtofen verkaufen, möchte ich gar nicht reden“

+++UPDATE: Bitte lesen Sie zu diesem Thema unseren aktuellen Artikel HIER+++

Hmmmm. Und nun? Liegt es jetzt an uns, weil wir zu diesem Thema die Fakten geprüft haben oder liegt es eher an einem schlechten Marketing jener, die diese Teelichtöfen vertreiben? Wir wissen es nicht.

Fakt ist, dass nicht nur wir zu dem Fazit gekommen sind, dass diese Teelichtofen zwar für ein hübsches Ambiente in einem Raum sorgt, ihn aber „Ofen“ zu nennen, stark übertrieben ist. Das Prinzip ähnelt zwar dem der Kachelöfen, doch die abgegebene Wärmeleistung durch die Blumentöpfe ist viel zu gering, um einen Raum zu heizen.

Unser Teelichtofen – Faktencheck

Ein einzelnes Teelicht hat etwa 30 bis 40 Watt. Bei vier bis sechs brennenden Kerzen haben wir also eine Wärmeleistung von 120 bis 160 Watt – nicht gerade berauschend, wenn man bedenkt, dass Heizungen je nach Größe im Durchschnitt 800 – 2000 Watt leisten.

Mit 120 bis 160 Watt kann man also nicht wirklich einen Raum aufheizen, aber es gibt ja noch die Blumentöpfe über den Kerzen. Bewirken die vielleicht irgendwas Besonderes?

Gemäß dem Energieerhaltungssatz wird beim Brennen eines Teelichts die Verbrennungsenergie in Licht und Wärme umgewandelt. Die Wärme wandert zu einem großen Teil in die über den Kerzen angebrachten Blumentöpfe. Und dann?

Die Blumentöpfe haben nicht die magische Fähigkeit, die Wärmeenergie der Kerzen zu vervielfachen, es bleibt also bei der Wärmeleistung von 120 bis 160 Watt. Sie erfüllen aber einen anderen Zweck: Die Blumentöpfe speichern die Wärme und geben sie langsam ab.

Die psychologische Seite so eines Teelichtofens!

Wenn es kalt und dunkel ist, dann kann so ein Teelichtofen, an dem man sich zumindest die Hände wärmen kann, eine tröstende Wirkung erzielen. Es handelt sich um einen netten Dekogegenstandder kühle Abende ein wenig angenehmer gestalten. Die Wärmewirkung selbst ist homöopathisch. Sprich: Sie geht nicht über den Placebo-Effekt hinaus.
Stellt man so einen Teelichtofen neben sich auf den Tisch, wird einem automatisch durch das beruhigende Flackern der Kerzen „heimeliger“ und wärmer – und auch, weil man sich nahe an der Wärmequelle befindet. Doch sobald man sich für zwei Schritte von dem Teelichtofen entfernt, wird es wieder kalt, denn die Wärme strahlt bei der geringen Leistung nun mal nicht sonderlich weit.

Teelichtofen: Hot or not?

Jetzt berichtet auch unsere Kooperationspartner von Checked4you darüber und schreibt, dass die Idee recht simpel sei und dass dieses Produkt schnell gebaut werden kann: Zwei unterschiedlich große Tontöpfe ineinander auf einer Stange verschraubt, darunter ein paar Teelichter: Fertig ist eine kleine Heizung. Denn zwischen den Töpfen soll warme Luft gespeichert und langsam abgegeben werden.

  • Um einen ganzen Raum mit Teelichtern warmzuhalten, bräuchtet ihr viele davon.
  • Gefahren dabei: Sauerstoff wird knapp und es werden Gase freigesetzt, die sich entzünden können.
  • Als Bastelfreude und Händewärmer kann so ein Selfmade-Ofen aber eine nette Idee sein.

DIY-Clips sind bei Instagram, TikTok, YouTube und anderen Netzwerken zu finden. Das hat auch schon dazu geführt, dass Tontöpfe in manchen Bau- und Gartenmärkten vorübergehend ausverkauft sind.

Klar, der Winter kommt und heizen ist dieses Jahr teuer. Radiatoren sind keine gute Alternative, weil sie mit Strom laufen und auch der teurer wird und außerdem befürchtet wird, dass der Strom ausfällt, wenn zu viele Menschen eine Stromheizung anmachen. Da kommen manche auf kreative Ideen, um Wärme zu erzeugen.

Aber sind Teelichter stark genug, um einen ganzen Raum warmzuhalten? Nein!

Da haben eine Strickjacke oder eine Wärmflasche noch stärkere gefühlte Wärmeeffekte auf den eigenen Körper. Ein Teelicht kann vielleicht einen Quadratmeter leicht erwärmen. Um die Bude also wirklich aufzuheizen, bräuchtet ihr ziemlich viele Lichter. Und das wiederum könnte ziemlich gefährlich werden. Denn Flammen brauchen den Sauerstoff der Luft, um bestehen zu können. So wie wir Menschen. Bei zu vielen Kerzen kann es also stickig im Raum werden.

Zudem enthält das Wachs in der Regel Paraffin. Ist es billig, rußt es stärker als zum Beispiel Stearin. Paraffin stammt aus Erdöl. Wenn es brennt, kann es nicht mit Wasser gelöscht werden. Und wenn die Kerzen zu nah beieinander stehen, können Gase entstehen, die sich schlagartig entzünden. Da ist dann nichts mehr mit auspusten. Sofern ihr die Flammen nicht mit einer feuerfesten Decke ersticken könnt, braucht ihr Löschschaum! Und das Aluminium um ein Teelicht herum ist auch nicht gerade umweltfreundlich.

Also: So ein Teelichtofen kann auf jeden Fall ein schöner Bastelspaß sein und ihr könnt auch eure Hände am Tisch ein wenig wärmen. Als Heizung für einen ganzen Raum ist die Konstruktion aber nicht geeignet. Das gilt im übrigen auch für Kohle- oder Gasgrill, die niemals im Zimmer genutzt werden sollten!

Geht es euch um stimmungsvolles Kerzenlicht, könnt ihr zum Beispiel Kerzen mit RAL-Gütezeichen kaufen. Das Label haben Kerzen, wenn sie nicht tropfen, ruß- und raucharm brennen und aus Rohstoffen bestehen, die keine gesundheitsschädlichen Grenzwerte überschreiten.

Passend zum Thema: Brandgefahr durch Teelichter

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Quelle:

Checked4You


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