Seit Elon Musk im Oktober 2022 bei Twitter den Chefsessel übernommen hat, ist die Zahl antisemitischer Tweets beim Mikroblogging-Dienst rasant angestiegen. Laut Analyse der Medienplattform „The Conversation“, der Tech-Firma CASM Technology und des Institute for Strategic Dialogue haben sich entsprechende Postings in den Monaten nach der Übernahme mehr als verdoppelt. In dem Zeitraum wurden zudem auch nur knapp 8,5 Prozent der antisemitischen Inhalte wieder entfernt, kritisieren die Experten.

Neues Hass-Level erreicht

„Als in den Tagen nach der Machtübernahme durch Elon Musk bei Twitter ein starker Anstieg von antisemitischen Meldungen registriert wurde, machte der damalige Sicherheitschef des Portals dafür lediglich eine ‚konzentrierte, kurzfristige Troll-Kampagne‘ verantwortlich. Unsere Forschung zeigt nun aber ganz deutlich, dass das Gegenteil der Fall ist“, sagt Carl Miller in seinem Bericht für „The Conversation“. In Wirklichkeit habe man es hier aber mit einem völlig neuen Level von antisemitischem Hass zu tun.

Die Ursachen sind vielschichtig: „Musk, der sich selbst gerne als Vorkämpfer für freie Meinungsäußerung porträtiert, hat Twitter seit der Übernahme in eine grundlegend andere Richtung gesteuert“, meint Miller. Der US-Milliardär habe etwa den hauseigenen ‚Trust and Safety Council‘ aufgelöst, der für die Kontrolle und Entfernung von unpassendem Material auf der Plattform verantwortlich war. Außerdem wurden zahlreiche zuvor gesperrte Konten wieder freigeschalten und über die Hälfte der Mitarbeiter eingespart. „Viele davon waren auch mit dem Kampf gegen Hassrede befasst“, so Miller.

Eine Mio. Tweets ausgewertet

Um herauszufinden, wie viel antisemitisches Gedankengut tatsächlich über Twitter verbreitet wird, hat der Wissenschafter und Mitgründer des britischen Centre for Analysis of Social Media gemeinsam mit seinen Partnern 22 Algorithmen und Ansätze des maschinellen Lernens kombiniert, die speziell für das Aufspüren von Hassrede trainiert worden sind. Damit wurden zwischen 1. Juni 2022 und 9. Februar 2023 über eine Mio. Tweets erfasst und ausgewertet, die mindestens eines von 119 vorher definierten Schlüsselwörtern enthielten, die mit Antisemitismus in Verbindung gebracht werden.

Lesen Sie auch >   Desinformation: Die unsichtbare Gefahr, die unsere Gesellschaft spaltet

Insgesamt wurden auf diese Weise 325.739 Meldungen identifiziert, die als „plausibel antisemitisch“ klassifiziert werden können. Diese wurden von 146.516 unterschiedlichen User-Konten gepostet. Vor der Übernahme durch Musk waren es im Schnitt 6.204 antisemitische Tweets pro Woche, danach ist diese Zahl um 105 Prozent auf 12.762 angestiegen.

Quelle:

Pressetext

Lesen Sie auch unsere Faktenchecks:
Seltene Schlangenkatze aus dem Amazonas! Echt jetzt?
Zucker: Warum es für unsere Gesundheit schädlich sein kann – Ein Faktencheck
Begrüßungsgeld: Wenn ukrainische Flüchtlinge als Sündenbock für Neidhammel herhalten müssen

Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)