Russland greift im digitalen Raum die Freiheit an, während es mit Panzern und Granaten die Grenzen Europas verändert. Eine anonyme Quelle hat interne Unterlagen der russischen IT-Firma NTC Vulkan geleaked, die von einem Rechercheverbund von mehreren internationalen Medien gemeinsam analysiert wurden. Diese belegen, dass drei russische Geheimdienste mit Software beliefert wurden, die für einen Krieg genutzt werden kann, in dem Kraftwerke gehackt statt bombardiert werden. Die Dokumente zeigen auch, wie Russland um die Waffenhoheit im weltweiten Informationskrieg kämpft.

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Geleaked: Beitrag von NTC Vulkan zum Cyberkrieg

Russland hat viele Angriffe auf dem digitalen Schlachtfeld ausgeführt, oft gegen die Ukraine. Hacker attackierten dort das Finanzministerium, die Eisenbahngesellschaft und Energieversorger. 2015 wurde bereits mit einem Schadprogramm namens Black Energy ein Stromausfall provoziert, von dem rund 700.000 Menschen betroffen waren. 2017 wurde eine ukrainische Buchhaltungssoftware mit dem Trojaner NotPetya attackiert, der weltweit Computersysteme infizierte und einen Schaden von rund neun Milliarden Euro verursachte. Auch hinter Angriffen auf den Deutschen Bundestag 2015 und auf die US-Präsidentschaftswahl 2016 soll Russland gestanden haben.

Vulkan ist eine Firma, die private Entwickler für die Zwecke des russischen Staates nutzt. Die Dokumente belegen, dass Softwaresysteme als Überwachungs- und Spionagemaschinen eingesetzt werden können, auch als Waffen gegen Regime-Kritiker. Einige Dokumente beschreiben ein Trainingsseminar, bei dem Hacker lernen sollen, wie sie kritische Infrastruktur wie Eisenbahnnetze oder Kraftwerke attackieren können. Etliche Dokumente zeigen Pläne für ein System, das gesamte Regionen vom freien Internet abschneiden und mit Propaganda fluten könnte. Es wäre eine neue Stufe der Eskalation im russischen Informationskrieg.

Ob die von Vulkan entwickelten Cyberwaffen tatsächlich eingesetzt wurden, belegen die Dokumente nicht, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen. Aber sie belegen, dass Programme zumindest getestet wurden. Eine deutliche Spur führt von Vulkan auch zu einer russischen Hackergruppe, deren Name oft fällt, wenn besonders verheerende Cyberangriffe geschehen: Sandworm. Und Sandworm ist dem Militärgeheimdienst GRU unterstellt.

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Sehr ausführliche Reportagen zu den Vulkan Files finden Sie bei The Guardian, Spiegel (auf Englisch) oder der SZ. Die Unterlagen sind so umfangreich, dass auch die nächsten Tage und Wochen mit neuen Erkenntnissen gerechnet werden darf.

Im Netz der Krieger
Quellen: Süddeutsche Zeitung, ORF, The Guardian, Spiegel

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